China Baowu Steel Group, Stahl,Arcelor Mittal

China Baowu Steel Group ist seit Ende 2016 der neue Stahlriese in China und fünftgrößter Stahlproduzent der Welt. - Bild: China Baowu Steel Group

Baoshan ist der Shanghaier Stadtteil der Schwerindustrie, zentral am Fluss Yang­tse gelegen. Die alten Stahlwerke dort sind stillgelegt, zu Skulpturenparks verwandelt oder abgerissen. Bereits in den 80er Jahren baute Baoshan Iron and Steel Co. mit deutscher Hilfe unter der Regie der damaligen Werksleiterin Xie Quihua in unmittelbarer Nähe neue, moderne Werksanlagen und weitete die Produktion stark aus. Nach dem Zusammenschluss der Shanghai Baosteel Group Corporation Ende 2016 mit Wuhan Iron ist der jetzt China Baowu Steel Group genannte Konzern größter chinesischer Stahlproduzent und fünftgrößter der Welt.

Internationalisierung mit großen Schritten

Auch Baowu möchte sich zügig internationalisieren. In Australien sichert sich der Konzern Rohstoffe durch Beteiligungen an Eisenerzminen und in Brasilien ist er an Stahlunternehmen beteiligt. An der kanadischen Niagara Machinery Products Co., Ottawa, hält Baosteel eine Beteiligung von 50 Prozent. Mit Pakistan laufen Verhandlungen, um die Pakistan Steel Mills für 30 Jahre zu betreiben.

Hauptabsatzmarkt bleibt China. Durch den anhaltenden Bauboom konnte Baosteel 2016 seinen Gewinn um 770 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern, meldet China Daily. Dies sind auch Synergieeffekte des Zusammenschlusses mit Wuhan Iron, welcher den Abbau von ineffizienten Produktionskapazitäten beschleunigte. Derzeit beschäftigt der vereinigte Stahlriese 228.000 Menschen. Durch Schließungen und Umstrukturierungen sollen 50.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. So reibungslos wie nach außen dargestellt dürfte jedoch die Fusion nicht sein. Wuhan Iron hat seinen Schwerpunkt in der 60-Milionen-Provinz Hubei, die sich gegen Massenentlassungen und eine Übermacht aus Schanghai stellen dürfte.

Reingewinn von 1,8 Milliarden Yuan

Vor der Fusion erzielte Baosteel 2015 nach chinesischen Quellen einen Reingewinn von 1,8 Milliarden Yuan (270 Millionen US-Dollar, im Unterschied zu westlichen Analysten, welche 399 Millionen US-Dollar Gewinn melden), ein Rückgang von 78 Prozent im Vorjahresvergleich. Wuhan Iron & Steel verzeichnete 2015 Verluste von 7,5 Milliarden Yuan. Für 2016 melden chinesische Medien für die Baowu Group einen Gewinn von 7 Milliarden Yuan.

Vorbei sind die Zeiten, in denen China ganze Stahlwerke in Europa kaufte, abbaute und zu Hause neu installierte. Heute sind Hightech und modernste Anlagen gefragt, die manchem ausländischen Konzern weiter gute Geschäftschancen geben. Siemens arbeitet mit Baowu in Projekten zur Realisierung von Industrie 4.0-Systemen. Der schwedische Kugellager-Produzent SKF liefert Rolleinheiten für die Gussanlagen.

Service gewinnt an Bedeutung

Baosteel-CEO Xu Lejiang
„In der intelligenten digitalen Stahlfertigung gewinnt Service eine zentrale Bedeutung“, sagt Baosteel-CEO Xu Lejiang. - Bild: Baosteel

Konzernchef Xu Lejiang sieht in der Stahlindustrie einen der wichtigsten Bereiche zur Realisierung der Industrie 4.0. „Zukünftig wird die Stahlbranche nicht mehr große Abnehmer mit standardisierten Produkten beliefern“, erklärt Xu. „Durch die Internetökonomie stieg die Zahl der Abnehmer und es setzten sich individuelle Bestellungen durch.“ Die Anforde­rungen an die Qualität der Stahlprodukte und deren Leistungsfähigkeit nehme zu, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen gingen zurück. „In der intelligenten digitalen Stahlfertigung gewinnt Service eine zentrale Bedeutung“, meint Xu. Baosteel möchte künftig auch mit Service und Fachwissen in den Produktionsprozess der Abnehmer eingebunden sein.

Technologischer Durchbruch

Das neue digitale Geschäftsmodell gilt nicht nur für Lieferungen an die boomenden Baubranche, für den Eisenbahn- (neue Seidenstraße) oder Automobilbau. Baosteel Special Steel lieferte den Spezialstahl für Chinas erstes zweistrahliges Passagierflugzeug COMAC C919. „Mit der Entwicklung und Produktion des 300M-Stahls haben wir den technologischen Durchbruch geschafft“, sagte Zhao Suwu von Bao­steel Special Steel. Baosteel war in die Konstruktion des Flugzeugs eingebunden. Entwicklungskompetenz und Service waren für diesen Aufrag wichtiger als die reine Lieferung des Stahls.

Shanghai Baosteel Group Corporation

  • Gründung: 1998
  • Hauptsitz: Shanghai
  • Produkte: Stahl
  • Mitarbeiter: 228.000
  • Umsatz: 36,6 Milliarden US-Dollar (2015)
  • Gewinn / Verlust: 399 Millionen US-Dollar (2015)
  • Wichtige Tochterfirmen:
    Shanghai Baosteel International Economic & Trading Co., Ltd.,
    Shanghai Baosteel Australia Mining Company PTY Ltd.,
    Shanghai Baosteel Chemical Co., Ltd.,
    Howa Trading Co., Ltd., Tokyo,
    Baosteel America Inc.,
    Baosteel Europe GmbH, 100 % - Baosteel Singapore PTE Ltd.,
    Baosteel do Brasil LTDA,
    Bao-Trans Enterprises Ltd.,
    Baosteel Hong Kong Trading Company Ltd.
  • CEO: Xu Lejiang (Baowu Group)