Winter- Xpertiso

Xpertiso-Trainer Lucas Johannes Winter: „Schon mehrere Teilnehmer haben sämtliche Unterlagen mitgenommen, um die Szenarien mit der eigenen Geschäftsführung zu besprechen.“ - Bild: Xpertiso

| von Daniela Hoffmann

Produktion: Herr Winter, wer nimmt typischerweise an Industrie 4.0-Trainings von Xpertiso teil?

Dr. Lucas Johannes Winter: Wir sehen in diesen Trainings sehr häufig Teilnehmer aus dem mittleren und höheren Management, vom Fachbereichsmanagement bis hin zu Geschäftsführung und Vorstand.

Da sind viele jüngere Manager dabei, die sich das Thema für ihre Karriere auf die Fahne schreiben möchten. Aber es gibt auch viele erfahrene Abteilungsleiter und Geschäftsführer, die nicht so wirken, als würden sie hinter jedem Hype her sein, aber meinen, bei diesem Thema tue sich so viel, dass sie sich mit dem Training fundiertes Wissen aneignen wollen.

Je höher die Position, desto wichtiger wird es, die Struktur, das Gewebe hinter einem Begriff wie Industrie 4.0 ganz klar darzulegen, damit die Person dann in der Lage ist, Themen und Ideen richtig einzuordnen.

Industrie 4.0 ist ja immer noch ein junges Thema, das stark in Bewegung ist. Wie vermitteln Sie das in den Trainings und mit welchen grundlegenden Strategien lässt sich das Thema angehen?

Winter: Es gibt verschiedene Bereiche, auf die sich abzielen lässt. Zum Beispiel kann es um Effizienzsteigerungen gehen, um neue Herstellungsverfahren wie 3D-Druck, aber auch um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – zum Beispiel darum, eine Serviceleistung, für die früher ein Techniker zum Kunden kommen musste, per Smart-Glasses in Echtzeit-Fernunterstützung zu erledigen.

Diese ganz unterschiedlichen Bausteine machen Industrie 4.0 aus. Viele Elemente gibt es schon länger: Das Bahnbrechende liegt allerdings in der Kombinatorik dieser Technologien und einem agilen und kreativen Innovationsansatz: Erst so entstehen die wirklich großen Neuerungen.

Bei dieser industriellen Revolution liegt der springende Punkt darin, dass sich die Innovationsprozesse und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen ändern müssen. Es geht eben zum Beispiel nicht mehr darum, dass unsere Autos weiter jedes Jahr drei Prozent weniger Sprit oder weniger Energie bei der Herstellung brauchen – sondern um Vernetzung oder Nutzungskonzepte.

Industrie 4.0 definiert sich durch neue Innovationsprozesse, die sich auch in der fertigenden Produktion stark daran orientieren, wie Software-Entwicklung funktioniert. Das Stichwort hier ist eine schlanke Entwicklung mit schnellen pragmatischen Prototypen.

Wie können es Unternehmen schaffen, sich auf eine andere Art der Innovation einzustellen?

Winter: Das Thema Customer Centricity, den Kunden in den Fokus zu stellen und von der Produktdenke hin zur Kundendenke zu wechseln, gehört zu den wichtigsten Aufgaben.

Welchen Nutzen bringe ich meinem Kunden, wie kann ich dessen Bedürfnisse noch ein bisschen besser erfüllen? Bei diesen Fragen hilft es, aus den alten Schemata auszubrechen.

Lean-Startup-Ansätze, also das Ausgliedern von Innovation in eine von bestehenden Organisationsstrukturen unabhängige Einheit, erweisen sich dabei als besonders zielführend und produktiv, auch für den Maschinenbauer oder den Automobilzulieferer.

