03.02.2012 |

Wenzel produziert erfolgreich in China

Hochwertiges gefragt: Die Firma Wenzel erfuhr über ihre Tochter in Shanghai, dass China beispielsweise bei der Messtechnik schon längst ein Markt für Hightech ist (Bild: Wenzel Group).

Viele Mittelständler haben Vorbehalte gegen ein Engagement in China. Dagegen sprechen die Erfahrungen des mittelständischen Spezialisten für Koordinatenmesstechnik Wenzel. Auch die von vielen Unternehmen gefürchtete Produktpiraterie hat Wenzel im Griff.

von Nikolaus Fecht

WIESTHAL (sm/ks). Vertriebspartner verkaufen bereits seit 1999 exklusiv Wenzel-Produkte in China. Sechs Jahre später beschloss die Familie Wenzel, im Reich der Mitte zu investieren. Das Unternehmen versprach sich unter anderem eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und kürzere Lieferzeiten. „Der chinesische Markt umfasst heute etwa 2 500 Messmaschinen“, sagt Produktionsleiter Dirk Richard. „Anfangs mussten wir viel über die chinesische Mentalität und Gepflogenheiten lernen. So erschienen plötzlich Arbeiter nach dem Neujahrsfest nicht mehr, weil sie anscheinend in einem anderen Unternehmen bessere Konditionen vorgefunden hatten.“ Wenzel steuerte mit einem exzellenten Arbeitsumfeld und einer ausgewogenen Lohnpolitik dagegen, was sich schnell positiv auf die Fluktuationsrate auswirkte. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über eine Stammmannschaft mit langjähriger Betriebszugehörigkeit.

2007 bis 2008 baute Shanghai eine eigene Produktlinie auf, die für China lokalisiert wurde. Außerdem wurde das Wenzel-Produktionssystem eingeführt. 2009 startete dann das „local sourcing“. Wenzel hat sehr gute Erfahrungen mit chinesischen Einkäufern gemacht, die das Unternehmen in Deutschland geschult und in das „global sourcing“ eingebunden hat. 2010 folgte schließlich die komplette Verlagerung der Produktion von Komponenten des Koordinatenmessgerätes der Baureihe XO, die überwiegend im asiatischen Markt vertrieben wird.

Das Verlagern geschah nach einem Stufenmodell: Wenzel startete mit dem Export von komplett montierten Maschinen, führte die Montage von Komponenten von teilweise beziehungsweise komplett zerlegten Anlagen (SKD/CKD) ein. Das Stufenmodell reduziert das Qualitätsrisiko und überfordert nicht die Organisation. Bewährt hat es sich, die Produktionsstandards in Deutschland zu entwickeln und dann nur die sicheren Prozesse zu verlagern. Heute montiert und beschafft Wenzel vor Ort. „Wir exportieren heute nur noch die Bauteile und Bestandteile nach Shanghai, die für die hohe Genauigkeit nötig sind“, sagt Richard.

Wie schützt sich Wenzel aber vor Produktpiraten? „Die neueste Technologie bleibt in Deutschland“, erläutert der Produktionsleiter. „Alles, was man sieht, ist aus China. Alles, was man nicht sieht, kommt aus Wiesthal.“ Dazu zählen unter anderem Feinmechanik, Antrieb und Software. Die Produkte aus Shanghai kommen an. Richard: „Zur Zeit beliefern wir von Shanghai aus ganz Asien.“ Der Mittelständler konnte viele Erfahrungen rund um die Produktionsverlagerung machen. Vor Produktpiraterie schützt eine 100prozentige Auslandstochter, die von Deutschen mit guten chinesischen Sprachkenntnissen geleitet wird. Chinesen mit europäischer Auslandserfahrung leiten die Produktion. Als Geschäftssprache mit Kunden hat sich Englisch bewährt.

Alles in allem: Die Produktion in China kann sich sehen lassen. So läuft auch die Qualitätssicherung der Produktion nach strengem, deutschen Wenzel-Standard ab, auf die auch Abnehmer im Land Wert legen. Richard: „China ist schon längst kein Markt mehr für Lowtech.“

Produktion Nr. 5, 2012


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