19.01.2011 | Management

Krise stellt Flexibilität bei Trumpf auf den Prüfstand

Es kam schlimmer als erwartet für Gerhard Rübling
Es kam schlimmer als erwartet für Gerhard Rübling

Selbst gut positionierte Unternehmen wie der Ditzinger Maschinenhersteller Trumpf bekamen die Wucht der jüngsten Wirtschaftskrise zu spüren. Die Flexibilität wurde auf den Prüfstand gestellt. Schwachstellen kamen zum Vorschein.

Sabine Leikep

STUTTGART. „Wir rechneten mit 20 % Konjunkturschwankungen und schätzten diese als gut machbar ein“. So stellte sich die Situation seines Unternehmens für Gerhard Rübling, Geschäftsführer der Trumpf GmbH + Co.KG, Ditzingen, zu Beginn der Wirtschaftskrise dar. Dann kam alles anders. Der Weltmarktführer erlebte Umsatzeinbrüche von bis zu 40 %. „Es hat einfach nicht aufgehört“, so Rübling, „An manchen Tagen hatten wir weltweit keine einzige Maschine verkauft“. Der Tiefpunkt sei im März 2009 erreicht worden.

Als Unternehmen im zyklischen Maschinenbau ist Trumpf im Umgang mit Krisen einigermaßen geübt und darauf eingestellt. Es gab Flexibilisierungskomponenten wie Arbeitszeitkonten, Leasingkräfte und befristet beschäftigte Mitarbeiter.

„Im Juni 2008 haben wir bemerkt: Irgendwas stimmt nicht“, erzählt Rübling. Erste Maßnahme sei eine Einschränkung der Planstellenbesetzung um 50 % gewesen. Es folgten der Abbau flexibler Kapazitäten um 50 % und ein Einstellungsstopp. Im Oktober 2008 kam das Verbot der Mehrarbeit und im November mussten die Arbeitszeitkonten bis zur Null-Grenze abgebaut werden. Rübling: “Wir sind aus der Mehrarbeit in den Abbau der Arbeitszeitkonten und die Kurzarbeit hineingekommen“.

Weitere Maßnahmen wie vorzeitiger Ruhestand, Altersteilzeit und Sabbatical-Programme konnten Kurzarbeit und Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld nicht verhindern. Obwohl eigentlich die Streichung von 1200 Stellen notwendig gewesen wäre, sei es durch eine Kapitalerhöhung aus dem Privatvermögen der Inhaberfamilie Leibinger gelungen, die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu halten.

Obwohl das Unternehmen mit einem „blauen Auge“ davongekommen ist, bedauert Rübling, dass ein Vertrauensverlust bei den Mitarbeitern nicht verhindert werden konnte: „Es ist ein Irrglaube, dass 40 % weniger Aufträge auch bedeutet, dass man 40 % weniger Arbeit hat“. Einige Bereiche wie Personal oder Controlling hätten sogar eine höhere Arbeitsbelastung gehabt. Die Reduzierung der Arbeitskapazität in allen Bereichen sei nur mit „brutaler Gewalt“ möglich gewesen. Ein weiteres Problem, das ihm so nicht bewusst war, sei der Verzicht auf die Übernahme von befristet beschäftigten Mitarbeitern gewesen, resümiert er. In der familiären Atmosphäre seien diese voll integriert gewesen und die Menschen hätten diesen Schritt übel genommen.

Ein Lerneffekt ist für Rübling die Erkenntnis, dass als flexibel ausgewiesene Mitarbeiter wie Leasingkräfte und Externe teilweise unabkömmlich waren. Das Flexibilisierungsinstrument sei zuvor falsch angewendet worden. In Zukunft wolle man genauer hinschauen, wie lange die Leute da sind, und sie dann auch übernehmen.

Neben neuen Erkenntnissen gab es weitere positive Aspekte. So wurden während der Phase der Kurzarbeit Mitarbeiter qualifiziert. Es war sogar möglich, Hochschulabsolventen einzustellen, sie zu 50 % in Kurzarbeit zu schicken und dabei gleichzeitig zu qualifizieren.

Zum 1. Januar 2011 wurden alle Maßnahmen aufgehoben. Rübling ist optimistisch: „Wir werden Ende des Jahres die Krise hinter uns haben.“

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