Industrieroboter in der Fertigung. Bild: HY-Tech Comp

Der Auftragshersteller HY-Tech Comp setzt auf modernste Technologien im Produktionsprozess und eröffnet seinen Kunden dadurch fortschrittliche Lösungen für die eigenen Zwecke. Die Verbindung von Robotertechnik mit moderner Biegautomation erhöht Präzision und Prozesssicherheit in IoT-Anwendungen. Bild: HY-Tech Comp

| von Ragna Sonderleittner

Die bereits zum vierten Mal durchgeführte Benchmark-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“ der Deutschen Telekom zeigt, dass neben Industrie 4.0 und Cloud Computing zunehmend die Themen Business Analytics, Robotik und Künstliche Intelligenz in den Fokus der mittelständischen Industrie rücken. Gleichzeitig sehen die Unternehmen, dass sich die Digitalisierungsmaßnahmen positiv auf ihre Kennzahlen auswirken: Prozesse werden effektiver, die Produktqualität und Kundenzufriedenheit steigen, Absatz und Umsatz erhöhen sich.

Hinsichtlich des Grads der digitalen Transformation gibt es Unterschiede: Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern sind in dem Prozess schon weiter als kleinere Unternehmen, und Metall- sowie Elektronikindustrie nehmen in den Industriesektoren die Spitzenplätze ein.

Exportartikel Digitalisierung

Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. Bild: Enterprise Estonia
Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. Bild: Enterprise Estonia

Ein Land, das digitale Transformation exportiert und an der Spitze der digitalen Revolution in Europa steht, ist Estland – so groß wie Niedersachsen. Estnische Unternehmen bieten Industrie-4.0- und Automationsanwendungen für verschiedenste wirtschaftliche Bereiche an – von Automobilzulieferung, Energie über Maschinenbau, Einzelhandel und Logistik bis hin zu Pharmazie und Chemie.

"Es gibt eine florierende IT-Start-up-Kultur mit hunderten Unternehmen in unserem Land", sagt Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. "Allein auf dem 36 HA großen Areal des Technologie-Campus Ülemiste City in der Hauptstadt Tallinn sind 200 Unternehmen mit 6.000 Beschäftigten."

Estnische Einhörner können programmieren

Hinter Skype oder dem Online-Überweisungsdienst TransferWise stehen Programmierer aus Estland. Vier estnische Start-ups sind zu sogenannten "Einhorn"-Technologieunternehmen geworden, das heisst, sie haben heute einen Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar. Das Logistikunternehmen Kühne+Nagel zum Beispiel lässt seine IT-Anwendungen auch in Tallinn entwickeln.

Mitte der 90er Jahre hatte der baltische Staat mit "Tiigrihüppe", dem Tigersprung-Programm, die Weichen in Richtung Digitalisierung gestellt. Als ein weltweiter Vorreiter im digitalisierten Verwaltungswesen und Vorbild für zahlreiche Staaten, hat Estland die Digitalisierung ins Bildungswesen erweitert, ebenso in viele Bereiche der Gesellschaft sowie in zahlreiche Industrien. Estland gilt als das digitalste Land der Welt, und der Begriff "e-Estonia" steht für eine hochgradig vernetzte Gesellschaft.

e-Estonia steht für Digitalisierung in der Fertigungsindustrie

Tanel Uibokand, Sales Manager der Radius Group. Bild: Radius Group
Tanel Uibokand, Sales Manager der Radius Group. Bild: Radius Group

"Das gesamte Unternehmertum in Estland bewegt sich in Richtung Digitalisierung", sagt Tanel Uibokand, Sales Manager von Radius Group, einem Auftragshersteller mit drei Geschäftsbereichen, die CNC-Bearbeitungsdienstleistungen, Hydraulikbaugruppen und Hydraulikzylinder für den OEM-Sektor anbieten.

In den Fertigungsindustrien sind estnische Unternehmen Pioniere in der Digitalisierung von Prozessen in der Automation, der Robotik und Informations-Kommunikations-Technologien (IKT) als Teil der Produktionsketten. Proekspert aus Tallinn zum Beispiel wurde 2018 für seine "Industrie 4.0" Lösungen mit dem deutsch-estnischen Business-Preis ausgezeichnet. Zahlreiche deutsche und europäische Unternehmen beziehen aus Estland Komponenten und Leistungen, etwa Parker Hannifin, Siemens, Bühler Technologies, Diehl Aviation oder Skoda Electrics. "Mehr als 120 Länder nutzen IKT-Lösungen aus Estland", sagt Triin Ploompuu.

E-Commerce-Umsätze steigern

Mit Technologie des estnischen Unternehmens Cleveron haben Walmart aus den USA oder Zara in Europa, unter anderem in Hamburg, ihre Paketzustellung beschleunigt. Jeder Kunde, der online bestellt, bekommt sofort eine PIN und einen Barcode übermittelt. Sobald die Ware dann im Shop eintrifft, wird sie in das Pickup-Terminal geräumt, das im Innern automatisch die Pakete nach Größe organisiert; der Kunde wird von der Ankunft per Smartphone oder E-Mail benachrichtigt. Sobald er am Terminal eintrifft, scannt der Automat dessen Barcode und liefert binnen Sekunden das Paket aus.

