21.12.2011 | Arbeitsorganisation
Maschinenbau: Durch Zeitarbeit flexibel aufgestellt

Das große Thema der Jahresend-Pressekonferenz des VDMA war die Zeitarbeit im deutschen Maschinenbau. VDMA-Präsident Thomas Lindner hob die Bedeutung dieses Flexibilisierungsinstrumentes heraus und konnte mit Zahlen belegen, warum es so wichtig für seine Branche ist.
Von Ulrich W. Schamari
FRANKFURT (ilk). Eine Kernbotschaft des Verbandspräsidenten lautete: „Die Zeitarbeit ist ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument für den Maschinenbau. Aktuell beschäftigen wir etwa 6 Prozent der Stammbelegschaften als Zeitarbeitnehmer.“ Die Wahrscheinlichkeit für diese Mitarbeiter, in ein Beschäftigungsverhältnis fest übernommen zu werden, sei durchaus vorhanden. Man könne klar sagen, dass die Firmen der Maschinenbaubranche die Zeitarbeit praktisch nie als Kostensenkungsinstrument nutzen. Vielmehr diene sie wirklich als ein dominantes Instrument der Flexibilisierung. Natürlich sei ihm bewusst, so Lindner, dass die Zeitarbeit gegenwärtig ein brisantes Thema in der öffentlichen Diskussion darstelle. Allerdings scheine ihm persönlich die Präsenz des Themas – teilweise auch, wie die Präsenz von der Politik gefördert werde – angesichts des realen Ausmaßes der Zeitarbeit weit übertrieben.
Der VDMA hat deshalb eine dritte Umfrage nach 2005 und 2007 bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Die Antworten von 280 Unternehmen mit rund 185.000 Beschäftigten konnten ausgewertet werden, was zu aussagefähigen Ergebnissen führte. „Zum Stichtag 30.9. dieses Jahres beschäftigten 3 von 4 befragten Unternehmen Zeitarbeitnehmer“, stellte Lindner fest. Im Durchschnitt liege ihre Quote im Maschinen- und Anlagenbau bei 6 Prozent, während sie deutschlandweit über alle Branchen hinweg 2 Prozent betrage. Die Zeitarbeit im Maschinenbau diene als Brücke in die Stammbelegschaft, denn die Übernahmechancen für eine Zeitarbeitskraft seien bei mehr als einem Drittel der befragten Unternehmen größer als 30 Prozent. Da der finanzielle Aufwand für einen Zeitarbeiter dem für einen Mitarbeiter der Stammbelegschaft vergleichbar sei, könne man im Maschinenbau bei Zeitarbeit nicht von prekären Beschäftigungsverhältnissen sprechen. In der Zeitarbeit sehe der VDMA nicht nur eine strukturelle Komponente, sondern werte sie auch ganz klar als Folge eines erheblichen konjunkturellen Einflusses.
Auch zur Konjunktur äußerte sich Lindner mit einer deutlichen Botschaft: „Mit dem bis jetzt bekannten Produktionswachstum von plus 14 Prozent für dieses Jahr – was für uns ja überraschend war – hoffen wir am Jahresende ins Ziel einzulaufen. Aber die Maschinenbauindustrie ist eine zyklische Branche, und für November und Dezember erwarten wir von der Tendenz her eher sinkende Auftragseingänge.“ Das liege natürlich auch am Basiseffekt, denn durch die guten Werte des Vorjahres sei die Messlatte ziemlich hoch gelegt.
Die Volatilität hat nach Lindner in den letzten Jahren noch erheblich zugenommen. „Wir glauben auch nicht, dass wir irgendwann wieder Zeiten eines ruhigen Stromes erleben“, fügte er hinzu. Negative Auftragseingänge in den nächsten Monaten wären keine Überraschung und schon gar kein Krisenzeichen. Noch immer gelte die optimistische Prognose von plus 4 Prozent Produktionswachstum. Sie spiegele die Stimmung in den Unternehmen wider, auch wenn man sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bewege. In diesem Zusammenhang übte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse deutliche Kritik an der Bundeskanzlerin: „Es sah auf dem Krisengipfel so aus, als ob sie wirklich Leadership übernommen hätte. Da liest man voller Freude, dass die Budgetsünder ihre Budgethoheit verlieren werden. Zwei Tage später liest man dann: Das geht ja gar nicht, weil die Verträge, die da abgeschlossen werden sollen, gegen vorhandene Verträge verstoßen. So kann es eigentlich nicht gehen. So wird Vertrauen wirklich verspielt.“
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