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Siehe auch
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24.01.2012 | Unternehmen & Märkte
Schuldenkrise macht Siemens zu schaffen

Die Schuldenkrise in Europa macht Siemens genau wie den Konkurrenten zu schaffen, das Geschäft hat sich in den vergangenen Monaten merklich eingetrübt. Auch mit Blick auf das Gesamtjahr gibt sich der Industriegigant vorsichtig.
Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires
MÜNCHEN (ks)–”2012 wird keine leichtes Jahr. Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung erwartet wird, müssen wir hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen”, sagte Vorstandschef Peter Löscher kurz vor Beginn der Hauptversammlung in der Olympiahalle der bayerischen Landeshauptstadt.
Siemens will die Einnahmen 2011/12 dank des Rekord-Auftragsbestands moderat steigern, die Neubestellungen sollen deutlich höher liegen. Beim Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft rechnet der DAX-Konzern mit einem Gewinn von etwa 6 Mrd Euro. Im Vorjahr hatte Siemens rund 7 Mrd Euro verdient, dabei aber von einem gut 1 Mrd schweren Einmalertrag profitiert.
“Wir stehen zu den Zielen, die wir uns für 2012 gesteckt haben”, sagte Löscher. “Aber angesichts der weltwirtschaftlichen Verfassung sind sie ambitionierter geworden”. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits vorletzte Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland die Erwartungen gedämpft und von einem rauer gewordenen Gegenwind gesprochen.
“Wie erwartet hat sich die Verfassung der Weltwirtschaft auch in unseren Geschäftszahlen für das erste Quartal niedergeschlagen”, erklärte Löscher mit Blick auf die Monate Oktober bis Dezember. Sorgen vor Kreditengpässen hätten die Investitionsbereitschaft gedämpft. Die Einnahmen von Siemens legten dank des hohen Rekord-Auftragsbestands zwar noch leicht um 2% auf 17,9 Mrd Euro zu. Neubestellungen und Gewinne gerieten jedoch unter Druck: Der Auftragseingang sank um 5% auf 19,8 Mrd Euro, der für die Prognose relevante Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft schrumpfte um gut ein Viertel auf knapp 1,4 Mrd Euro.
Auf den Erträgen des DAX-Konzerns lasteten im ersten Quartal einmal mehr Sondereffekte: Sorgen bereiten den Münchenern zur Zeit vor allem Windpark-Großprojekte in der Nordsee. Siemens baut im Auftrag des niederländischen Netzbetreibers TenneT vier von insgesamt sieben Umspannplattformen vor der deutschen Küste, durch die der in Windparks erzeugte Strom in die Netze eingespeist wird. Da das Projekt nur langsam vorankommt, wurde im Auftaktquartal eine Belastung von 203 Mio Euro gebucht. Zudem schlugen Verzögerungen beim ICE-Nachfolger Velaro D wegen Schwierigkeiten eines Zulieferers mit 69 Mio Euro sowie Kosten aus der Sanierung der kriselnden Medizintechnik-Sparte mit 72 Mio Euro zu Buche.
Die Zahlen fielen damit schwächer aus als von Analysten erwartet und werden am Markt gemischt gewertet. Ursächlich für die Rückgänge bei Auftragseingang und Gewinn sind nicht nur die problematische Wirtschaftslage und Sondereffekte sondern auch die starke Entwicklung im Vorjahresquartal, als Siemens durch die Erholung von der schweren Krise viel Rückenwind spürte.
Mit Rückenwind ist kurzfristig nicht zu rechnen: “Wir erwarten für das zweite Quartal noch weiterhin ein schwieriges Umfeld”, sagte Löscher. Erst danach könne die allmähliche Erholung einsetzen. Finanzchef Joe Kaeser stellte auch für den Zeitraum zwischen Januar und März ein moderates Umsatzplus in Aussicht – dank des prall gefüllten Orderbuchs.
Vom problematischen Umfeld in Europa können übrigens auch die Siemens-Wettbewerber ein Lied singen: So enttäuschte General Electric den Markt Ende vergangener Woche mit seinen Quartalszahlen. Vor allem das Geschäft in Europa und mit Medizintechnik lief bei den Amerikanern schlechter als erwartet. Philips gab aus diesem Grund einige Tage davor die zweite Gewinnwarnung binnen eines Jahres aus.
Löscher sagte, der alte Kontinent werde nach seiner Einschätzung allenfalls in eine leichte Rezession abgleiten. In den frühzyklischen Geschäftsbereichen wie beispielsweise der Automatisierungstechnik laufe es nach wie vor gut, vor allem das Großprojektgeschäft im Süden Europas entwickele sich dagegen schwach. “Die Realwirtschaft ist viel robuster als die extrem volatilen Finanzmärkte”, erklärte der Vorstandschef. Hoffnung macht dem Manager die US-Konjunktur. Denn in den USA sei die Lage mittlerweile besser als vor einigen Monaten befürchtet. Wachstumsmotor werden nach Löschers Meinung aber die Schwellenländer bleiben. Siemens sei gut gerüstet für das erwartete Anziehen der Weltwirtschaft, sagte er – in Industrie- und Schwellenländern.
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