Modernes industrielles Öko-Konzept zur Herstellung von grünem, reinem Wasserstoff.

Wasserstoff wird in Zukunft immer wichtiger werden. - Bild: wladimir1804 - stock.adobe.com

Dass Wasserstoff in Zukunft wichtig sein dürfte, ist wahrscheinlich den meisten inzwischen klar. Katherina Reiche, Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, geht beim diesjährigen Hydrogen Dialogue noch einen Schritt weiter: „Wasserstoff ist elementar, wenn wir unsere Klimaschutzziele erreichen und Industrieland bleiben wollen. An Wasserstoff führt kein Weg mehr vorbei. Wasserstoff ist nicht mehr ein ‚kann‘, Wasserstoff ist ein ‚muss‘“, sagte sie.

In den vergangenen Jahren habe man in der Forschung viel erreicht, sagte Reiche. Jetzt gehe es darum, sich auf die Anwendung und Umsetzung in industriellem Maßstab zu konzentrieren. „Wir müssen in kürzester Zeit aus dem Nischenthema grüner Wasserstoff ein globales System in industriellem Maßstab entwickeln“, erklärte sie.

Kritik übte sie dabei an der Politik. Die dortigen Diskussionen verlaufen im Schneckentempo. Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft werde noch nicht mit der Dynamik und Durchschlagskraft unterstützt, wie es sich der Wasserstoffrat wünsche, erklärte die Vorsitzende. Ihre Einschätzung: „Da wird schon jetzt bis ins Detail überreguliert, statt dem Markt, der Forschung, der Technologieentwicklung den notwendigen Rahmen und den nötigen Raum zu geben.“

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Das Moderatorinnen-Duo sprach bisher beispielweise mit Dr. Holger Engelmann (CEO Webasto) über das Zulieferergeschäft und Elektromobilität, mit Dr. Christina Reuter (Airbus/Kion) über Digitalisierung und Frauen in technischen Berufen sowie mit Andreas Langfeld (EMEA-Chef Stratasys) über 3D-Druck und Mitarbeiterführung.

 

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Wasserstoff: Das fordert Reiche von der deutschen Politik

Diskussionsbedarf sieht Reiche auch bei der Forderung vieler Politiker, ab 2025 nur noch grünen Wasserstoff zu produzieren und verwenden. Denn: Man werde für eine gewisse Übergangszeit Erdgas benötigen – zum Beispiel als Energieträger in der Stahlindustrie und als Grundstoff für blauen und türkisen Wasserstoff, erklärte sie.

Die deutsche Politik solle ihren Einfluss in der EU geltend machen, um schnellere Entscheidungen bei Förderprojekten zu forcieren, forderte sie. Denn: Diese Wasserstoff-Projekte dürfen erst starten, wenn sie in Brüssel genehmigt wurden. Das ist laut Reiche wahrscheinlich erst Mitte 2022 der Fall. Man dürfe aber keine Zeit verlieren. Denn es gehe nicht nur um den Klimaschutz, sondern auch um Wettbewerb, Arbeitsplätze und Standorte.

Und noch etwas hat Reiche zufolge gefehlt, um beim Thema voranzukommen: Belastbare Zahlen, wo und wann welche Menge an Wasserstoff benötigt wird. Deshalb hat das Fraunhofer-Institut eine Meta-Studie durchgeführt (die ganze Studie gibt es hier).

Wie viel Wasserstoff wird künftig benötigt?

Das Fazit der Studie: Es wird wesentlich mehr Wasserstoff benötigt, als bislang eingeplant ist. Und: Je höher, die Klimaambitionen, desto höher der Wasserstoffbedarf. Der größte Abnehmer wird zunächst die Industrie sein. Bis 2040 wird dann auch der Bedarf im Verkehrs- und Energiesektor steigen und dann benötigen diese Bereiche mehr Wasserstoff als die Industrie. Und: Man dürfe den deutschen Mittelstand nicht vergessen. Denn auch dort werde man H2 benötigen.

Alles Wissenswerte zum Thema CO2-neutrale Industrie

Sie wollen alles wissen zum Thema CO2-neutrale Industrie? Dann sind Sie hier richtig. Alles über den aktuellen Stand bei der klimaneutralen Industrie, welche technischen Innovationen es gibt, wie der Maschinenbau reagiert und wie die Rechtslage ist erfahren Sie in dem Beitrag "Der große Überblick zur CO2-neutralen Industrie".

Um die klimaneutrale Industrie auch  real werden zu lassen, benötigt es regenerative Energien. Welche Erneuerbaren Energien es gibt und wie deren Nutzen in der Industrie am höchsten ist, lesen Sie hier.

Oder interessieren Sie sich mehr für das Thema Wasserstoff? Viele Infos dazu gibt es hier.

Auch Dr. Carola Kantz, stellvertretende Geschäftsführerin der VDMW Working Group P2X4A, sagte in einer Diskussion auf dem Hydrogen Dialogue: Die Wasserstoff-Projekte müssen jetzt in Gang kommen, sagte sie. Und: Man müsse weg von der Produktion des Wasserstoffs nur in bestimmten Branchen wie Stahl und Luftfahrt. Vielmehr müssen man auch andere Märkte schneller erschließen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn: Deutschland solle nicht nur jetzt, sondern auch in zehn und 20 Jahren vorne mit dabei sein.

Ein weiteres Thema: der Preis. Die Klimaziele könne man nicht ohne den Wasserstoff erreichen, sagte auch Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur. Deshalb müsse man schauen, dass dieser so günstig wie möglich sei.

An diesen Wasserstoff-Projekten arbeiten Bosch und MAN

Stationäre Brennstoffzelle in Bamberg
Die zwei Meter hohe kühlschrankgroße stationäre Brennstoffzelle am ZOB Bamberg erzeugt rund 10 Kilowatt Strom, mit dem der Strombedarf von mehr als 20 Vier-Personen-Haushalten im Stadtquartier um den Busbahnhof gedeckt werden kann. - Bild: Bosch

Und wie weit sind die Unternehmen in der Praxis? Marcus Spickermann leitet bei Bosch das stationäre Festoxid-Brennstoffzellen-Programm. Die Geräte seien derzeit noch im Prototypenstatus. Ab 2024 sollen sie dann aber im Einsatz sein, so Spickermann. An den Bosch-Standorten gebe es aber bereits Pilotprojekte.

Der erste Realbetrieb einer stationären Brennstoffzelle ist seit März auch schon in Betrieb: Bosch produziert zusammen mit den Stadtwerken Bamberg erstmalig Strom und Wärme in einem Stadtquartier. Die stationäre Brennstoffzelle am Zentralen Omnibus-Bahnhof in Bamberg versorgt mehr als 20 Vier-Personen-Haushalte mit klimafreundlichem Strom.

Ein anderes Unternehmen, das sich schon länger am Thema Wasserstoff arbeitet, ist MAN Truck and Bus. Dirk Weberskirch erklärte, dass MAN unter anderem am Projekt „Bayernflotte“ mitarbeitet. Ziel sei die Entwicklung und Erprobung einer Long-Haul Demoflotte mit H2- und BEV-Antrieben. Das Projekt soll noch dieses Jahr starten.

Mit der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen und der Technischen Hochschule Nürnberg will MAN einen gemeinsamen H2-Campus aufbauen. Ziel ist die gemeinsame Forschung und Entwicklung im MAN-Werk vor Ort. Auch dieses Projekt startet dieses Jahr.

Auch Siemens ist beim Wasserstoff aktiv. Mehr dazu lesen Sie hier.

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