26.01.2012 | Kongress der Weltmarktführer

Verlieren wir den Kampf um die Talente?

Demografie im Fokus. Es diskutierten: Marc Beise, Süddeutsche Zeitung (mitte), Prof. Gunnar Heinsohn, Universität Bremen (links) und Prof. Ernst Kistler, Institut für empirische Sozialfoschung. Bild: Sabine Leikep
Demografie im Fokus. Es diskutierten: Marc Beise, Süddeutsche Zeitung (mitte), Prof. Gunnar Heinsohn, Universität Bremen (links) und Prof. Ernst Kistler, Institut für empirische Sozialfoschung. Bild: Sabine Leikep

Fachkräfte händeringend gesucht: Wie sollen Weltmarktführer dem begegnen? Die Meinungen von Prof. Dr. Ernst Kistler, Leiter des internationalen Instituts für Empirische Sozialforschung, und Prof. Dr. Gunnar Heinsohn, Universität Bremen, prallten beim Weltmarktführer-Kongress aufeinander.

von Claus Wilk

Verschläft Deutschland den Kampf um die Talente? Insbesondere Gunnar Heinsohn gilt bei der Beantwortung dieser Frage als Fachmann mit provokanter und durchaus extremer Position. „Der entscheidende Faktor für unternehmerischen Erfolg kann nicht mit unternehmerischen Mitteln gelöst werden“, so Heinsohn und meint damit die “Produktion von Nachwuchs”. In keinem Land der Erde seien die Kinder von Einwanderern darüber hinaus so schlecht gebildet wie in Deutschland. Ist die Einwanderungspolitik gescheitert? Heinsohn will „lieber den hochgebildeten Ausländer“ statt des Spezialisten, der vielleicht nur kurzfristig von der Industrie gebraucht wird und hinterher zum teuren Sozialfall wird. Deshalb kritisiert er die deutsche Einwanderungspolitik.

Heinsohn weiter: „Wir fördern zu viele Kinder, die hinterher kein einziges Patent erzeugen. Diejenigen, die dazu in der Lage wären, müssten gefördert werden.“ Die 60 wichtigsten Nationen kämpften um den besten Nachwuchs, insbesondere die USA. Die Kinder mit den besten Aussichten seien prinzipiell die weißen amerikanischen Mittelschichtkinder. Diese seien aber keineswegs schulisch so gut wie die Kinder asiatischer Einwanderer – auf diese müsste sich die Einwanderungspolitik konzentrieren. Kistler kann diese Position nicht bestätigen. „Was Heinsohn will, ist die Einwanderung auf die Einsteins dieser Welt zu begrenzen. Ich sage, unsere Zukunft liegt in der breiten Bildung von vielen, die wir zukünftig alle brauchen werden.“ Zwar gäbe es Fehler im Bildungssystem, diese ließen sich aber verbessern.

Wie aber sieht die Lage wirklich aus? Punktuelle Nachwuchssorgen der Industrie seien normal, sagt Kistler, einen breiten Fachkräftemangel sieht er nicht. Heinsohn kontert mit der kanadischen Vorgehensweise bei Einwanderung: Kanada suche die, die später Unternehmen gründen könnten. Einwanderer müssten höher qualifiziert sein als das vorhandene Potenzial. Wegen dieser immer falschen Politik, hätte das Land in der Vergangenheit ganze Branchen verloren: beispielsweise die Fotoindustrie.

Kistler sieht den Vergleich zwischen Kanada und Deutschland als einen Vergleich zwischen Äpfel und Birnen: „Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland, wir nicht!“ Heinsohns Philosophie vom „Wachstum um jeden Preis“ sei falsch. Wir seien kein Land mit zu wenig Land und zu wenigen Menschen, diese Einstellungen hätten wir in der Vergangenheit schon einmal gehabt.

Für Deutschland stelle sich doch die Frage, so Heinsohn, ob wir im Kannibalisieren um den Nachwuchs nicht besser sein wollen als andere Nationen. Wenn die Politik weiterhin nur kurzfristige Bedürfnisse der Unternehmen berücksichtige, so Heinsohn, zögen wir den Kürzeren: „Wir zahlen Geld für Kinder, die es zu nichts bringen werden.“ Kinderkrippen kosteten zu viel Geld und führten zu Nichts. Für Kistler hingegen ist ganz klar, dass wir die Bildung in der Breite erhöhen müssten um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wir hätten es aber leider noch nicht geschafft, die Kinder unterer Bildungsschichten in die Krippen zu holen.

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