Mann trägt VR-Brille

"e-Estonia" als Begriff für eine hochgradig vernetzte Gesellschaft steht für den Brückenschlag zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Schule. Hier ein Student der Technischen Universität Tallinn (TalTech), die Partner verschiedener Zentren ist, die sich mit Digitalisierung und digitaler Fertigung befassen. Dort können sich auch die kommenden Generationen für IT & Maschinenbau begeistern und wissenschaftlich begleitet ihre Ideen verfolgen. - Bild: Renee Altrov

| von Ragna Sonderleittner

Gesellschaftlich wie wirtschaftlich - die Informationstechnologien sind die treibende Kraft in Estland. Und ein Exportschlager: Maschinenbau und Metallbearbeitung zum Beispiel haben eine Exportrate von 80 Prozent.

Die Digitalisierung, die Mitte der 90er Jahre in dem baltischen Staat mit "Tiigrihüppe" begann, dem Tigersprung-Programm, hat Estland ins Bildungswesen erweitert sowie in viele Bereiche der Gesellschaft. Auch zahlreiche Industrien prägt die Digitalisierung; Vorreiter sind etwa die Information und Kommunikation (IKT), Maschinenbau und Metallbearbeitung oder die Elektronikindustrie.

Insgesamt gesehen ist Deutschland der viertgrößte Handelspartner Estlands. Zusammenarbeit findet in zahlreichen Industrien statt, etwa in Automotive, Energie, Maschinenbau, Pharma, Transport und Logistik. Die kulturelle und räumliche Nähe bei nahezu gleicher Zeitzone vereinfacht die Kooperation erheblich.

Urmo Sisask, CEO von HY-Tech Comp, mit einem extrem schnellen Handling-Roboter
Urmo Sisask, CEO von HY-Tech Comp, mit einem extrem schnellen Handling-Roboter, der eine servo-elektrische Abkantpresse bestückt - für schnelle und präzise Biegeergebnisse. Bild: HY-Tech Comp

"Digitale Lösungen zu implementieren erzeugt Effizienz", erläutert Urmo Sisask, CEO bei HY-Tech Comp nahe Tallinn, einem Auftragshersteller mit Elektronik-, Mechanik- und Elektromechanik-Kompetenz für hochkomplexe Anwendungen. Das umfasst Leiterplatten und Steuerungsmodule, geht über Laserschneiden, Pulverbeschichtung und Punktschweißen, bis zur Baugruppenmontage. "Wir nutzen in unseren Fertigungsprozessen modernste Roboter-Technologie und haben die Produktion in hohem Maße zur Realtime-Factory automatisiert und digitalisiert."

Faserlaser von HY-Tech Comp
In der Produktion von HY-Tech Comp kommt der Faserlaser zum Einsatz – eine effiziente Lösung für die Bearbeitung von Metallen und, durch den kompakten und wartungsfreien Aufbau, besonders langlebig. -Bild: HY-Tech Comp

e-Estonia – eine hochgradig vernetzte Gesellschaft

Estland, mit 1,3 Mio. Einwohnern auf einer Fläche so groß wie Niedersachsen, gilt als das digitalste Land der Welt, und der Begriff "e-Estonia" steht für eine hochgradig vernetzte Gesellschaft. Mit ihrer e-Identität machen Esten ihre Steuererklärung online, gehen übers Netz zu Wahlen, verlängern digital ihren Führerschein, gründen ein Unternehmen, erhalten ein Arztrezept oder unterschreiben Verträge. Estland hat den Zugang zum Internet zum Grundrecht erklärt.

Generationenübergreifende und interdisziplinäre Vernetzung

Erfolgreiche Digitalisierung ist aber nicht nur eine Frage der technischen Möglichkeiten, sondern auch der Begeisterung für moderne Technik und der Einstellung und Mentalität, neue Lösungen zu finden. „Jeder 10. Student Estlands schreibt sich für IKT ein“, sagt Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. 

Das sorgt für eine zukunftsorientierte Ausrichtung. Die Grundzüge für die digitale Stärke wird bereits in der Schule gelegt: Jede Lehranstalt hat einen Internetanschluss, ist mit Computern sowie Glasfaseranschluss ausgestattet und „Programmieren“ ist Pflichtfach. Bereits in der Primarstufe werden Kinder spielerisch an digitale Techniken herangeführt: Rechnen mit einem kinderfreundlichen Lernroboter, Bauen eines Lego-Roboters oder Sicherheit im Internet stehen auf dem Lehrplan.

Estland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Ausbildungsniveau und ist unter den führenden Ländern hinsichtlich Mathematik, Naturwissenschaften und IKT. Bei den internationalen PISA-Studien erreichen estnische Schüler regelmäßig erste Plätze.

Brückenschlag zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Schule

Das Innovations- und Businesszentrum Mektory der Technischen Universität Tallinn schafft den Brückenschlag zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Schule. Es spricht auf mehreren Ebenen Unternehmen, Start-ups, Studenten und Schüler an, wissenschaftlich begleitet Labore zu nutzen für die Weiterentwicklung ihrer Ideen sowie Möglichkeiten der Digitalisierung etwa in Programmierworkshops zu entdecken. Die Universität ist auch Partner im IMECC (Innovative Manufacturing Engineering Systems Competence Centre), einem High-Tech-Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft, welches F&E zu digitaler Fertigung, Prozessautomation oder Mechatronik betreibt. Im STACC (Software Technology and Applications Competence Center), ein Verbund ähnlich organisiert wie IMECC, wird angewandte Forschung zu Datenwissenschaft und lernfähiger Technologie betrieben.

Service für deutsche Unternehmen

Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie
Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. Bild:Enterprise Estonia

"Das sind lediglich einige einzelne Aspekte, wie sich die Digitalisierung als Chance durch die Gesellschaft und Wirtschaft zieht", sagt Triin Ploompuu. Deutsche Unternehmen erhalten auf der deutschsprachigen Website einen guten Überblick über Lösungen für Unternehmen und Industrien – mit Fallstudien sowie Zahlen und Fakten. Sisask fasst es so zusammen: "Unsere Kunden profitieren davon, dass Esten auf innovative Weise an die Lösung von Problemen herangehen und eine große Anpassungsfähigkeit haben. Neue Gedanken und Ideen werden beherzt verfolgt und niemand ist in dogmatischem Denken gefangen."

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Enterprise Estonia in Nürnberg

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