| von Dietmar Poll
Aktualisiert am: 15. Mär. 2018
Schnittstellen sind schwierig
In der Intralogistik sind Schnittstellen nicht standadisiert, das macht es immer schwierig - Bild: suslo - Fotolia

Zum Thema Schnittstellen-Standardisierung sagt Oliver Wolf vom Fraunhofer IML, dass sich das zwar profan anhöre, „aber es ist immer noch ein großes Problem und wird es – wenn nicht ent­sprechende Schritte unternommen werden – auch bleiben.“ Eine Schnitt­stelle sei halt immer schwie­rig. In der Intralogistik sei sie nicht standardisiert, es gebe zwar EDIFACT (branchenübergreifender internationaler Standard für das Format elektronischer Daten im Geschäftsverkehr) und weitere Regelungen, aber wie dies einzelne Unternehmen interpretierten, sei letztlich deren eigene Sache.

Bild: Linde Material Handling

»Wir erwarten einen spürbaren Wandel in der Intralogistik. Entwicklungen, die mit Begriffen wie Smart Logistics oder Logistik 4.0 einhergehen, werden den Einsatz von Flurförderzeugen schrittweise verändern.«

Tobias Zierhut, Head of Product & Service Marketing Linde Material Handling

Doch Wolf beschreibt, dass eine vom Fraunhofer Institut ins Leben gerufene Initiative der Bundesregierung Abhilfe schaffen soll: „Da versuchen wir via Industrial Data Space eine gemeinsame Regelung zu finden, nicht nur was die Schnittstellen-Standardisierung anbelangt, sondern auch was die Themen Industrie 4.0, Datenmengen und Big Data anbelangt.“ Der Industrial Data Space solle für Datensouveränität, Datensicherheit aber auch zur Bereitstellung von Daten und der Standardisierung sorgen.

Dazu beschreibt Wolf: „Da gibt es klare Regeln, wer was machen kann, sodass die Sicherheit gewährleistet ist und wer welche Änderungen machen kann.“ Wolle man das durch Normungsgremien bringen, dauere es zu lange. Die Industrie könne das hingegen als quasi de facto-Standard schneller umsetzen. Um die Anforderungen der Industrie zu erkennen, gebe es den im Januar gegründeten Industrial Data Space e.V. Diesem Verein gehören mittlerweile 25 große Firmen an wie beispielsweise Volkswagen, Sick als Sensorhersteller, die viele Daten produzieren, dann auch Anlagenhersteller, Softwareanbieter und Versicherungen. „Alle wollen in diesem Verein für eine Standardisierung sorgen – so ist zumindest die Idee. Darin gibt es verschiedene ‚use cases‘, mehrere davon in der Logistik. Man ist also sehr bemüht, eine gemeinsame Sprache zu sprechen“, erläutert Wolf.

Aber es sei auch schwierig, losgelöst eine Industrie 4.0-Zelle im laufenden Betrieb aufzubauen – mit entsprechender Software und Hardware, sodass Produktionsstätten oder einzelne Maschinen untereinander vernetzt würden. Dazu gehören laut Wolf auch der Stapler, das Regal und der Behälter – zum Beispiel der intelligente Behälter von Würth, der seinen Beladungszustand kennt. „Diese ganzen Dinge existieren, aber jeweils für sich alleine. Es sind alles Industrie 4.0-Bausteine, die aber nur dann Sinn machen, wenn auch eine Interaktion möglich ist – und genau an diesem Punkt kommt die Standardisierung ins Spiel.

Bild: Fraunhofer IML

»Was das Thema Schnittstellenstandardisierung anbelangt, versuchen wir, via Industrial Data Space eine gemeinsame Regelung zu finden. Auch was die Themen Industrie 4.0, Datenmengen und Big Data anbelangt.«

Oliver Wolf, Fraunhofer IML

 

Diese macht Rosenbach nachdenklich: „Bei Industrie 4.0 wird sehr viel über Schnittstellen-Standardisierung gesprochen. Allerdings befürchte ich, dass die Standardisierung nicht mit dem entsprechenden Tempo mithalten kann. Deswegen haben wir bei Jungheinrich das Logistik-Interface geschaffen. Das ist im Grunde ein Übersetzer zwischen den verschiedenen Sprachen, natürlich auf den Bereich Intralogistik angepasst.“ Es spreche die Sprache des WMS, aber auch die Sprache von ganz vielen anderen Produkten. Es sei ein Tool, um die Vernetzung im Bereich der Logistik zu erhöhen.

Wolf äußert sich zu den firmen­eigenen Wegen wie folgt: „Dadurch möchten die Unternehmen den Kunden natürlich auch näher an sich binden. Das ist aus Firmensicht verständlich, aber es fehlt auch hier wieder die übergeordnete Sicht auf das Thema Industrie 4.0. Also – jeder ist dabei, aber jeder ist auch häufig alleine dabei.“

Dietmar Poll aus Produktion Nr. 10, 2016