SAP S/4HANA Manufacturing

Produktionsunternehmen müssen immer schneller umplanen, individueller produzieren und neue Geschäftsmodelle umsetzen. Wie die neue Softwaregeneration SAP S/4HANA Manufacturing in die IT-Landschaft erklärt Per-Henrik Addicks aus dem Business Transformation Services für IT-Architecture-Advisory-Team von SAP. - Bild: Adobe Stock

In der Vergangenheit wurde bei der Einführung von ERP in der Fertigung grob geschätzt, was in einem täglichen MRP-Lauf handhabbar ist. Mit SAP ERP on HANA ließ sich die Performance für ein Szenario etwa für die Planung von komplexen Produkten in einem 14-Tageshorizont bereits erhöhen. Doch erst mit SAP S/4HANA 1610 aus dem Oktober 2016 kam für viele Fertigungsunternehmen der Startschuss in eine moderne Logistik, da die Lösung von Beginn an auf SAP HANA optimiert wurde.

Produktionsplanung im Kern, Absatzplanung in der Cloud

Dabei liegen die Innovationen nicht nur im Kern, sondern auch in den weiteren Schichten der Fertigung. Die Produktionsplanung (über SAP Advanced Planning and Optimisation, SAP APO) schob SAP in den Kern (SAP S/4HANA) zurück, während die Absatzplanung (über SAP Integrated Business Planning, SAP IBP) in die Cloud verlagert wurde.

Die von Per-Henrik Addicks „Konvergenzbewegung“ genannte Rochade bewirkte, dass die Schnittstelle zu SAP APO nicht mehr nötig war und Stamm- und Bewegungsdaten nicht mehr hin- und hergeladen werden mussten.

Vier konkrete Vorteile für die Produktion

Der Principal Enterprise Architect im BTS-IT-Architecture-Advisory-Team von SAP Addicks sieht darin viele Vorteile:

  1. Quartals-Updates: Dadurch, dass die Absatzplanung nun in der Cloud liegt, profitiert ein Unternehmen von den quartalsweisen Updates der Software (SAP IBP). Prozesse im Kern werden davon nicht berührt. Zusätzliche Erweiterungen können auf der SAP Cloud Plattform umgesetzt werden.

  2. Analyse in Echtzeit: Während für Auswertungen bisher Daten extrahiert und im SAP Business Warehouse analysiert werden mussten, geschieht das nun in einem Zug. Die Fertigung bekommt sofort eine Aussage darüber, ob es Probleme in einer Produktionslinie gibt, erhält Hinweise zu relevanten Ursachen und kann eingreifen.

  3. Losgröße 1: „In Zukunft kommt es darauf an, individuell konfigurierte Ware herzustellen, mit der Effizienz der Serienfertigung“, so Addicks. Dafür muss das System transparent sein und auch sehr spät im Prozess noch Änderungen zulassen können.

  4. Simulationen: Was wäre, wenn ein Planer einige Parameter im Produktionsprozess verändern würde? In fast beliebiger Stücklistentiefe und über beliebige Zeithorizonte lässt sich die Produktion auf Basis konkreter Vorgaben simulieren. „Früher mussten Erfahrungswerte dafür ausreichen“, so Addicks.

Services optimal abrechnen

Viele Produkthersteller ergänzen den Verkauf ihrer Produkte inzwischen durch Services. Dieses „Lösungsgeschäft“ bringt Unternehmen kleine Umsätze aus vielen einzelnen Nutzungssignalen ein – statt wie bisher große Umsätze aus einzelnen Produktverkäufen. Beispielsweise muss jeder kleine Reparaturauftrag abgerechnet und der Zeitraum, in dem eine Maschine im Einsatz ist, minutiös nachgehalten werden.

Eine Transaktionsplattform (Frontend) nimmt den Bedarf entgegen, etwa den Kauf von Ersatzteilen oder einen Reparaturauftrag. Im Backend laufen die Informationen zusammen und der Techniker wird losgeschickt und die Leistungen werden abgerechnet. „Früher gab es einen Vertrag über den Kauf einer Maschine mit vielen Positionen“, so Addicks, „heute gibt es ständig kleinteilige Buchungen.“

Wartung für ältere ERP-Systeme läuft 2025

Für Unternehmen aus der Fertigung stellt sich nach Ansicht von SAP-Berater Addicks kaum noch die Frage, ob sie auf SAP S/4HANA Manufacturing setzen oder nicht. Sondern wie. Die Wartung für ältere ERP-Systeme läuft 2025 aus. Unter diesem Druck heißt die Devise dann: wechseln auf die neue Plattform, aber mit möglichst wenig Aufwand

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Für Addicks, der darauf spezialisiert ist, Unternehmensprozesse in IT-Applikationen zu übersetzen, ist das eine denkbar schlechte Motivation. Ihm geht es darum, die Akzeptanz und den Nutzen für den Umstieg im Unternehmen zu erhöhen. „Zum Beispiel ziehen vorsichtige Unternehmen jeweils eine Stücklistenebene oder eine Fertigungsinsel vom ERP auf SAP S/4HANA um“, so Addicks. Das bringt erste Erfahrungen mit dem neuen System und sensibilisiert zudem dafür, wie Erweiterungen über die Cloud künftig gehandhabt werden.

In Java oder ABAP programmierte Logiken werden in der SAP Cloud Plattform entwickelt. Der Kern (SAP S/4HANA) kann auf sie zugreifen. „Das bringt dem Unternehmen eine sehr gute Transparenz darüber, was und wie viele Eigenentwicklungen genutzt werden“, so Addicks. Denn an den Kernfunktionalitäten des Systems wird nichts verändert, lediglich über die Cloud Erweiterungen nach Bedarf zusätzlich genutzt.

Neuanfang oder System-Konvertierung?

Welchen Weg in das neue Fertigungszeitalter Unternehmen einschlagen, ist individuell. Deshalb startet Addicks meist zunächst mit einer Studie von einigen Wochen oder mehrere Monate entsprechend der gewünschten Detailtiefe. „Ziel ist es, den optimalen Weg hinsichtlich der IT-Ziellandschaft zu finden und dem Kunden konkrete Empfehlungen zu liefern“, so Addicks.

Die „Roadmaps“ können sehr unterschiedlich sein: Die einen entscheiden sich dafür, einen klaren Schritt in Richtung Standardisierung zu gehen und sich weitgehend darauf zu beschränken, die Stamm- und Bewegungsdaten zu migrieren (Transformation). Besonders wichtig ist dabei, die Mitarbeiter von den neuen Prozessen zu überzeugen und sie von Anfang des Projektes an mitzunehmen (Change Management). Wer sich für eine System-Konvertierung entscheidet, also viele alt bekannte Erweiterungen mitnimmt, hat diese Herausforderung eher weniger, verzichtet nach Ansicht von Addicks aber auch ein wenig auf den wahren Nutzen der neuen Fertigungslösung.

Von mehreren hundert SAP-S/4HANA-Projekten in der Fertigungsindustrie sind heute bereits fast die Hälfte produktiv. Viele weitere Unternehmen evaluieren und planen die Umstellung und Nutzung der neuen Plattform – von langjährigen SAP-Großkunden bis zu mittelständischen SAP-Neukunden.

Weitere Informationen:

Principal Enterprise Architect, SAP Business Transformation Services

Per-Henrik Addicks hat fast 20 Jahre Erfahrung im Bereich Fertigungsindustrie und Stammdaten-Management in der Planung von IT Architekturen, der Umsetzung und dem Betrieb von SAP Lösungen.

Kontakt: per-henrik.addicks@sap.com

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