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Das überraschende Votum der Briten für einen Austritt ihres Landes aus der EU hat für Konjunktur- und Zentralbankbeobachter unmittelbare Auswirkungen. Erstens fehlt es den demnächst anstehenden Konjunkturdaten an Aussagekraft, und zweitens müssen sich Geldpolitiker weltweit mit einem nun deutlich materialisierten Brexit-Risiko auseinandersetzen. - Bild: EZB

Erstens fehlt es den demnächst anstehenden Konjunkturdaten an Aussagekraft, und zweitens müssen sich Geldpolitiker weltweit mit einem nun deutlich materialisierten Brexit-Risiko auseinandersetzen. Das schafft zusätzlichen Gesprächsstoff, zum Beispiel bei dem am Montag im portugiesischen Sintra beginnenden geldpolitischen Forum der Europäischen Zentralbank (EZB).

Offiziell steht das diesjährige Forum, das EZB-Präsident Mario Draghi am Montag um 19.30 Uhr eröffnet, unter dem Titel "Die Zukunft der internationalen geldpolitischen- und Finanzarchitektur". Aber hinter den Kulissen dürfte es durchaus um die Zukunft einer geschwächten EU und mögliche Reaktionen der Euro-Staaten gehen.

Carney, Draghi, Yellen in Sintra zusammen auf dem Podium

Draghi spricht noch einmal am Dienstag ab 9 Uhr und sitzt dann am Mittwoch zusammen mit Fed-Chefin Janet Yellen und Mark Carney, dem Gouverneur der Bank of England (BoE), in einer Podiumsdiskussion, das vom ehemaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet moderiert wird. Carney tritt dort als Repräsentant einer Währung auf, die deutlich an Bedeutung verlieren dürfte, wenn die Briten nach einem EU-Austritt weniger nach Europa exportieren können.

Stabilitätssorgen bereitet in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Großbritannien ein sehr hohes Leistungsbilanzdefizit hat und die Londoner City auf große Kapitalzuflüsse angewiesen ist. Die Kurse britischer Banken sanken im Gefolge des Brexit-Votums am Freitag um bis zu 20 Prozent.

Interessant wäre auch eine Einschätzung von Fed-Chefin Janet Yellen dazu, wie das Brexit-Votum ihre Einschätzung der außenwirtschaftlichen Risiken verändert hat. In den vergangenen Monaten hatten diese Risiken eine prominente Rolle bei der Kommunikation des geldpolitischen Kurses gespielt. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) prognostizieren derzeit noch zwei Fed-Zinserhöhungen in diesem Jahr, während an den Finanzmärkten eine geldpolitische Straffung inzwischen ausgepreist ist.

Konjunkturdaten noch unbeeinflusst von Brexit-Votum

Zu den Konjunkturdaten, von denen keines bereits unter dem Einfluss des Brexit-Votums stehen wird: Die EZB veröffentlicht am Montag (10 Uhr) Geldmengendaten für Mai. Am Mittwoch kommen vorläufige Verbraucherpreisdaten aus Spanien (9 Uhr) und Deutschland (14 Uhr) sowie der Index der Wirtschaftsstimmung im Euroraum (11 Uhr).

Die am Donnerstag (9.55 Uhr) anstehenden deutschen Arbeitsmarktdaten könnten erstmals einen Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl aufgrund des Zustroms von Flüchtlingen bringen. Jedenfalls hält dies das Institut für Arbeitsmarktforschung für möglich. Eurozone-Verbraucherpreise folgen um 11 Uhr.

Am Freitag schließlich veröffentlicht die Bank of Japan (BoJ) um 1.30 Uhr ihren Tankan-Bericht für das zweite Quartal, zudem kommt die zweite Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für Europa. Aber auch die werden noch vom Brexit-Votum unbeeinflusst sein - nach Auskunft von Markit sind die letzten Antworten zur aktuellen Umfrage am Donnerstagabend eingegangen.

Wichtigste US-Konjunkturdaten sind der Preisindex des Privaten Verbrauchs (Mittwoch, 14.30 Uhr) und der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes (Freitag, 16 Uhr).