16.12.2011 |

Opel sucht nach dem Weg zur Profitabilität

Bei Opel drohen nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" weiter harte Kostenschnitte (Bild: Opel).

Opel sieht sich angesichts des schwierigen Wirtschaftsumfelds in Europa offenbar wieder einmal zum Handeln gezwungen. Vorstand, Betriebsrat und Aufsichtsrat seien sich einig, dass das Unternehmen auch trotz schlechter werdender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen profitabel arbeiten müsse, erklärten die Gremien am Donnerstag.

von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–”Wir diskutieren entsprechende Strategien gemeinsam und werden unsere Beschäftigten und die Öffentlichkeit selbstverständlich darüber auf dem Laufenden halten”, hieß es weiter. Damit reagierte die Opel-Führung auf die am Mittwoch aufgekommenen erneuten Spekulationen über den wirtschaftlichen Zustand des traditionsreichen Autobauers. Das Wirtschaftsmagazin “Capital” berichtete am Vortag, Opel hinke deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Da sich die Verkäufe 2012 wohl um 100.000 Autos schwächer entwickeln würden als ursprünglich erhofft, bleibe das operative Ergebnis voraussichtlich rund 1 Mrd Euro hinter den Zielen zurück, schrieb das Magazin unter Berufung auf interne Prognosen.

Laut “Capital” könnte die Begleichung des vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) gewährten Kredits auf der Kippe stehen, sollten die Ziele des Restrukturierungsplans verfehlt werden. Nach Informationen des Magazins verlangt GM daher Ende Januar 2012 einen Geschäftsplan für die kommenden Jahre, der Opel wieder in die Gewinnzone bringen soll.

Um den Sanierungsplan einhalten zu können, bleibe Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke wohl nur ein harter Kostenschnitt im Unternehmen, berichtet das Magazin weiter. Stracke überlege Insidern zufolge, künftig billigere Materialien einzusetzen, Zulieferer im Preis zu drücken und weniger Einzelteile selbst zu produzieren. Zudem sollen laut “Capital” zwecks Kosteneinsparungen Modell-Derivate wie das geplante Astra Coupé gestrichen werden und mittelfristig könnten die beiden Werke in Bochum und im britischen Ellesmere Port gefährdet sein.

Die traditionsreiche Marke mit dem Blitz hat – mal wieder – schwierige Zeiten vor sich. Opel ist nach wie vor höchst abhängig vom europäischen Automarkt. Deshalb spürt das Unternehmen die konjunkturelle Abkühlung im Zuge der Schuldenkrise besonders. Das Ziel, in diesem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben, wurde deshalb kürzlich schon aufgegeben. Stracke warnte unlängst vor einer empfindlichen Marktabkühlung in Europa und einem Rückgang der Gesamtzulassungen um 400.000 Autos auf etwa 19,4 Mio.

Die US-Muttergesellschaft ist zunehmend unzufrieden mit der Lage in Europa und will nach eigenem Bekunden bei der Sanierung des Geschäfts alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Seit 1999 hat GM in Europa trotz zahlreicher Restrukturierungsversuche zweistellige Milliardenverluste angehäuft. Die Amerikaner entsandten vor einigen Wochen eigens Vizechef Stephen Girsky sowie die beiden Konzernvorstände Daniel Amann und Tim Lee in den Opel-Aufsichtsrat, um das Vorankommen in Europa genauer im Blick zu haben. Die Arbeitnehmer pochen darauf, dass die 2009 eingeleitete Restrukturierung abgeschlossen ist und ein weiterer Stellenabbau oder gar Werksschließungen bis 2014 ausgeschlossen sind.

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat trotz aller Schwierigkeiten großes mit Opel vor. Erst vor wenigen Tagen erklärte er, bis 2016 einen Gewinn von 1 Mrd Euro und eine Umsatzrendite von 5% erwirtschaften zu wollen. Auch der scheidende Opel-Betriebsratschef Klaus Franz traut der Marke mit dem Blitz einiges zu: Perspektivisch habe Opel das Zeug zu einem Marktanteil von 10% in Deutschland und könne wieder die Nummer Zwei in Europa werden.


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