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26.01.2012 | Kongress der Weltmarktführer
Tata floppt – Indien boomt

Chancen und Risiken in aufstrebenden Märkten nahmen großen Raum ein in den Diskussionen auf dem diesjährigen Kongress der Weltmarktführer. Vor allem Indien war bei den meisten Referenten im Gespräch.
von Sabine Leikep
SCHWÄBISCH HALL. Per Videokonferenz zugeschaltet wurde Prof. Rishikesha Krishnan, Professor of Corporate Strategy & Policy, Indian Institute of Management Bangalore, Indien. Er betonte die Chancen im aufstrebenden Indien, das seit 20 Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum von jährlich 6 bis 7 % verzeichnet. Er sieht gute Möglichkeiten für europäische Unternehmen bei der Markterschließung, wenn man sich an dem Konzept „Bottom of the Pyramid“ orientiere. Dabei geht es darum, funktionelle Produkte zu einem günstigen Preis anzubieten. Als Beispiele führte er Produkte wie den Tata Nano oder den Klein-Lieferwagen ACE an, die für indische Verbraucher erschwinglich seien.
Im Anschluss moderierte Bernhard Steinrücke, Director General, Indo-German Chamber of Commerce and Member of the Board of Directors, Bosch India, Mumbai, India, eine Diskussionsrunde mit hochkarätigen deutschen Indien-Experten.
Andreas Lapp, Geschäftsführer und Gesellschafter, U. I. Lapp GmbH, Stuttgart und Honorarkonsul für Indien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, zeigte sich überrascht, dass der Tata Nano nicht wie eine Bombe im Markt eingeschlagen hat. Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender, Elringklinger AG, Stuttgart wundert sich darüber nicht. Als Automobilzuliferer für hoch technisierte Produkte zur Verbrauchs- und Emissionsreduzierung in Fahrzeugen, beteilige er sich nicht an dem Tata-Projekt. „Alle verlieren Geld, weil die Komponenten zu den geforderten Preisen nicht machbar sind“ begründet er diese Entscheidung. Er macht dennoch gute Geschäfte in Indien. „Die Inder wollen Hochtechnologie“ ist seine Erfahrung.
Zusammenfassendes Video der Veranstaltung
Die Philosophie, Schwellenländer nicht nur als verlängerte Werkbank zu nutzen, vertritt Clas Neumann, Senior Vice President, Global Head of SAP Labs Network, SAP Labs India Pvt. Ltd., Whitefield, India, Präsident der indischen Handelskammer. So würde SAP für wichtige und zentrale SAP-Produkte die komplette Softwareentwicklung nach Indien verlagern. Der Ansatz “Bottom of the Pyramid” sei für SAP weniger geeignet und man würde sich darauf konzentrieren, nur das Premium-Segment abzudecken.
Alle drei Diskussionspartner bestätigten, dass ihr Unternehmen viel in die Ausbildung ihrer indischen Mitarbeiter investiere. Um der Fluktuation durch verlockende Gehaltsangebote von globalen Mitbewerbern vorzubeugen lassen sich die Unternehmen einiges einfallen. Lapp setzt auf gegenseitiges Verständnis und Vermittlung einer Familientradition durch Veranstaltung von Events, zu denen die ganze Großfamilie der Mitarbeiter eingeladen wird. Dr. Stefan Wolf schafft Anreize durch ein eigenes Auto, das sich Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Betriebszugehörigkeit verdienen können. Auch für SAP ist es laut Clas Neumann wichtig, sicher zu stellen, dass die Fluktuation unter 10 % liegt.
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