CNC-gesteuertes, hochtouriges Kombinationsgerät mit Drehzentrum und integrierter Fräsfunktion sowie Roboterintegration. Bild: Radius Group
Effiziente Produktion von einfachen wie auch komplexen Komponenten für Serienanlieferungen: Zur Bearbeitung unterschiedlichster Werkstoffe setzen die Geschäftsbereiche Radius Machining und Radius Hydraulics der Radius Group ein CNC-gesteuertes, hochtouriges Kombinationsgerät mit Drehzentrum und integrierter Fräsfunktion sowie Roboterintegration ein. Bild: Radius Group

Diese "Click-and-Collect" Lösung setzt das positive Erlebnis fort, das die Kunden vom Online-Bestellprozess mitnehmen. Gleichzeitig verringert es die Betriebs-, die Personal- und die Transportkosten. Dahinter stecken zwei Paketroboter, der Cleveron 401 sowie der größere 402, die bis zu 1000 beziehungsweise 1400 Pakete verschiedener Größe aufnehmen und vollautomatisch organisieren. Seit der Einzelhändler Walmart das Projekt 2015 gestartet hat, setzt er mittlerweile 1600 Roboter mit 480.000 Fächern ein, und seine e-Commerce-Umsätze sind gestiegen.

Das modulare Design erlaubt die anwendungsspezifische Auslegung. Der Cleveron 402 lässt sich auch in Wände integrieren und der Innenarchitektur des Verkaufsraums anpassen. Nur ein Ausgabe-Terminal bildet die Schnittstelle zu den Kunden.

Prozesse beschleunigen und Kunden begeistern

"Durch IT-Innovation, also die Implementierung digitaler Lösungen in Maschinenbau und Automation, werden Prozesse beschleunigt und die Kunden erhalten schneller ihre Ware", teilt Triin Ploompuu mit. Die Markenbindung wird durch ein positives Erlebnis gestärkt und gleichzeitig erhöht sich die prozessuale Effizienz sowie die betriebswirtschaftliche Effizienz durch geringere Kosten.

Fertigungstiefe bringt Mehrwert bei hochkomplexen Lösungen

Das Unternehmen HY-Tech Comp nahe Tallinn, ein Auftrags- und Serienhersteller von mechanischen, elektronischen und elektromechanischen Bauteilen, setzt bei der Auftragsproduktion auf den Einsatz modernster Technologien, wie zum Beispiel Roboter im Produktionsprozess. "Seit Beginn an investieren wir in neue IT-Technologien", erklärt Urmo Sisask, CEO von HY-Tech Comp. "Durch die Nutzung digitaler Anwendungen stärken wir unsere Position innerhalb der Branche und gleichzeitig wirkt sich das auch positiv auf unsere Kunden aus – durch verbindliche Lieferzeiten, in der sie für ihre Kunden fortschrittliche Lösungen erhalten." Intelligente Geräte ermöglichen die Überwachung der Anlagennutzungseffizienz, angefangen von der anlagenübergreifenden Effizienz, der overall equipment efficiency, bis hin zur Messung der Mitarbeiterleistung.

Emöke Sogenbits von HANZA Mechanics. Bild: HANZA Mechanics
Emöke Sogenbits, Präsidentin Baltikum-Cluster und Standortleiterin in Tartu von HANZA Mechanics. Bild: HANZA Mechanics

"Immer, wenn es um hochkomplexe Lösungen geht, können estnische Unternehmen zum Mehrwert beitragen", sagt Emöke Sogenbits von dem Unternehmen Hanza Mechanics. "Sie bringen eine hohe Fertigungstiefe mit und verbinden Konstruktion & Entwicklung mit mechatronischen Lösungen." Vor ihrer Tätigkeit bei Hanza Mechanics war sie international im Einkaufswesen tätig und weiß um die Vorteile und den Mehrwert, Prozesse, Lösungen und deren Effizienz im Ganzen zu betrachten und zu vernetzen, statt sich in der Masse von Teilen und Einzelpreisbetrachtung zu verlieren.

Einfacher Zugang für deutsche Unternehmen

IT ist ein Werttreiber in nahezu allen Industrien. Über 20.000 Mitarbeiter arbeiten in Estland in der IKT-Branche. Zusammen mit der Maschinenbau- und Metallbearbeitungsindustrie sowie der Elektronikindustrie bilden sie Lösungen für die digitale Transformation ab. Deutsche Unternehmen finden auf der deutschsprachigen Website weitere Informationen zur Expertise aus Estland sowie Zugang zu exemplarischen Fallstudien. Triin Ploompuu: "Für einen schnellen und direkten Kontakt bieten wir unser Büro in Hamburg."

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Enterprise Estonia in Nürnberg

Tiina Kivikas, Export Adviser

Flughafenstr. 118

90411 Nürnberg

e-mail: Tiina.Kivikas@eas.ee

Unterstützt durch: "Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

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