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21.11.2011 |

Doosan Infracore: „Deutschland ist ein Schlüsselmarkt für uns“

Jae-Jin Ju ist geschäftsführer der Doosan Infracore Germany GmbH.
Jae-Jin Ju ist geschäftsführer der Doosan Infracore Germany GmbH.

Der südkoreanische Werkzeugmaschinenbauer Doosan Infracore ist weltweit eines der größten Unternehmen dieser Branche. Europa-Geschäftsführer Jae-Jin Ju erklärt uns, wie er seinem Unternehmen in Deutschland zum großen Durchbruch verhelfen will.

von Sebastian Moser

Herr Ju, wie ist es möglich, dass ein kleines Land wie Süd-Korea eine derart bedeutende Industrienation wurde?

Die Arbeitsmentalität in Süd-Korea ist gekennzeichnet durch Disziplin, Ehrgeiz und hohe Lernbereitschaft. Unser eigener Markt ist zudem eher klein und daher müssen wir uns auf den Export konzentrieren. Auf den Märkten in aller Welt können wir aber nur mit wettbewerbsfähigen Produkten bestehen. Das weiß jeder Südkoreaner und gibt folglich immer sein bestes, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte zu erhalten. Dazu beobachten wir unsere Wettbewerber weltweit immer genau und versuchen dann, es auf unsere ganz eigene Art besser zu machen. Das gelingt, wie wir selbst aber auch andere Südkoreanische Unternehmen wie beispielsweise Samsung, LG oder Hyundai Motors eindrücklich beweisen.

Was sind die Unterschiede zu anderen asiatischen industriellen Erfolgsmodellen wie Japan oder China?

China hat immense Ressourcen an Rohstoffen und zugleich einen sehr großen Absatzmarkt, Japan hat sehr viel Erfahrung und technisches Know how. Zudem sind beide Länder deutlich größer. Früher war die industrielle Entwicklung in Japan immer unser großes Vorbild und wir wollten aufholen. Mittlerweile hat sich das geändert und in manchen Bereichen sind wir sogar stärker als unsere japanischen Wettbewerber. Besonders in den letzten Jahren haben wir stark aufgeholt.

Wie sieht das bei den Werkzeugmaschinen und speziell bei Doosan aus?

Wir bei Doosan streben nicht  nur die Technologieführerschaft an. Vielmehr setzen wir auf produktive und absolut zuverlässige Maschinen zum  besten Preis-Leistungsverhältnis. Deutsche und japanische Maschinen sind dagegen technologisch sehr anspruchsvoll, aber auch vergleichsweise teuer. Im Wesentlichen haben wir allerdings technologisch zu den japanischen und deutschen Herstellern aufgeschlossen. Der einzige Unterschied ist, dass wir in manchen Märkten noch nicht so bekannt sind. Das wollen und werden wir ändern. Wir haben dabei als Unternehmen in einem Weltkonzern die breite und großzügige Unterstützung unserer Zentrale. Das macht uns auch zu einem langfristig extrem  zuverlässigen Partner.

Wie erfolgreich ist Doosan weltweit, in Europa und speziell in Deutschland?

Bis vor einigen Jahren waren Europa, Südkorea und die USA unsere größten Märkte. Im Zuge der jüngsten Branchenkrise ist Europa zurückgefallen. Dafür verkaufen wir mittlerweile deutlich mehr Maschinen in die Türkei, Russland und ganz besonders China. Zu Europa: Europaweit  verkaufen wir mittlerweile ungefähr 3000 Maschinen pro Jahr, wobei Italien und Großbritannien neben Deutschland unsere größten Märkte sind. Zu Deutschland: Wir wissen, dass wir hier noch großen Nachholbedarf haben und unseren guten Namen bekannter machen müssen. Deshalb befindet sich unsere Europa-Zentrale ja auch in Deutschland/Langenfeld. Nächstes Jahr werden wir zudem in neue und größere Räumlichkeiten in der Nähe von Düsseldorf umziehen. Ein eindrucksvolles Symbol unserer Bemühungen auf dem deutschen Markt war auch unser Messeauftritt auf der diesjährigen Werkzeugmaschinenleitmesse EMO Hannover 2011. Der Doosan-Stand hatte beeindruckende Ausmaße und zeigte nahezu unsere gesamten Neuheiten aus einem Gesamtproduktportfolio von mehr als 320 verschiedenen Maschinen. Zudem haben wir durch etliche weitere Marketingmaßnahmen im Rahmen dieser Messe auf uns aufmerksam gemacht.

Warum ist Deutschland so wichtig?

Der deutsche Markt ist der anspruchvollste und größte Markt für Werkzeugmaschinen und hat insbesondere für die aufstrebenden osteuropäischen Märkte Vorbildcharakter.

Wie haben Sie Vertrieb und Service in Deutschland und anderswo organisiert?

Jeder Markt auf dieser Erde hat seine eigenen Besonderheiten und Gesetzmäßigkeiten. Diese kennen Einheimische jeweils am Besten und wir arbeiten deshalb weltweit in vielen Ländern mit engagierten Händlern zusammen. Deren Personal schulen wir intensiv und helfen den Endkunden bei anspruchsvolleren Problemen mit eigenem Personal.

Weitere Informationen zum Unternehmen im Internet: http://domss.doosaninfracore.de/main/main.htm

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