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22.03.2012 |

SGL Carbon überrascht positiv

Carbonfaser von SGL: "Gehalten, was versprochen wurde", kommentierte ein Marktbeobachter die Zahlen und den Ausblick des Kohlenstoff-Spezialisten (Bild: SGL Carbon).
Carbonfaser von SGL: "Gehalten, was versprochen wurde", kommentierte ein Marktbeobachter die Zahlen und den Ausblick des Kohlenstoff-Spezialisten (Bild: SGL Carbon).

Der Graphitspezialist SGL Carbon will nach deutlichen Zuwächsen im vergangenen Jahr erstmals nach 1997 wieder eine Dividende ausschütten. Auch in den kommenden Jahren sollen die Aktionäre des MDAX-Konzerns, an dem auch die Autobauer BMW und Volkswagen beteiligt sind, bedacht werden.

von Ursula Quass, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Der Aktienkurs zog infolge der Ankündigung, überraschend hohe 20 Cent je Aktie ausbezahlen zu wollen, bis Mittag um knapp 6% an, die Aktie setzte sich neben Lanxess an die Spitze des MDAX.
Für das laufende Jahr kündigte das Wiesbadener Unternehmen eine Dividende auf demselben Niveau an. Längerfristig strebe SGL eine noch höhere Ausschüttung an: “Wir wollen symbolisch jetzt anfangen und uns kontinuierlich entwickeln”, sagte Vorstandschef Robert Koehler bei der Bilanzpressekonferenz. Finanzvorstand Jürgen Muth gab als längerfristiges Ziel eine Dividendenausschüttung in Höhe von rund einem Viertel des Jahresüberschusses aus. Bezogen auf das vergangene Jahr liegt die Ausschüttung bei knapp 20%.
Koehler sagte, es habe “lange Diskussionen” über die Zahlung einer Dividende gegeben. Schließlich befinde sich SGL Carbon mittelfristig auf einem “sehr strammen” Investitions- und Akquisitionskurs.

Zur Bilanzpressekonferenz hatte das Unternehmen den Zukauf von 86% an der portugiesischen Fisipe bekannt gegeben. Für die restlichen Anteile sei bei der Börsenaufsicht des Landes ein Pflichtangebot eingereicht worden. Koehler sagte, SGL Carbon habe “ganz klar die Absicht”, auch die übrigen Anteile zu übernehmen. Der Carbonfaser-Spezialist baut durch den Zukauf die eigene Rohstoffversorgung aus.

Insgesamt zeigt sich der MDAX-Konzern für das laufende Jahr aber vorsichtig. Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten sei es gegenwärtig schwierig einzuschätzen, ob das Ziel einer Konzernumsatzrendite – basierend auf dem EBIT – von mindestens 12% erreichbar sein wird. Spätestens im Jahr 2013 soll dieses Ziel aber wieder erreicht werden. Ab 2013 solle der Free Cashflow wieder positiv sein. Für das Jahr 2015 strebt der Konzern einen konsolidierten Umsatz von 2,5 Mrd Euro an.

Koehler sagte, das erste Quartal 2012 werde etwas schwächer ausfallen als im Vorjahreszeitraum. Im Jahresverlauf 2012 werde es das schwächste Quartal sein.

Im vergangenen Gesamtjahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 11,5% auf 1,54 Mrd Euro. Die Zielvorgabe lag bei einem Plus von mehr als zehn%. Deutlich stärker stieg das operative Ergebnis (EBIT) mit 28,9% auf 165,5 Mio Euro.

Marktbeobachter begrüßten die Ergebnisse und die angekündigte Dividende. “Die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung ist klasse, der Betrag liegt deutlich über den Schätzungen”, sagte ein Händler. Daneben sei das Ergebnis je Aktie auch besser als geschätzt ausgefallen, die anderen Kennziffern und die Umsatzsteigerung lägen im Rahmen der Erwartungen. Der eher verhaltene Ausblick auf 2012 beunruhige nicht, er passe zum konservativen Stil des Unternehmens.

“Gehalten, was versprochen wurde”, kommentiert Lampe-Bank-Analyst Marc Gabriel Zahlen und Ausblick. Die Dividende sei wohl angesichts der veränderten Aktionärsstruktur überraschend hoch ausgefallen. “Ich hatte lediglich 0,10 Euro je Aktie erwartet”, sagt Gabriel mit Blick auf die Beteiligungen von Volkswagen, BMW und Susanne Klatten, die über das Vehikel SKion knapp 27% hält. Dafür sei die Guidance auf das laufende Jahr vorsichtiger als prognostiziert ausgefallen. “Das dürfte angesichts des makroökonomischen Umfelds aber niemanden vom Hocker gehauen haben”, so der Analyst.

Koehler unterstrich, SGL Carbon wolle sich eine Ankeraktionärstruktur “zulegen”, um nicht so leicht zum Spielball der Märkte zu werden. BMW und VW hätten “kein Interesse, in den Aufsichtsrat einzuziehen”. Dasselbe gelte für den Anlagenbauer Voith, der auf rund 9% der Anteile kommt.

Besonders gut lief es bei dem MDAX-Konzern im Geschäftsfeld Graphite Materials & Systems. Die sehr hohe Nachfrage vor allem aus den Bereichen Solar, Halbleiter und LED bescherte dem Graphitspezialitäten-Bereich das bisher beste Ergebnis. Auch im Bereich Performance Products, also dem Geschäft mit der Elektrostahl- und Aluminiumindustrie lief es besser, zumindest beim Umsatz. Um künftig noch besser aufgestellt zu sein, will SGL Carbon mehr in die Elektrodenproduktion in China investieren. SGL Carbon werde seinen “Platz im chinesischen Markt einnehmen”, kündigte Koehler an. Noch im Laufe des Jahres würden weitere Entwicklungen bekannt gegeben.

Sorgenkind bleibt das Geschäftsfeld Carbon Fibers & Composites (CFC). Es blieb aufgrund der enttäuschenden Entwicklung in der Windindustrie weiter unprofitabel. Muth sprach von einem “erheblichen Rückschlag” im Rotorblatt-Geschäft, das die Zahlen “verhagelt” habe. Der Umsatz habe sich hier 2011 “mehr als halbiert”. Ohne das Rotorblatt-Geschäft wäre der CFC-Bereich dagegen “leicht positiv” gewesen. SGL Carbon geht aber davon aus, aufgrund der verbesserten Auftragslage die Verluste aus dem Geschäft mit Rotorblättern reduzieren zu können.

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