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22.11.2011 |

XXL-Werkzeugmaschinen für die Energiewende

Nimm zwei: Die Zweitständermaschine ermöglicht ein Umstellen von Außen- auf Innenverzahnung ohne Umrüstzeit (Bild: Niles Werkzeugmaschinen).
Nimm zwei: Die Zweitständermaschine ermöglicht ein Umstellen von Außen- auf Innenverzahnung ohne Umrüstzeit (Bild: Niles Werkzeugmaschinen).

Mit dem Umstieg auf Strom aus Wind und Sonne steigt der Bedarf an Gas- und Dampfturbinen. Das beschert den Herstellern von großen Bearbeitungszentren gute Geschäfte.

von Sebastian Moser

LANDSBERG (ks). „Der angestrebte Umbau zu einer mehrheitlich kohlendioxidfreien Stromerzeugung in Deutschland bis zum Jahr 2050 und der damit einhergehende starke Ausbau von erneuerbaren Energien zur Stromproduktion steigern Nachfrage und Anforderungen an emissionsarme, effiziente und schnell regelbare Gaskombikraftwerke“, sagt Markus Rieck, Country Sales Director Germany bei der Alstom Deutschland AG, Mannheim. Die Netzstabilität sowie ein ausreichendes Stromangebot für Verbraucher und vor allem für die Industrie müssten auch bei stark schwankender Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen immer und überall gewährleistet sein.

Von der steigenden Nachfrage nach Gas- und Dampfturbinen mit Leistungen zwischen 3 und 1 700 MW profitieren besonders die Hersteller großer Werkzeugmaschinen. Dabei benötigen die Unternehmen des Turbinenbaus für die Bearbeitung der Gehäuse meist Portal-Bearbeitungszentren in Tisch- und Gantry-Bauweise, Vertikaldrehmaschinen und Horizontalbearbeitungszentren. Im Kommen befinden sich Zentren mit Multi-Technologie (Fräsen, Drehen, Bohren) zur Komplettbearbeitung. So entstehen bei der Werkzeugmaschinenfabrik Waldrich Coburg aktuell Maschinen mit Durchgangsbreiten von über 8 m. „Die Portaldurchgangshöhen variieren zwischen sechs und acht Metern. So lassen sich die beiden Lagerstellen der größten Mitteldruckdampfturbinen im zusammengebauten Zustand komplett bearbeiten“, sagt Peter Schneyer, Leiter Anwendungstechnik.

Beim Fräsen von Turbinengehäusen gehe der Trend hin zu höheren Fräsleistungen und Drehmomenten. „Um instabile Bauteile – zum Beispiel sehr hoch liegende Flächen – bearbeiten zu können, kommen Weitwinkelfräser mit höchsten Vorschüben zum Einsatz.“ so Schneyer. Zudem ersetzten die Anwender reine Drehoperationen teilweise durch die Dreh-Fräs-Verfahren, um größere Spanvolumen zu erzeugen und um die Prozesssicherheit zu optimieren. Beim Drehen komme der Einsatz von Hochdruckkühlmitteln zum Brechen langer Späne zum Tragen. Das Programm an kundenspezifi-schen Fräs- und Bohrköpfen und Drehwerkzeughaltern lasse technologisch nahezu keine Wünsche offen. Allerdings habe jeder Hersteller von Turbinen und Verdichtern seine firmenspezifische Fertigungstechnologie, die detaillierte Kenntnisse der Bauteile und deren Verhalten voraussetze.

„Unsere wichtigsten Werkzeuglieferanten haben sich auf den Energiebereich eingestellt, den sie mit einer eigenen Sparte betreuen“, berichtet Georg Ebner, Fabrikleiter bei der Alstom Deutschland AG. Mit den Stammlieferanten führe Alstom aber auch eigene Entwicklungen durch, etwa in Sachen Hochdruckkühlung. Was unterscheidet die Turbinenproduktion von anderen Sparten? „Es gibt zwar eine Standardisierung, doch die Prozesse müssen stets aufs Neue an das jeweilige Projekt angepasst werden“, meint Ebner. „Wir haben keine Lernkurve über größere Stückzahlen, sondern die Bauteile müssen beim ersten Mal passen.“

aus Produktion Nr. 47, 2011

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