Negative Effekte wie der Brexit und Rückgang des englischen Automarkts oder der leichte Rückgang in USA werden durch deutliche positive Impulse in anderen Märkten klar überkompensiert. Getrieben wird die Nachfrage durch SUV-Modelle. So das Ergebnis einer aktuellen Studie CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. 

"Die Ziele und Visionen der Autobauer lauten die Weltmeisterschaft bei den SUV zu gewinnen. Weltmarktführerschaft war gestern, heute heißt das Ziel SUV-Weltmarktführerschaft. Und das sieht und spürt man auf allen Messen, so auch in Frankfurt bei der IAA", erklärt Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts.

So komme kein Hersteller am Thema SUV mehr vorbei. In den USA entfielen in den ersten sieben Monaten 63 Prozent aller Neuzulassungen auf sogenannte „Light Trucks“, also SUV, Crossovers und Pick-ups. In China haben die chinesischen Autobauer mittlerweile 43 Prozent Marktanteil. 72 Prozent der 5,6 Millionen Pkw-Verkäufe der chinesischen Autobauer in den ersten sieben Monaten in China waren SUV und Crossovers. "Die Chinesen sind so die Weltmeister bei den SUV", sagt Dudenhöffer.

Das einzige Segment mit hohem Wachstum in China sind SUV. In Deutschland hatten SUV in den ersten sieben Monaten übrigens 23 Prozent Marktanteil. Addiert man Crossovers und Großraumlimousinen dazu, kommt man auf 30 Prozent Marktanteil. "In Deutschland haben die SUV also noch „viel Luft“ nach oben. Das sind die guten Nachrichten im Vorfeld der IAA", so der Autoexperte der Uni Duisburg-Essen.

IAA – schlechte Nachrichten dominieren

Die schlechten Nachrichten dominieren zur IAA, meint Dudenhöffer: Dieselkrise in Deutschland mit zu erwartenden Fahrverboten, hohem Wertberichtigungsbedarf im Autohandel und bei den Autobanken durch junge Diesel-Gebrauchtwagen. "Die Autobauer gehen durch eine der größten Vertrauenskrisen", so der Experte. Zur IAA ist das vermengt mit jeder Menge IAA-Absagen von Autobauern.

Das laut Dudenhöffer vermutlich wichtigste Auto des Jahres 2017 - das neue Tesla Model S – steht nicht auf der IAA. Tesla ist ebenso wenig auf der IAA wie Automarken Alfa Romeo, DS, Fiat, Infiniti, Jeep, Maserati, Mitsubishi, Nissan, Peugeot und Volvo. Das Konzept der klassischen Automessen zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen.

Regionale Messen, wie die Leipziger AMI, wurden eingestellt. Die Neuigkeiten der IAA wurden von den Herstellern vor der IAA vorgestellt, wie etwa der T-Roc von VW, und stehen fast zeitgleich beim Autohandel. Wochen vor der IAA laufen nicht nur bei YouTube die neuen Modelle in Videos rauf und runter. Dudenhöffer kommentiert: "Es wird Zeit, neue Messekonzepte zu entwickeln bevor es zu spät sein könnte. Während Computer-Messen wie die Gamescom in Köln boomen, machen sich Besucher auf Automessen rar. Eine Chance für die IAA wäre lückenlose Aufklärung gewesen zum Diesel."

Das Ende des Verbrennungsmotors?

Die Branche steht vor riesigen Veränderungen. Während sich in Deutschland die Berliner Regierungsparteien schwer tun, an das Ende des Verbrennungsmotors zu denken, läuft in anderen Ländern der Umgestaltungsprozess. China, der mit Abstand wichtigste Automarkt der Welt gibt die Schlagzahl vor. In den ersten sieben Monaten wurden in China 251.000 Elektroautos verkauft, davon 204.000 rein batterie-elektrische Fahrzeuge. Bis zum Jahresende rechnet man mit 600.000 Elektroautos.

Dudenhöffer: "Wird im nächsten Jahr die E-Autoquote von 8 Prozent eingeführt, steigt die Zahl der Elektroauto-Verkäufe in China 2018 auf zwei Millionen Fahrzeuge, im Jahre 2019 auf 2,7 Millionen und 2020 bei dann 12 Prozent Elektroauto-Quote auf 3,4 Millionen Neuwagen als Elektroautos." Das hohe Veränderungstempo spüre man an den Modell-Neuerungen, die etwa der chinesische Autobauer Chery in Frankfurt zeigt.

Der größte Elektroautobauer der Welt, BYD mit 227.000 verkauften Elektroautos im ersten Halbjahr 2017 ist allerdings nicht in Frankfurt. Der zweite große Schub zu Elektroautos geht von Tesla mit seinem Model 3 aus. Für 2018 plant Tesla 500.000 Elektroauto-Verkäufe. Nach 47.077 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2017 wird die Zahl von 100.000 neuen Tesla Modellen im Jahr 2017 deutlich übertroffen werden, ist Dudenhöffer überzeugt.

Margenschwaches Wachstum in Zeiten großer Herausforderungen

Der Autoexperte prognostiziert: "Das weltweite Autogeschäft kann kurz- und mittelfristig mit positiven – wenn auch überschaubarem – Wachstum rechnen. Sondereffekte – wie die großen Abwrackprämien in Deutschland stabilisieren in Zeiten hoher Käufer-Verunsicherung durch drohende Fahrverbote." Freilich seien diese Stabilisierungseffekte nicht zum Nullpreis zu haben, sondern werden von den Aktionären mit magereren Dividenden bezahlt werden müssen.

Die Autoindustrie steht vor riesigen Herausforderungen: Einerseits die Wende in neue Antriebssysteme, dem autonomen Fahren und der Sharing Economy. Dazu sind hohe Investitionsmittel notwendig. "Gleichzeitig muss der große Vertrauensverlust durch die Abgasskandale des Diesel-Pkw aufgefangen werden. Auch hier muss mit hohen Abschreibungen und Kosten für Verkaufsförderungsaktionen gerechnet werden", so Dudenhöffer. Einziger Trost daran sei, ist dass Diesel-Pkw in China und USA keine Rolle spielen und damit die Vertrauenskrise auf Europa beschränkt bleiben dürfte.

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