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28.11.2011 |

MAN legt Streit um Ferrostaal bei

Ferrostaal war vorgeworfen worden, mit der Zahlung von Schmiergeldern Geschäfte im Ausland an Land gezogen zu haben (Bild: Ferrostaal).
Ferrostaal war vorgeworfen worden, mit der Zahlung von Schmiergeldern Geschäfte im Ausland an Land gezogen zu haben (Bild: Ferrostaal).

Der Lkw-Hersteller MAN hat eine Lösung für sein Problem mit der einstigen Tochter Ferrostaal gefunden. MAN wird den Essener Baudienstleister für 350 Mio Euro von dem arabischen Staatsfonds IPIC zurückkaufen und für 160 Mio Euro an die Beteiligungsgesellschaft MPC Capital weiterreichen.

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Der monatelange Streit um Ferrostaal hat ein Ende: MAN und der arabische Staatsfonds IPIC einigten sich am Montag nach zähem Ringen auf eine Lösung für das zuletzt arg von der Unsicherheit über die Zukunft gebeutelte Unternehmen. MAN wird Ferrostaal zurückkaufen und an das Handelshaus MPC weiterverkaufen. Mit dieser Einigung könnte auch die Lkw-Allianz von MAN und Scania unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns einen weiteren Schritt näher gerückt sein.

Der Münchener DAX-Konzern MAN wird IPICs Ferrostaal-Anteil in einem ersten Schritt für 350 Mio Euro übernehmen. Mit dem am Montag unterzeichneten Vergleich sind alle wechselseitigen Ansprüche abgegolten. MAN-Finanzvorstand Frank Lutz begrüßte die nun gefundene Einigung: “Wir freuen uns sehr, dass wir die Gespräche mit IPIC in versöhnlicher Weise beenden konnten mit einem Ergebnis, das für alle Beteiligten akzeptabel ist. Wir haben den Weg für einen erfolgreichen Neustart der Ferrostaal bereitet.”

IPIC (International Petroleum Investment Company) hatte 2009 einen 70-prozentigen Ferrostaal-Anteil für 450 Mio Euro von MAN gekauft und wurde unmittelbar nach der Mehrheitsübernahme von Korruptionsvorwürfen gegen den Industriedienstleister auf dem falschen Fuß erwischt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, mit der Zahlung von Schmiergeldern Aufträge im Ausland an Land gezogen zu haben. Vor allem bei U-Boot-Verkäufen an Griechenland waren fragwürdige Praktiken entdeckt worden. Die Araber lehnten daher die eigentlich vereinbarte Übernahme des Rests von Ferrostaal ab. Seither stritten sich beide Parteien, wer für die Kosten und die zukünftigen Risiken der Vergehen aufkommen muss.

MAN wird Ferrostaal jedoch nicht behalten, sondern den Industriedienstleister unmittelbar nach dem Abschluss des Rückkaufs für bis zu 160 Mio Euro an die Hamburger MPC Gruppe verkaufen. MPC blickt auf eine 165-jahrige Firmengeschichte zurück und vereint drei voneinander unabhängige Geschäftsbereiche – Schiffbau und Schifffahrt, Kapitalanlagen sowie Rohstoffe und Maschinen. Die Hamburger verfügen über jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich Industriedienstleistungen, dem Kerngeschaft der Ferrostaal.

Der Besitzerwechsel soll in etwa zwei Monaten offiziell erfolgen. MPC und Ferrostaal sind füreinander keine Unbekannten: Im Jahr 2008 legten die Unternehmen unter der Firmierung Coutinho & Ferrostaal ihre Stahlhandelsaktivitäten zusammen. “Mit der Übernahme durch die MPC beginnt für die Ferrostaal AG eine neue Ära”, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter, Axel Schroeder. Die Erfahrungen von MPC mit der Finanzierung, Entwicklung und Umsetzung von Großprojekten sowie die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ferrostaal seien hervorragende Voraussetzungen, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

MPC will das Unternehmen, das in diesem Jahr wohl den ersten Verlust der Geschichte schreiben wird, zügig auf die Erfolgsspur zurückführen. “Ferrostaal hat einige Baustellen, aber der Wert ist unvermindert da”, sagte Schroeder dem Handelsblatt (Montagausgabe). “Ich bin mir sicher, dass wir das Verlorene wieder aufholen können”. Wichtig sei insbesondere, das Vertrauen der Banken zurückzugewinnen. Einschnitte sind zunächst nicht zu erwarten: “Wir haben derzeit keine Pläne für einen Umbau”, so Schroeder. Der Konzernsitz für das Unternehmen mit 4.500 Mitarbeitern soll in Essen bleiben. “Einen Verkauf von Teilen planen wir nicht.”

Auch das wegen der Korruptionsvorwürfe anhängige Gerichtsverfahren gegen Ferrostaal soll schon bald Geschichte sein. Mitte Oktober kündigte Ferrostaal an, durch die Zahlung von knapp 150 Mio Euro einen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft schließen zu wollen. Die Fortschritte an allen Fronten nähren am Markt Spekulationen, VW könnte bei der geplanten Lkw-Troika unter dem eigenen Konzerndach nun Nägel mit Köpfen machen.

Euroopas größter Autobauer strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania an, die es mit den Branchenschwergewichten Daimler und Volvo aufnehmen können soll. Die Mehrheit an Scania hält VW bereits seit Jahren, die an MAN seit Anfang des Monats. In einem ersten Schritt sollen durch einen gemeinsamen Einkauf der Nutzfahrzeughersteller Synergien in Höhe von 200 Mio Euro gehoben werden, langfristig werden die Einsparpotenziale noch deutlich höher gesehen.

Einer wie auch immer gearteten Integration standen bisher die Streitigkeiten um Ferrostaal und der Schmiergeldskandal im Weg. Das hatten VW-Chef Martin Winterkorn und der einflussreiche Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piëch, in den vergangenen Monaten gebetsmühlenartig betont. Da diese Themen nun aber bald Geschichte sein könnten, könnte auch die Lkw-Allianz vorankommen.

Volkswagen wollte sich am Montag nicht dazu äußern. “Das nimmt aber Unsicherheit aus dem Markt”, meint ein Händler. Und da Anleger Unsicherheit nicht mögen, so LBBW-Analyst Frank Biller, sei die Lösung positiv für die MAN-Aktie. Nicht nur der Rückkaufspreis liege niedriger als befürchtet, sondern außerdem sei seine volle Integration nun deutlich einfacher umzusetzen.

Die MAN-Aktie gewinnt entsprechend den guten Neuigkeiten deutlich hinzu: Mit einem Plus von 5,2% auf 58,90 Euro ist das Papier am Mittag einer der größter Gewinner im DAX. Auch die Volkswagen-Papiere können profitieren und legen 4,6% auf 117,25 Euro zu.

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