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19.01.2011 | Management
Wittenstein: Flexibilität durch qualifizierte Mitarbeiter

Kalt erwischt von der Krise wurde die Wittenstein AG. Statt in Panik zu verfallen, nutzte das Unternehmen die Zeit der Flaute, um neue Strategien und Produkte zu entwickeln und Mitarbeiter zu qualifizieren.
Sabine Leikep
STUTTGART. Als die Wittenstein AG innerhalb von zwei Monaten aufgrund der Weltwirtschaftslage einen Umsatzrückgang um 43 % verzeichnete, standen im Unternehmen die Zeichen noch auf Wachstum. Geplant war eine Umsatzsteigerung von 15 % und man hatte gerade neue Mitarbeiter eingestellt. Wie das Unternehmen mit dieser Situation umgegangen ist, erläuterte Klaus Spitzley, Finanz und Personalvorstand der Wittenstein AG in Igersheim, auf der Konferenz „Wettbewerbsfaktor Flexibilisierung der Arbeit“.
Für die Unternehmensleitung war sofort klar, dass man keine Mitarbeiter verlieren und auch die Preise am Markt halten wollte, bekräftigt Spitzley. Dank der guten Liquidität des Unternehmens konnte die Zeit der Flaute genutzt werden, um in Zukunftsprojekte zu investieren. Es entstand das Strategiepapier „Wittenstein im Sturm“ mit drei Säulen: „Kosten senken und Produktivität steigern“, „Atmen mit dem Markt“ und „Zukunft vorbereiten“. Alle Maßnahmen wurden klar an die Belegschaft kommuniziert. Erste Maßnahmen zum Schwerpunkt „Atmen mit dem Markt“ waren ein Gehaltsverzicht von Vorstand und Aufsichtsrat und der Abbau von Gleitzeitkonten. Der Gleitzeitrahmen wurde auf +200/-300 Stunden erweitert. Es folgte der Aufbau von Minusstunden, die Nutzung interner Ressourcen und die Trennung von Zeitarbeitskräften. Erst ab der Ansammlung von 200 Minusstunden kam Kurzarbeit zum Einsatz.
Fazit aus der Krise für Spitzley: „Die Krise hat uns gezeigt, dass wir das Gesamtsystem flexibler aufstellen müssen. Die Ausschläge werden schneller kommen“. Es sei ein Instrument für eine frühzeitige Krisenerkennung erforderlich und man müsse Indikatoren ausfindig machen.
Die Kunden konnten in der Krisenzeit laut Spitzley besser betreut werden und es haben sich neue Ideen entwickelt. So seien neue Produkte kreiert worden, die Finanzierung wurde auf eine ganzheitliche Basis gestellt und die Tochtergesellschaften erhielten mehr Eigenverantwortung und mehr Ressourcen. Es wurden KVP-Trainer und Spezialisten ausgebildet und die Führungskräfte besuchten Lean-Schulungen. So sollen Organisation und Prozesse in Administration, Produktion und Entwicklung zukunftsweisend ausgerichtet werden. Eine entsprechende Gestaltung der Prozesse soll eine hohe Flexibilisierung ermöglichen.
Ein wichtiger Aspekt ist laut Spitzley die Flexibilisierung der Mitarbeiter. Zukunftsmodelle wie Lebensarbeitszeitkonten, Kinderbetreuung, Job-Sharing, Job-Rotation und die Auslandsentsendung von Mitarbeitern seien einige der Maßnahmen. Flexible Arbeitsmodelle und gezielte Weiterbildungsmaßnahmen sollen die Mitarbeiter zur Flexibilität und zum Wandel befähigen. Zahlreiche Weiterbildungsangebote an der hausinternen Wittenstein-Akademie stehen nicht nur Mitarbeitern sondern auch Kunden und Lieferanten zur Verfügung.
„Große Veränderungen werden durch kontinuierliche Veränderungen in kleinen Bereichen ermöglicht.“Davon ist Spitzley überzeugt. „Es geht darum, immer eine Win-Win-Situation zu schaffen, geben und nehmen“.
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