Vita

Dr. Lucas Johannes Winter

Leiter Industrie 4.0 Practice bei der ROI Management Consulting AG

Senior Consultant bei der ROI Management Consulting AG

Leiter Business Excellence Miba AG

Project Manager Supply Chain Management & Process Management Miba AG

Promotion Industrieökonomik an der Universität Graz und der UC Berkeley

Unterschiedlich farbige Post it-Blöcke liegen auf- und nebeneinander. Auf jedem steht das Wort Post
"Es ist uns besonders wichtig, in den Trainings die Brücke von der Technologie hin zum Anwendungsfall zu schlagen", sagt Dr. Lucas Johannes Winter. - Bild: pixabay

Welche Inhalte stehen in den Trainings noch im Fokus? Und was ist den Teilnehmern besonders wichtig?

Winter: Im Vordergrund steht für viele Kunden die technologische Basis, das Vernetzen von Maschinen, Sensorik, Integration zwischen Systemen und Unternehmen.

Wir wollen verdeutlichen, dass diese technologischen Fundamente kein Hexenwerk sind, sondern sich einfach praktisch nutzen lassen: Zum Beispiel, indem wir einen Lichtsensor einsetzen und Ergebnisse mithilfe von Big-Data-Analysen auswerten oder auch Korrelationen zwischen unterschiedlichen, auch unstrukturierten Datenquellen herstellen.

Es ist uns besonders wichtig, in den Trainings die Brücke vom scheinbar Abstrakten hin zu Dingen zu bauen, die man sich vorstellen kann, also von der Technologie hin zum Anwendungsfall.

Am meisten brennt den Teilnehmern unter den Nägeln, wie sich das Thema im eigenen Unternehmen umsetzen lässt. Wie kann man sich konsequent digital transformieren und welche Schritte sind dabei in welcher Reihenfolge zu machen?

Und wie können die Teilnehmer eine solche Strategie erlernen?

Winter: Bestandteil der Trainings ist neben Use-Cases und praktischen Übungen auch ein dreistündiger ‚Design Thinking‘- Workshop, der auf dem Ansatz der Stanford University, der Uni St. Gallen und des Hasso-Plattner-Instituts basiert.

Dabei bringt einer der Teilnehmer ein Beispiel ein, an dem dann gemeinsam kreativ gearbeitet wird. Mit dieser unorthodoxen Methode, bei der nicht selten der ganze Raum mit Post-its gepflastert ist, lassen sich innerhalb kürzester Zeit ganz konkrete Hebel identifizieren, wie ein Geschäftsmodell innoviert werden kann.

Diese Erkenntnisse sind wirklich immer praxistauglich. Schon mehrere Teilnehmer haben nach den Trainings sämtliche Unterlagen mitgenommen, um die Szenarien mit der eigenen Geschäftsleitung zu besprechen.

So wurde in einer Runde zum Beispiel für einen Hersteller von Verladekränen, der sich vorab gut vorbereitet hatte, eine neue Idee entwickelt: Ein bestimmtes Bauelement soll künftig mit einer Belastungssensorik ausgestattet werden und bessere Analysemodelle beim Verschleiß als Grundlage für Predictive-Maintenance und neue Rund-um-Sorglos-Serviceverträge dienen.

Worauf kommt es nach dem Training an?

Winter: Es ist wichtig, den Funken, den die Teilnehmer mitgenommen haben, im Unternehmen in die Breite zu tragen.

Das lässt sich am besten erreichen, wenn sie gleich einen Prototypen, ein sogenanntes Minimum Viable Product, entwickeln, um ihre Organisation für das Thema zu begeistern – denn bei aller Digitalisierung ist ein greifbares, vielleicht vernetztes Produkt am Ende des Tages der wahre Proof of Concept.

Xpertiso

Lernfabriken und In-House-Trainings

Das Trainingsangebot Xpertiso vom verlag moderne industrie und der ROI Management Consulting AG besteht aus Lernfabriken und In-House-Trainings.

Über die Simulationen in der Lernfabrik erfahren die Teilnehmer, wie sich disruptive neue Technologien nutzen lassen. Bisher gibt es Lernfabriken in München und Prag, ein weiterer Standort in China soll folgen.

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