David Cameron

David Cameron sieht keine Eile, den Austrittsantrag seines Landes an die Europäische Union nach Brüssel zu senden. - Bild: DFID - UK Department for International Development

Diese Aufgabe will er seinem Nachfolger überlassen, wie Cameron bei seinem ersten Auftritt nach dem Brexit-Votum im britischen Unterhaus erklärte.

"Die britische Regierung wird den Austritt nach Artikel 50 des EU-Vertrages derzeit nicht stellen", sagte der Premier am Montag in London. Das werde er auch am Dienstag beim EU-Gipfel in Brüssel deutlich machen.

Am Freitag hatte Cameron nach dem Erfolg der Leave-Kampagne seinen baldigen Rücktritt erklärt. Der Tory-Politiker will die Amtsgeschäfte nur noch ein Vierteljahr führen und dann einem Nachfolger die komplizierten Verhandlungen mit den Europäern überlassen. Cameron hatte sich für einen Verbleib seines Landes im europäischen Haus eingesetzt.

Der Noch-Premier schloss aus, dass die Volksabstimmung wiederholt oder ignoriert werden könnte. "Die Entscheidung muss akzeptiert und auch umgesetzt werden", betonte Cameron.

Der Regierungschef erklärte in seiner Rede die britische Wirtschaft für stark und das Finanzwesen für robust. "Das Finanzwesen ist sehr viel widerstandsfähiger als vor sechs Jahren", versicherte er vor den Abgeordneten. Die Banken verfügten zudem über genügend Eigenkapital, um Krisen zu überwinden.

Britische Medien berichten, dass die Konservativen spätestens Anfang September einen neuen Parteichef wählen. Die Partei ist ob der Frage der EU-Zugehörigkeit des Vereinigten Königreichs tief gespalten. Die besten Chancen, Cameron als Premier und Parteivorsitzender zu beerben, hat mit Boris Johnson einer der Anführer der Austritts-Kampagne.