| von Karoline Kopp
Industrie 4.0 - RAMI - IIRA
Mit ihren Testbeds – Spielwiesen für Entwickler – haben die Amerikaner große Erfolge. - Bild: fotohansel - fotolia

Unter dem Dach des IIC können die Entwickler verschiedener Unternehmen mit vorhandenen Technologien ausprobieren, wie sich ihre IoT-Ideen am besten umsetzen lassen. Diese Vorgehensweise wollen nun die Deutschen übernehmen und steuern im Gegenzug ihre niederschwelligeren Zugangsmöglichkeiten für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) bei. Diese werden hierzulande von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen getragen und bieten KMU die Möglichkeit, Ideen auszuprobieren, ohne größere Summen investieren zu müssen und sich sofort auf eine Technologie festzulegen. „Über unsere Plattform finden auch KMU Zugang zu einem Testbed in relativer Nähe“, sagt Russwurm.Eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit der Initiativen dies- und jenseits des Atlantiks spielen die Referenzarchitekturmodelle RAMI (I4.0) und IIRA (IIC).

Sie werden die Grundlage dafür sein, dass auch im Wettbewerb miteinander stehende Unternehmen vernetzte Lösungen entwickeln können. Denn die Kunden sollen künftig problemlos von einem Anbieter zum nächsten wechseln können. Dafür aber ist es notwendig, dass die beiden bereits bestehenden Modelle miteinander harmonieren: Nur wenn alle Architekturen die gleiche Sprache sprechen, ist ein Austausch der Technologien, die auf unterschiedlichen Architekturen beruhen, jederzeit möglich.

Russwurm zieht zur Verdeutlichung eine Parallele aus der Siemens- und ABB-Welt. „Wir erzählen die gleiche Geschichte auf unterschiedliche Art. Und wenn ein Unternehmen ABB-Produkte gegen Siemens-Produkte austauschen will, muss es nicht gleich seine gesamte Unternehmens-IT über den Haufen werfen.“

Bild: Robert Bosch GmbH

»Dies ist eine riesige Errungenschaft für die industrielle Anwendung des Indust­rial Internet of Things.«

Dr. Werner Struth,
Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH

Dennoch werden sich konkurrierende Unternehmen kaum Vorschriften hinsichtlich ihrer Architekturen machen lassen. Daher wird es nicht eine Architektur geben, sondern es wird einen gemeinsamen Architekturrahmen geben. „Damit ein Wechsel und eine Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Implementierungen auch von Wettbewerbern funktioniert“, sagt Russwurm. Dass dies ein gangbarer Weg sei, beweise die gelungene unternehmensübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Plattform bei der Entwicklung von RAMI. So sehen die Vertreter der beiden Gremien zuversichtlich einer intensiven Zusammenarbeit entgegen. „Mit anderen Initiativen zusammenzuarbeiten ist wichtig, insbesondere für Deutschlands exportorientierte Wirtschaft. Wir sind sehr daran interessiert, mit anderen zu kooperieren, um den Weg für globale Standards zu ebnen. Mit dem IIC – und anderen Konsortien – zusammenzukommen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, ist sich Russwurm sicher.

Der Executive Director des IIC, Richard Mark Soley, sieht die beiden Bewegungen ebenfalls auf dem richtigen Weg: „Das Unterfangen zeigt, dass kluge technisch-versierte Menschen jede Lücke schließen können und einen Weg finden, um Probleme zu lösen, die andernfalls vielleicht Hürden für den Eintritt in die Anwendung von IoT Technologie für industrielle Anwendungen geschaffen hätten. Ich beglückwünsche die Teilnehmer und bedanke mich für ihre erste Arbeit und freue mich auf eine erfolgreiche, weitergehende Zusammenarbeit.“ Und auch von Seiten der Bundesregierung kommt Beifall für die gestartete Zusammenarbeit: „Wir begrüßen die Kooperation beider Initiativen als einen wichtigen Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit von Unternehmen. Die vereinte Kraft von IIC und der Plattform Industrie 4.0 wird maßgeblich den Weg in eine digitalisierte Wirtschaft ebnen, der für beide Seiten von Vorteil ist“, sagt Staatssekretär Matthias Machnig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Bild: SAP

»Dies wird eine viel reibungslosere internationale Zusammenarbeit zwischen kleineren Firmen und größeren Unternehmen ermöglichen.«

Bernd Leukert,
Vorstandsmitglied der SAP AG

Das Treffen der Plattform Industrie 4.0 und des IIC in Zürich wurde durch die Robert Bosch GmbH und SAP, die jeweils Mitglieder in den Lenkungsgremien beider Organisationen sind, initiiert. Die in diesem ersten Treffen zusammengekommene informelle Gruppe wird ihre Arbeit bezüglich der Annäherung des IIC und der Plattform Industrie 4.0 fortsetzen. Die offene, informelle Gruppe bestand aus Vertretern der folgenden Unternehmen: Robert Bosch GmbH, Cisco, IIC, Pepperl + Fuchs, SAP, Siemens, Steinbeis Institute und ThingsWise.

Karoline Kopp und Sabine Spinnarke aus Produktion Nr. 10, 2016