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22.02.2012 | Automotive
Peugeot lotet offenbar Allianz mit Opel aus

Laut übereinstimmenden Berichten der französischen Wirtschaftszeitung La Tribune und der Financial Times (FT) befinden sich die Verhandlungen der beiden Autobauer über eine mögliche Kooperation in einem fortgeschrittenen Stadium.
Von David Pearson und Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
PARIS/FRANKFURT (DJ/gk). Opel und Peugeot Citroën gehören momentan zu den größten Sorgenkindern in der europäischen Automobilindustrie. Beide Unternehmen stehen angesichts des schwierigen Marktumfelds auf dem alten Kontinent vor harten Einschnitten. In ihrer Not verhandeln die Autobauer nun offenbar über eine großangelegten Allianz. Laut übereinstimmenden Berichten der französischen Wirtschaftszeitung La Tribune und der Financial Times (FT) befinden sich die Verhandlungen der beiden Autobauer über eine mögliche Kooperation in einem fortgeschrittenen Stadium. Die FT schreibt unter Berufung auf zwei Insider, Peugeot und Opel sowie die britische Schwestermarke Vauxhall könnten gemeinsam Motoren, Getriebe und sogar ganze Fahrzeuge entwickeln. Nach Informationen der britischen Zeitung geht es bei den Verhandlungen nicht um einen möglichen Zusammenschluss, und auch ein Aktientausch ist unwahrscheinlich. Sollte es zu einer Übereinkunft kommen, könnte diese auf dem Genfer Autosalon Anfang März verkündet werden, schreibt die FT. Europas zweitgrößter Autohersteller, PSA Peugeot Citroën, reagierte in der Nacht zum Dienstag auf die Medienberichte und erklärte, Kooperationen und Allianzen zu prüfen. “Solche Gespräche finden statt, ob es jedoch zu einer Vereinbarung kommt, ist noch nicht sicher,” sagte ein Peugeot-Sprecher. Namen nannten die Franzosen nicht. Auch Opel wollte die Berichte nicht bestätigen, dementierte sie aber auch nicht: “GM spricht regelmäßig mit anderen Automobilherstellern”, erklärte ein Sprecher lediglich. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Opel und Peugeot Citroën sind stark vom weitgehend gesättigten europäischen Markt abhängig, dem nach drei Jahren des Schrumpfens wegen der Schuldenkrise auch 2012 weitere Rückgänge vorhergesagt werden. Angesichts der wohl dauerhaft niedrigen Nachfrage schätzen Branchenkenner die automobilen Überkapazitäten auf dem alten Kontinent auf etwa ein Viertel. Die Folge ist ein brutaler Preiskampf, der die beiden traditionsreichen Autobauer in den vergangenen Jahren schwer in Mitleidenschaft zog.
Die Franzosen schrieben 2011 operativ rote Zahlen und verbrannten fast 1,7 Milliarden Euro. Die beiden europäischen GM-Marken Opel und Vauxhall waren für die Amerikaner, die im vergangenen Jahr mit einem Rekordgewinn glänzten, mit einem Minus von rund 750 Millionen US-Dollar der Wermutstropfen. Angesichts der zunehmend trüberen Aussichten auf dem europäischen Markt verschärfte Peugeot Citroën unlängst den eingeschlagenen Sparkurs: Anstatt 800 Millionen Euro soll in diesem Jahr nun 1 Milliarde Euro eingespart werden, weitere 1,5 Milliarden Euro sollen durch den Verkauf von Vermögenswerten eingenommen werden. Gleichzeitig werden Ausgaben eingefroren, beispielsweise der Bau eines Montagewerks auf dem wichtigen indischen Wachstumsmarkt. Bei Opel geht indes seit einigen Wochen wieder die Angst vor Stellenstreichungen und Werksschließungen um. Die GM-Führungsriege bezeichnete den vergangene Woche ausgewiesenen Millionenverlust als inakzeptabel und kündigte an, Gewinnschwelle und Kapazitäten an die gesunkene Nachfrage anpassen zu wollen. Der nächste Restrukturierungsplan wird gerade erarbeitet und soll in den kommenden Monaten vorgelegt werden.
Dem Vernehmen nach könnten bei Opel und Vauxhall zumindest mittelfristig die Werke in Bochum und im britischen Ellesmere Port vor dem Aus stehen. Vor zwei Jahren hatten die Amerikaner bei Opel bereits europaweit rund 8.000 Stellen gestrichen und das Werk im belgischen Antwerpen dicht gemacht. Gleichzeitig waren mehrere Milliarden Euro in die Modellpalette investiert worden, um Opel zukunftsfähig aufzustellen.
Einen Beleg dafür, wie schwer es für Opel und PSA in diesem Jahr werden kann, liefern die Januar-Zulassungszahlen in Europa: Beide Autobauer ließen zum Jahresauftakt Federn und gehörten mit Absatzrückgängen von gut einem Fünftel beziehungsweise rund 15 Prozent zu den größten Verlierern. Die Marktanteile sanken damit deutlich; die ambitionierten südkoreanischen Konkurrenten Hyundai und Kia schließen immer weiter auf. Die schwierigen Marktbedingungen in Europa lassen die Autohersteller verstärkt über Allianzen nachdenken, um die Entwicklungs- und Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten. So hatten Medien bereits darüber spekuliert, dass Peugeot mit Fiat eine Zusammenarbeit bei Kleintransportern eingehen könnte. Die Franzosen arbeiten schon punktuell mit den Italienern aber auch Konzernen wie Toyota, Ford, BMW und Mitsubishi zusammen.
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