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10.06.2011 |

Studie Großanlagenbau: Etablierte Anbieter unter Druck

Noch profitiert der deutsche Großanlagenbau von seiner Innovationsfähigkeit. Bild: Imago
Noch profitiert der deutsche Großanlagenbau von seiner Innovationsfähigkeit. Bild: Imago

Der Wettbewerbsdruck im Großanlagenbau hat in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen. Zu dieser Einschätzung kommen die Unternehmensberatung Management Engineers und die VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) in einer gemeinsamen Studie.

FRANKFURT (ilk). 93% der 180 befragten Top-Manager aus deutschen und europäischen Unternehmen des Großanlagenbaus sagen, der Konkurrenzdruck habe sich seit 2008 spürbar verschärft – und zwar vor allem aus China und Südkorea, aber auch aus Westeuropa. “Verantwortlich hierfür ist nicht zuletzt ein deutlicher Kapazitätsaufbau – zum einen vorgenommen durch die etablierten Anbieter unmittelbar vor dem Ausbruch der weltweiten Konjunkturkrise und zum anderen vorangetrieben durch die aufstrebenden Anbieter aus Ostasien”, so die Einschätzung von Helmut Knauthe, Sprecher der AGAB und Mitglied der Geschäftsführung der Uhde GmbH.

Der Umfrage zufolge sind die chinesischen Großanlagenbauer die derzeit auffälligsten Wettbewerber auf dem Weltmarkt. Sie treten nicht nur besonders offensiv im Preiswettbewerb auf, sondern zeigen sich auch ausgesprochen risikofreudig im Hinblick auf die Projektplanung und -realisierung. Auch wenn es um die Effizienz und Schnelligkeit in der Umsetzung geht, versuchen chinesische Unternehmen derzeit – mehr als andere Anlagenbaunationen – neue Maßstäbe zu setzen. Dieses Ergebnis der Umfrage ist insofern besonders bemerkenswert, als diese Umsetzungsfähigkeit noch vor wenigen Jahren als ausgeprägte Schwäche des chinesischen Anlagenbaus gesehen wurde. Dies gilt allerdings weiterhin für die Innovationskraft dieser Anbieter, die weit hinter westeuropäischen Maßstäben zurück bleibt.

Weniger auffällig, aber trotzdem überaus erfolgreich, sind die südkoreanischen Anbieter, die derzeit vor allem im Chemieanlagenbau arbeiten. Dabei soll es nicht bleiben: Kooperationsanfragen sowie erste gemeinsame Projekte mit deutschen Unternehmen in Segmenten wie dem Hütten- und Walzwerks- sowie dem Kraftwerksbau zeigen, dass Südkorea auf Expansion setzt. „Wenn diese Strategie Früchte trägt, wird sich der Wettbewerbsdruck aus Asien nochmals verschärfen – und zwar in der gesamten Marktbreite“, so die Einschätzung von Gerald Orendi, Anlagenbauexperte und Teilhaber der Unternehmensberatung Management Engineers. Dies gilt umso mehr, als die südkoreanischen Anlagenbauer schon heute in fast allen untersuchten Wettbewerbsfeldern auf vorderen Plätzen gesehen werden. Im Hinblick auf ihre Fortschritte bei Qualitäts- und Termintreue nehmen sie in der Befragung sogar die Spitzenposition ein.

Ungeachtet der zunehmenden Konkurrenz aus Asien dominiert Westeuropa in zahlreichen Segmenten des Großanlagenbaus nach wie vor das Marktgeschehen. Nicht von ungefähr verspüren drei Viertel aller befragten Unternehmen erheblichen Wettbewerbsdruck vor der eigenen Haustür. Dies ist umso bedeutsamer, als diese europäischen Wettbewerber ein ähnliches Stärken-Schwächen-Profil wie die deutschen Anlagenbauer aufweisen – mithin im gleichen, hochtechnologischen Marktsegment den Erfolg suchen. Westeuropa ist denn auch unangefochtener Spitzenreiter, wenn es darum geht, neue und marktgerechte Lösungen anzubieten. 83% der Umfrageteilnehmer beurteilen europäische Anlagenbauer als führenden Innovationstreiber. Aufstrebende Anbieter aus China und Südkorea, aber auch Unternehmen aus Japan und den USA haben hier deutlich das Nachsehen. Generell wird der aktuell von japanischen und US-amerikanischen Anlagenbauern ausgehende Konkurrenzdruck in allen untersuchten Wettbewerbsfeldern als schwach beurteilt.

Der deutsche Anlagenbau – so zeigt es die Umfrage – sieht sich für die Herausforderungen eines neuen globalen Wettbewerbs insgesamt gut gerüstet. Die heimischen Unternehmen stellen sich der wachsenden Konkurrenz aus Ostasien mit großem Selbstbewusstsein, das auf ebenso großen Anstrengungen auf allen relevanten Wettbewerbsfeldern beruht. Preisliche Wettbewerbsfähigkeit und Technologie-führerschaft ragen allerdings mit jeweils deutlich über 90% der Nennungen nochmals heraus. „Um nachhaltig bestehen zu können, will und muss der heimische Großanlagenbau seine Kosteneffizienz weiter verbessern und gleichzeitig mit seiner Innovationskraft bis ans Limit gehen“, betont Gerald Orendi, der zugleich auf die Chancen einer solchen Hochtechnologie-Strategie vor dem Hintergrund einer nachhaltigen CO2-Reduzierung hinweist: „Angesichts der künftig nochmals verschärften Anforderungen auf diesem Feld sehen wir für die heimischen Großanlagenbauer gute Chancen, neue Maßstäbe in Europa zu setzen – mit Lösungen, die zwar in der Anschaffung etwas teurer, dafür aber in der Betriebsphase deutlich verbrauchsärmer sind.“

Deutlich erschwert werden die Wettbewerbsanstrengungen deutscher Anlagenbauer allerdings durch regulatorische Bestimmungen. Denn ebenso wie alle anderen Anbieter mit Sitz in OECD-Mitgliedsländern müssen sie bei ihren Angeboten umfangreiche Vorgaben und Prüferfordernisse – der als Common Approaches bezeichneten Umweltleitlinien für Exportkreditversicherungen – erfüllen.

Gegenüber Wettbewerbern aus Schwellenländern oder neuen Industrieländern wie China, die davon nicht tangiert sind, wirkt sich das in Einzelfällen so negativ aus, dass der deutsche Großanlagenbau erst gar keine Angebote mehr abgibt. Helmut Knauthe mahnt daher: „Die Integration der Nicht-OECD-Länder in die OECD-Umweltleitlinien für staatliche Exportkreditgarantien ist eine drängende Gestaltungsaufgabe der Politik.“

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