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VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann: "Die Geschäfte gehen zurück, weil die Markteilnehmer nicht wissen, wie die Brexit-Verhandlungen ausgehen." - Bild: VDMA

Produktion: Herr Brodtmann, wie wird sich aus Ihrer Sicht das Geschäft des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus 2018 entwickeln?

Thilo Brodtmann: "Im vergangenen Jahr haben wir im deutschen Maschinen- und Anlagenbau ein Produktionswachstum von drei Prozent erreicht. Das ist mehr, als wir ursprünglich erwartet hatten. Wir sind mit einer Produktionsprognose von einem Prozent in das Jahr 2017 gegangen, haben das Jahr also besser beendet.

Und für das Jahr 2018 erwarten wir erneut ein Produktionswachstum von drei Prozent, sodass der Branchenumsatz über 230 Milliarden Euro liegen wird. Bei über einer Million Beschäftigter wird der deutsche Maschinen- und Anlagenbau damit auch im kommenden Jahr der beschäftigungsintensivste Industriezweig in Deutschland bleiben."

Produktion: Inwieweit wird der Brexit das Geschäft des deutschen Maschinenbaus beeinflussen?

Brodtmann: "Im Moment ist beim Brexit die Unsicherheit das große Thema: Die Geschäfte gehen zurück, weil die Marktteilnehmer nicht wissen, wie die Verhandlungen ausgehen werden. Im Raum für den Brexit steht das Datum März 2019: Bis dahin müssen beide Seiten zu einer Entscheidung gelangt sein. Bislang ist noch wenig entschieden. Kürzlich haben sich die Verhandlungspartner wohl geeinigt, wie die Zahlungsströme zwischen UK und der EU stattfinden wollen und sollen.

Wie die Seiten vorankommen auf dem Weg zu einem neuen Vertrag, der vielleicht ein Freihandelsabkommen sein wird, ist noch offen. Dafür muss man die Zeit, die ein Freihandelsabkommen benötigt, einkalkulieren. Das bis zum März 2019 zu erreichen, ist mehr als sportlich und ambitioniert. Natürlich wollen alle Seite vermeiden, dass es zu einem harten Brexit kommt und dass man dann ein Drittland-Konzept entwickeln muss. Dies wäre ein harter Angang für die Industrie."

Produktion: Welche technologischen Trends dominieren die Maschinenbaubranche?

Brodtmann: "Natürlich prägt uns das Thema der Digitalisierung nach wie vor stark. Die Unternehmen sind die ersten Schritte gegangen: Sie haben ihre Produkte intelligent gemacht mit Sensoren und Aktuatoren, damit ein vernünftiger Datentransfer stattfinden kann. Aktuell werden die Prozesse verändert, denn die Digitalisierung ermöglicht eine Prozessoptimierung.

Jetzt kommt die Kür: Wenn diese Schritte getan sind, geht es darum, passende digitale Geschäftsmodelle zu finden. Dabei geht es zum Beispiel um die Ausweitung des Services, bei diesen Geschäftsmodellen ist jetzt Kreativität gefragt. Damit beschäftigen sich jetzt die Branchenunternehmen."

Welche Schulnote geben Sie der Konjunktur der Maschinenbaubranche?

Brodtmann: "Die Konjunktur im Maschinen- und Anlagenbau bewerte ich mit einer 2. Wenn es etwas besser gelaufen ist, als man selbst prognostiziert hat, muss die Note gut aussehen.

Gleichwohl gibt es ein paar Wolken am Horizont, auf die man Rücksicht nehmen muss: auf den Auslandsmärkten, vielleicht auch die Politik im Inland. Wir sind jedoch optimistisch, dass der Maschinenbau seine Produktion weiter steigert."