So verschieden wie die Argumente für und gegen eine EU-Verbleib Großbritanniens waren die Reaktionen der wichtigsten englischen Tageszeitungen auf den Austritt.

The Sun: „See EU Later!“ – mit diesem Wortspiel bejubelt „The Sun“, Großbritanniens auflagenstärkste Zeitung aus dem Imperium des Medienzars Rupert Murdoch, das Ergebnis des Referendums. Das Volk habe gesprochen und sei heute morgen in einem erneuerten Großbritannien erwacht. David Cameron habe der Volkszorn der durch Migration und teure Prestigeprojekte der Regierung benachteiligten Arbeiterklasse getroffen. Der Austritt sei ein bedeutender Wendepunkt in der Geschichte der Briten.

Daily Mirror: Sachlicher berichtet der „Daily Mirror“ und fragt nach den praktischen Folgen des EU-Austritts, etwa ob der englische Pass für Reisen auf den Kontinent weiterhin gültig ist oder ob der Spanien- oder Portugal-Urlaub durch ein fallendes Pfund teurer wird. Interessant ist die Analyse des Wahlverhaltens: 72 % der 18- bis 24-jährigen stimmten gegen den Austritt – ausgerechnet jene, die am längsten mit der Entscheidung durch das Referendum leben müssen.

The Guardian: Der Rücktritt von Premierminister David Cameron bewegt den „Guardian“. Gleichzeitig stellt die Zeitung die Frage, wie zum Austritt kommen konnte. Die EU-Skepsis der Briten habe sich in den vergangenen 40 Jahren nie gelegt. Die Befürworter des Austritts wollten demnach nicht nur die Einwanderungspolitik kritisieren, sie hegten überdies eine tiefe Abneigung gegen die EU als eines Systems, das nach politischer Kontrolle strebe.

Independent: Auch für den „Independent“ ist der Rücktritt des Premierministers das beherrschende Thema. Im Kommentar warnt der Paris-Korrespondent, dass Großbritannien und Europa in eine Phase des Disputs eintreten werden – zu einer Zeit, die ohnehin durch ökonomische Probleme und zunehmend durch Sicherheitsfragen gekennzeichnet sei. Zudem sei wahrscheinlich, dass weitere Länder die EU verlassen. Somit schwäche der Austritt nicht nur das vereinigte Königreich, sondern auch die gesamte westliche Welt.