Die gute Nachricht zuerst: Die Rückrufquote, die die Zahl der zurückgerufenen Autos an den Neuzulassungen des Jahres darstellt, ist 2017 im Vergleich zu den Vorjahren auf dem Referenzmarkt USA zurückgegangen.

Lag diese 2016 noch bei 291 Prozent, waren es im vergangenen Jahr 147 Prozent.

Damit beorderten die Automobilhersteller 2017 nahezu eineinhalb mehr Autos wegen sicherheitsrelevanter Mängel in die Werkstätten als sie im gleichen Zeitraum auf dem US-Markt verkauften.

31 Prozent der Rückrufe entfallen dabei weiterhin auf fehlerhafte Airbags des japanischen Zulieferers Takata. Der Skandal um den Airbaghersteller hatte 2014 maßgeblich zu den höchsten Rückrufzahlen seit Beginn der Aufzeichnungen geführt.

Die Rückrufquote lag bereits in acht der letzten zehn Jahre über 100 Prozent.

Gründe für die Qualitätsprobleme

Die schlechte Nachricht: Laut Studienleiter Prof. Stefan Bratzel belegt das Jahr 2017, trotz geringerer Rückrufquoten als in den drei Jahren zuvor, dass mangelnde Produktqualität ein zentrales Thema in der Automobilindustrie bleibt.

„Wenn neun von 16 untersuchten Herstellern 2017 wegen sicherheitstechnischer Mängel mehr Fahrzeuge zurückrufen müssen als diese im gleichen Zeitraum verkauft haben, ist das insgesamt ein bedenkliches Qualititätsniveau in der Branche.“ Darüber hinaus stellen die sicherheitsrelevanten Mängel meist nur die Spitze des Eisbergs dar. Hinzu kommt eine große Zahl sogenannter stiller Rückrufe oder auch Service-Aktionen. Diese sind in den offiziellen Zahlen nicht enthalten.

Bratzel fordert deshalb einen Paradigmenwechsel im Qualitätsmanagement der OEMs. Das Risiko großer Rückrufaktionen sei durch marken- und modellübergreifende Plattform- und Gleichteilestrategien sowie die ganze Welt umspannende Produktionsnetzwerke gestiegen.

Der Autoexperte kommentiert: „Das Qualitätsmanagement vieler Automobilhersteller trägt vielfach noch nicht den neuen globalen Produktsicherheitsanforderungen Rechnung. Manche Hersteller betreiben zur kurzfristigen Gewinnmaximierung eher reaktive Qualitätsmanagementsysteme mit nachsorgender Mängelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von Unfällen wie im Fall Takata.“

Cybersecurity wird immer wichtiger

Stattdessen seien proaktive und vorsorgende Produktqualitätsstrategien notwendig, bei denen umfassende und langfristige Kosten-/Nutzenbetrachtungen im Mittelpunkt stehen müssen, so Bratzel.

Elektromobilität, Vernetzung und (teil-) autonome Fahrfunktionen stellen die Autobauer ohnehin schon vor große Herausforderungen. „Es steigen dadurch auch in erheblichem Maße die Risiken. Die Cyber-Security wird zum großen Sicherheits- und Qualitätsthema der Branche aufsteigen“, so der Studienleiter.

Vor diesem Hintergrund müssten künftig auch Behörden wie das Kraftfahrtbundesamt in Deutschland komplexere Kontrollaufgaben übernehmen und Verbraucher transparent informieren. Bratzel: „Hier besteht noch Handlungsbedarf.“

Frau stirbt nach Unfall mit selbstfahrendem Auto von Uber

Selbstfahrende Autos sollen den Verkehr sicher machen, doch in der Branche wurde - meist hinter vorgehaltener Hand - auch darüber gesprochen, dass irgendwann ein Mensch bei einem Unfall mit einem Roboterwagen sterben würde. Das ist jetzt mit einem Auto von Uber passiert.

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