Elektrische Autos von SAP unterschiedlicher Auotohersteller stehen im Kreis, Menschen schauen sich die Autos an, blauer Himmel, Bäume

Vorstellung der elektrischen Autos von SAP. - Bild: SAP

Der größte Sprung im Trend-Ranking des Global Automotive Executive Survey vom Beratungshaus KPMG spricht Bände: Vom zehnten auf den ersten Platz katapultierte sich das Thema „Vernetzung und Digitalisierung“ innerhalb eines Jahres von 2015 auf 2016. Gefragt waren über 800 Entscheider aus dem Automobilbereich. Und auch das Beratungshaus McKinsey sieht Themen augenblicklich als hochrelevant für den Automobilsektor an, die eine Konsequenz der Vernetzungsstrategien sind.

Dazu gehören unter anderem neue Umsatzquellen, die sich um gemeinschaftlich genutzte Autos drehen und neue Business-Modelle rund um Apps, Navigationskonzepte und Software, eine „fit for purpose“-Strategie, die nicht ein Auto für jeden Zweck in der Vordergrund stellt, sondern für jeden Zweck eine Lösung bietet und nicht zuletzt das autonome Fahrzeug, das gesteuert über diverse Sensoren das Fahren mehr und mehr selbst übernimmt.

Wie physische Produkte durch digitale Services ergänzen werden

Mobilität, das zeigen die aktuellen Studien, ist nicht mehr „nur“ auf das Auto beschränkt. „Versicherungen nutzen künftig Sensordaten aus Fahrzeugen für die flexible Anpassung von Policen und Transportunternehmen wie die Deutsche Bahn beziehen den modalen Transport in ihre Überlegungen mit ein, beschränkt sich also längst nicht mehr auf die Schiene“, bemerkt Stephan Brand. Der als Senior Vice President bei SAP für das Internet der Dinge mit Schwerpunkt auf so genannte Moving Assets zuständige Manager fasst den Begriff Mobilität weiter – ein Stück weit weg vom Auto hin zu gesamtheitlichen mobilen Lösungen.

Wie SAP die Geschäftprozesse seiner Kunden optimiert

Dabei wird SAP nicht mit Automobilanbietern konkurrieren, sondern sich viel mehr auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, nämlich die Einbindung von Geräten und Fahrzeugen, die sich bewegen, in die Geschäftsprozesse. „Gabelstapler in der Fabrikhalle, Maschinen auf Baustellen und Transporter im Zulieferverkehr sind Kosten- und Produktonsfaktoren“, erläutert Brand, „sie müssen so effizient wie möglich betrieben werden.“

Um Unternehmen dabei zu unterstützten, setzt SAP auf eine Plattformstrategie, die es ermöglicht, einerseits die physischen Produkte durch digitale Services zu ergänzen, andererseits aber auch die Anbindung an bestehende Geschäftsprozesse zu gewährleisten. Kunden geht es darum, neue Geschäftsszenarien zu entwickeln und sie schnell umsetzen zu können. „Schnell implementieren, validieren im Markt und im Erfolgsfalle schnell skalieren“, benennt Brand die Anforderungen an die Lösung.

Welche unterschiedliche Einsatzszenarien möglich sind

- Flotte plus Effizienz: So verkauft Toyota Material Handling inzwischen nicht mehr „nur“ Gabelstapler, sondern gleich eine Flotte inklusive Servicevertrag. Der Manager in der Fabrikhalle weiß jederzeit, wo sich die Stapler befinden, wie effizient sie sind und wann Fahrzeuge gewartet werden müssen. Er erkennt Störfälle und Auffälligkeiten schneller und erhöht so die Effizienz seiner Flotte. Voraussetzung ist, dass die Sensoren im Fahrzeug permanent Statusdaten liefern und die Plattform diese Informationen adhoc auswertet.

- „Pay as you drive“ heißt der Ansatz im Versicherungsbereich, der es Versicherungsnehmern künftig ermöglichen soll, die Höhe der monatlichen Police durch das eigene Fahrverhalten mit zu beeinflussen. Der IT-Dienstleister msg global hat eine entsprechende Lösung entwickelt, die über die sogenannte On-Board-Diagnose (OBD)-Schnittstelle entsprechende Daten aus dem Fahrzeug an den Versicherer übermittelt der diese Daten in die Kalkulationen einfließen lässt.

- Baustelle organisieren: Bohrer, Planierraupen und Kräne sind wichtige Maschinen und Fahrzeuge auf einer Baustelle. Damit es nicht zu unnötigen Verzögerungen kommt, wertet eine Plattform permanent Daten aus den Maschinen aus und warnt, sobald Schwellenwerte erreicht werden, um frühzeitig Ersatz zu beschaffen oder Mechaniker zur Reparatur oder Wartung loszuschicken. Einen Eindruck bekommen Sie im folgenden Video über den „Live Construction Showcase“:

- Digital anbauen: Eine höhere Ernte einzufahren ist das Ziel von „digital farming“, der Unterstützung der Landwirte durch innovative Technologien, die klimatische Verhältnisse beobachten, Temperatur im Boden messen und Warnungen bei herannahendem Sturm per SMS aussenden. Die „moving assets“ sind hier die Landmaschinen, deren Leistung und Effizienz ebenfalls in die Gesamtanalyse eines Farm-Management-Systems einfließen.

SAP Vehicle Insights als Plattform für neue Geschäftsmodelle für Mobilität

Was hier mit Hilfe der ab Anfang Juni als offizielles Produkt verfügbarer SAP-Lösung SAP Vehicle Insights auf Basis der SAP HANA Cloud Platform möglich wurde ist nur ein kleiner Teil dessen, was an Potenzial denkbar ist. Denn in immer mehr Szenarien ist eine Plattform der Dreh- und Angelpunkt neuer Services.

Ideen gibt es eine Menge: So baut derzeit beispielsweise ein Unternehmen in Korea Appartmenthäuser mit einer eigenen Fahrzeugflotte. Die Autos sind geleast und Teil des Kaufvertrags. Wer ein Auto nutzen will, geht in seine App und ordert eines der verfügbaren Fahrzeuge. „Die meisten Autos stehen ungefähr 23 Stunden am Tag in der Garage oder auf dem Parkplatz – und Parkräume werden gerade in den Großstädten zunehmend knapper“, erläutert Brand, der genau solche zukunftsorientierten Lösungen einfordert.

Nicht zuletzt profitieren auch die Freunde des autonomen Fahrens von plattformorientierten Ansätzen. „Radarsysteme, 360-Grad-Kameras und Ultraschallmessungen sind künftige Bestandteile von vielen Fahrzeugen“, weiß Brand, der davon ausgeht, dass die vielen Daten die Logik immer weiter verfeinern werden – nicht zuletzt auf Basis der künstlichen Intelligenz.

Die Analyse der Daten auf einer zentralen Plattform kann unter anderem helfen, vor Straßenübergängen zu warnen, auf denen immer sehr viele Menschen unterwegs sind, Parkplätze zu finden oder die grüne Welle zu erwischen. Nur in einem Punkt ist SAP-Manager Brand skeptisch: „Die Vollbremsung würde ich nicht in die Cloud verlagern – das mache ich doch lieber selbst.“