24.03.2010 | Unternehmen & Märkte

Rohwedder kündigt Insolvenzantrag an

Der langjährige Vorstandsvorsitzende Joachim Rohwedder war im Mai 2009 von seinem Posten zurückgetreten und zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender (Bild: Rohwedder AG).
Der langjährige Vorstandsvorsitzende Joachim Rohwedder war im Mai 2009 von seinem Posten zurückgetreten und zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender (Bild: Rohwedder AG).

Der Automatisierungsspezialist Rohwedder steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Noch im Laufe dieser Woche will das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Bermatingen Insolvenzantrag stellen.

BERMATINGEN (Dow Jones/ks/mg)–Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, die notwendige Finanzierung sicherzustellen, hieß es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Auf Anfrage von Produktion, warum nach einer Steigerung des Auftragseingangs im 2. Halbjahr 2009 um 41% nun die Insolvenz ins Haus stehen könnte, antwortete Rohwedder:

“Der Auftragseingang blieb in den Monaten Januar und Februar 2010 deutlich unter Plan, weil Kundenaufträge sich aufgrund der andauernden allgemeinen Wirtschaftskrise weiter verzögert haben. Aufgrund dessen konnte die zur Überbrückung bis zur Auftragsbelebung notwendige Finanzierung nicht sichergestellt werden. Die Rohwedder AG hatte aber deutliche Kundenindikationen dafür, dass es möglich gewesen wäre, ab Ende März 2010 signifikant an den Planansatz im Auftragseingang aufzuschließen. Die Familie hatte sogar Bereitschaft zur Zeichnung einer Kapitalerhöhung gezeigt, und wir hatten Indikationen, dass das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm am Unternehmenskapital großen Zuspruch erfahren hätte.”

Die Rohwedder AG ist von der weltweiten Wirtschaftskrise hart getroffen worden. So verbuchte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Einbruch bei den Neuaufträgen um die Hälfte. Wenngleich die Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder anzog, sei mittelfristig keine Rückkehr zu Volumina der vergangenen Jahre zu erwarten, warnte das Unternehmen kürzlich.

Aktienkurs um 75% abgestürzt

Deshalb müssten nach den drastischen Sparmaßnahmen des vergangenen Jahres weitere Stellen gestrichen werden. 2009 war die Belegschaft bereits um knapp 20% auf rund 720 Mitarbeiter verkleinert worden. Die Rohwedder AG befindet sich zu 41% im Familienbesitz. Die LBBW hält indirekt knapp 12%, die Kreissparkasse Biberach 10%. Rohwedder hatte 2006 die inzwischen im TecDAX notierte Roth & Rau AG an die Börse gebracht.

Branchen-Insider berichten gegenüber Produktion, dass die jetzt vollzogene Entwicklung zwar absehbar gewesen sei, dass sie aber von ihrer Geschwindigkeit überrascht seien.

An der Börse stürzte der Kurs der Rohwedder-Aktie gestern um etwa 74% auf 62 Cent ab.

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