General Electric

General Electric stattet im Rahmen seiner Brilliant-Factories-Initiative Produkte mit vernetzten Sensoren aus. - Bild: General Electric

Auch intern im Fertigungsunternehmen wird praktisch jede der Kernfunktionen, wie Produktentwicklung, IT, Fertigung, Marketing oder Vertrieb/Service, neu definiert. Zusätzlich werden völlig neue Funktionsbereiche entstehen.

Diese Veränderungen bei Produkten und Organisationsstrukturen sind nicht einfach und bergen Unwägbarkeiten. Aber Unternehmen, denen die Umstellung gelingt, werden langfristig stark davon profitieren.

Das sind Thesen von Prof. Michael E. Porter (Harvard Business School) und James E. Heppelmann, Präsident und CEO von PTC, die in einer Grundsatzabhandlung im Harvard Business Manager die organisatorischen Veränderungen und Herausforderungen beschreiben, die die Herstellung und der Vertrieb von intelligenten, vernetzten Produkten im Unternehmen selbst verursachen werden.

Welche Herausforerungen der Übergang zum Anbieter anspruchsvoller IoT-Lösungen birgt

Für viele Unternehmen, die mit dem Übergang zu smarten Produkten zu kämpfen haben, sei der Wandel beunruhigend oder destabilisierend, brächte er doch interne Anpassungen, Wettbewerbsprobleme und Sicherheitsbedenken mit sich.

Die Autoren schildern eine Reihe von technisch-organisatorischen Ansätzen, wie sich die Transformation vom Hersteller konventioneller Produkte zum Anbieter anspruchsvoller IoT-Lösungen in den einzelnen Abteilungen/Funktionen des Fertigungsunternehmens auswirkt beziehungsweise erfolgreich bewältigt werden kann.

Im Vordergrund stünde aktuell die Organisationsstruktur, denn die seit Jahrzehnten etablierten Organigramme beginnen aufzubrechen und sich zu verändern.

Die Cloud zum zentralen Element

Abbildug eines Zustandsüberwachungssystems für Bahnanwendungen von Bosch
Eine neue Lösung zur intelligenten, vernetzten Echtzeit-Zustandsüberwachung von Güterwagen geht Mitte 2016 in Serie. - Bild: Bosch

Zur Charakterisierung der neuartigen Produktlösungen, die eine bisher nicht gekannte, enge und direkte, sowie zeitlich unbegrenzte Beziehung zum Kunden herstellen, definieren sie drei Kernelemente: physische Komponenten, intelligente Komponenten, wie Sensoren oder Mikroprozessoren, sowie Vernetzungskomponenten, die die Kommunikation zwischen Produkt und Cloud sicherstellen.

Die Cloud wird in vielen vernetzten Produktlösungen zum zentralen Element für die Software/das Produkt-‚ Betriebssystem, die zum Beispiel ein Big-Data-Datenbanksystem oder intelligente Produktanwendungen, die die Funktionen des Produktes überwachen, steuern und optimieren, beheimatet.

Smarte Werkzeuge im Einsatz

Überhaupt fallen die Daten bei IoT-Lösungen kontinuierlich und in großen Mengen an. Ihr volles Informationspotenzial auszuschöpfen wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Deshalb sei für die Kontrolle, Analyse und die Sicherheit der Daten eine wichtige neue Unternehmensfunktion unerlässlich.

Das Problem ist, dass die Daten als ein Sammelsurium verschiedenster Formate vorliegen.

Für Porter und Heppelmann beginnt die Transformation des Unternehmens im Bereich der Produktentwicklung, sie habe sich aber mittlerweile auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgedehnt.

Vernetzte Produkte stellen ganz andere Anforderungen an den Design- und Entwicklungsprozess. Sie sind komplexe Systeme mit Software im Gerät selbst und umfangreicher Software in der Cloud.

Der bisherige maschinenbaugetriebene Entwicklungsprozess wandelt sich deshalb vermehrt zum interdisziplinären Systems Engineering, bei dem neben Maschinenbauingenieuren mindestens genauso viele Softwareentwickler beteiligt sind.

Wie intelligente Vernetzung zum Wettbewerbsvorteil wird

Logistik, Vertrieb und Service verändern ihr Gesicht ebenfalls radikal. Die Möglichkeit, fortwährend das Produkt zu kontrollieren, wird im Marketing und Vertrieb die Kundenbeziehung völlig neu definieren: entscheidend ist nicht mehr der Verkauf des Produkts, sondern die Maximierung des Wertes für den Kunden über die gesamte Nutzungsdauer hinweg.

Auch im Aftersales/Service wird sich die Effizienz entscheidend verbessern und von einem reaktiven auf einen vorbeugenden und aktiven Kundendienst umorganisiert.

Was per Ferndiagnose oder z. B. durch Installieren eines Software-Upgrades nicht behoben werden kann, wird mit einem einmaligen Besuch des Technikers erledigt, weil er alle Informationen über den Zustand des Produktes immer vorliegen hat und deshalb optimal vorbereitet zum Kunden kommt.

Für Porter und Heppelmann werden selbst bei den progressivsten Industrieunternehmen noch auf Jahrzehnte hinaus weniger als die Hälfte der hergestellten Produkte intelligent und vernetzt sein. Das heißt, ein Nebeneinander von alten und neuen Strukturen wird die Organisation zusätzlich erschweren.

Smarte Produkte erfordern eine bereichsübergreifende Koordination. Alle Funktionsbereiche müssen sich intensiv abstimmen, mit den herkömmlichen Übergaben an die nächste Abteilung ist es nicht mehr getan. Dabei überschneiden sich die Aufgaben und die ehemals klaren Grenzen zwischen den Funktionen lösen sich auf.

Eine Leseprobe des ganzen Artikels von Porter und Heppelmann erhalten Sie hier.