Hiroshi Miyazawa und Norio Yokoshima, beide in schwarzem Anzug, in ihrer Mitte ein weißer Roboter

General Manager in der Robotics Solutions Operations Division bei Epson (l. Hiroshi Miyazawa u. r. Norio Yokoshima) - Bild: Epson

| von Susanne Nördinger

Produktion: Herr Yokoshima, was denken Sie über kollaborierende Roboter? Werden Sie die Robotik in Zukunft dominieren?

Norio Yokoshima: Kollaborative Eigenschaften spielen in Zukunft eine bedeutende Rolle in der Robotik. Unser Ziel ist es, mit kollaborierenden Robotern menschliche Arbeiter zu unterstützen. Die Voraussetzung dafür ist eine Menge an Sicherheitstechnik. Wir entwickeln derzeit verschiedene Sensoren, die den sicheren Einsatz kollaborierender Roboter ermöglichen. Unabhängig davon, muss aber auch eine weiteres Problem gelöst werden. Menschen können mithilfe ihrer Hände sehr schnell arbeiten, beispielsweise in der Montage. Ein kollaborierender Roboter arbeitet eher langsam, das bleibt aktuell ein Dilemma. Wir arbeiten daran, dies mit Hilfe von Sensoren zu lösen, die den Roboter unterstützen.

Planen Sie, weitere kollaborative Roboter auf den Markt zu bringen?

Norio Yokoshima: Ja, wir haben vor, eine ‚basic collaborative technology‘ zu entwickeln, die im Speziellen auf Sensortechnik basiert. Dabei geht es zum Beispiel darum, dass der Roboter Menschen erkennt, die sich nähern. Diese Technologie wollen wir dann sowohl für Sechsachser als auch für unseren Dual-Arm-Roboter nutzen.

Mit welchen Neuigkeiten im Bereich Kleinroboter wollen Sie sich zukünftig von Wettbewerbern differenzieren?

Norio Yokoshima: Unser Ziel ist vorrangig, hochpräzise Roboter anzubieten. Diese hochpräzisen Roboter werden beispielsweise für Montagelinien benötigt. Das ist zum Beispiel wichtig, um wachsende Märkte wie den Bereich Smartphone-Montage in China bedienen zu können. Momentan stehen diese Produktionslinien hauptsächlich in China. Wir glauben aber, dass solche Montageapplikationen in Zukunft auch in Osteuropa oder Lateinamerika zu finden sind. Unser Ziel ist es daher, mit unseren hochpräzisen Kleinrobotern weltweit Wachstum zu generieren.

Werden in Europa spezielle Roboter benötigt?

Norio Yokoshima: Aus unserer Sicht wächst die Welt immer mehr zusammen. Mittlerweile werden weltweit dieselben Roboter gebraucht, um Produktionslinien zu automatisieren. Wir bieten unsere Produkte daher weltweit an.

Weltneuheit: Sechsachser für geringen Platzbedarf

Bild: Epson

Auf der IREX in Tokio hat Epson einen ersten Vertreter der neuen Sechsachser-N-Serie gezeigt. Die Roboterarme der N-Serie sind neuartig konstruiert und lassen sich auf geringem Raum zusammenfalten. Dadurch kommen sie mit bis zu 40 % weniger Platz aus als andere Sechsachser. Das erste Produkt der N-Serie kommt im Mai 2016 auf den Markt.
Der Roboter benötigt nur rund 600 m2 Platz. Das entspricht in etwa dem Arbeitsraum, den ein Mensch benötigt. Epson sieht den Einsatz der Roboter vor allem im Bereich Montage und Überprüfung von Elektronikprodukten, Elektronik- oder Automotive-Komponenten sowie im Bereich Medizintechnik.

Dual-Arm-Roboter
Auf der IREX hat Epson etwa gezeigt, wie der Dual-Arm-Roboter Verschraubungen ausführt. In Zukunft soll der Roboter – mit weiteren Sensoren ausgestattet – auch sich nähernde Menschen erkennen können - Bild: Epson

Was gibt es Neues im Bereich Steuerungstechnik, wie denken Sie beispielsweise über offene Steuerungen?

Norio Yokoshima: Das ist eine gute Frage. Wir bieten schon jetzt eine offene Kommunikation innerhalb unseres Systems. Aber eine Roboter-Steuerung ist an sich ein geschlossenes System. Wir haben momentan auch nicht vor, dieses System zu öffnen. Um unsere Maschinen optimieren zu können, wird schließlich unser eigenes Steuerungssystem gebraucht. Diese Einstellung verfolgen wir hier bei Epson grundsätzlich.

Inwieweit spielt das Thema Cloud Robotics bei Epson eine Rolle?

Norio Yokoshima: Aus Sicht eines Roboterhersteller muss ich sagen, dass Cloud Robotics momentan noch kein Thema ist. Die Cloud wird aber in Zukunft bei der Kommunikation an sich eine tragende Rolle spielen. Denn es wird immer öfter gefragt, Informationen zwischen Firmen in Asien, Europa oder Amerika in Echtzeit teilen zu können. Im Falle von produzierenden Unternehmen spielt beim Thema Cloud aber die Sicherheit nach wie vor eine wichtige Rolle. Und diese notwendige Sicherheit ist bei einer Kommunikation via Cloud momentan noch nicht gewährleistet.

Vita

Hiroshi Miyazawa

- studierte ‚Information Science‘ an der Tokyo University of ­Science in Japan
- stieg 1985 bei Epson ein
- ist als ‚General Manager‘ für Entwicklung und Design von Robotern, Roboter-Manipulatoren und -Steuerungen verantwortlich.

Norio Yokoshima

- studierte ‚Precision Engineering‘ an der Tohoku University in Japan
- stieg 2000 bei Epson ein
- ist als ‚General Manager‘ für Entwicklung und Design von Robotern und hochwertigem Roboter-Zubehör wie Bildverarbeitung oder Kraftsensoren verantwortlich.

 

Welche Bedeutung haben die Themen Industrie 4.0 und IoT bei Epson?

Hiroshi Miyazawa: Wir konzentrieren uns auf die Daten, die ein Roboter produziert. Wenn man eine Produktionslinie analysieren möchte, dann müssen die ver­bauten Roboter Daten herausgeben wie etwa Lebenszeit oder Stromverbrauch. Das ist für uns der Start, um Industrie 4.0 oder IoT realisieren zu können. Gleichzeitig müssen Roboter noch autonomer arbeiten können, um auch mit anderen Werkzeugen und zu anderen Zwecken eingesetzt werden zu können. Dazu entwickeln wir einen Roboter wie unseren Dual-Arm.

Uns gefällt sowohl das Konzept hinter Industrie 4.0 als auch hinter IoT. Das Ganze müssen wir jetzt aber noch mit Leben erfüllen. Klar ist aber, dass ein autonomer Roboter, der Daten zur Verfügung stellt, wichtig ist. Wir beobachten alles rund um Industrie 4.0 und IoT sehr genau und forschen auch zu diesen Themen. Kommunikation wird dabei eine tragende Rolle spielen.

Was zeigen Sie dieses Jahr auf der Automatica in München?

Hiroshi Miyazawa: Das müssen wir noch mit Epson Deutschland diskutieren. Wir haben das noch nicht entschieden.

Susanne Nördinger aus Produktion Nr. 03-04, 2016