Mit der Moulding Expo befindet sich die Messe Stuttgart laut Ralf Dürrwächter vom VDWF voll auf

Mit der Moulding Expo befindet sich die Messe Stuttgart laut Ralf Dürrwächter vom VDWF voll auf Kurs. Bild: VDWF

Produktion: Herr Dürrwächter, wie sieht die Messelandschaft für den Werkzeug- und Formenbau in Deutschland künftig aus?
Ralf Dürrwächter: Da ist im letzten Jahr einiges in Bewegung geraten. Der Paukenschlag war sicher im Frühjahr 2014 die Geburt der Moulding Expo durch die Messe Stuttgart. Diese Messe hat ein sehr großes Potenzial. So lagen zum Jahreswechsel bereits über 380 Anmeldungen vor. Bei etwa 400 sind die drei avisierten Hallen für die Moulding expo ausgebucht. Ebenso bin ich auf eine weitere große Veränderung gespannt: Der Messeveranstalter Demat gab im November letzten Jahres bekannt, dass die Euromold nach Düsseldorf umzieht und künftig jährlich im Herbst stattfinden wird. Gleichzeitig hat die Messe Frankfurt die Fachmesse Formnext ins Leben gerufen, die ebenfalls jährlich im Spätherbst in Frankfurt stattfinden soll. Dazu gibt es noch einige lokale Fachmessen zum Thema Werkzeug- und Formenbau, wie beispielsweise die wfb.

Produktion: Welche Messe wird das Rennen machen?
Ralf Dürrwächter: Sicher die Messe, die es schafft, eine gewisse kritische Masse an Ausstellern aus dem Werkzeug- und Formenbau zu gewinnen. Die bisherige Branchenleitmesse war die Euromold, auf der zuletzt allerdings nur noch sehr wenige Werkzeug- und Formenbauer vertreten waren. Zudem präsentierten sich immer weniger der großen und namhaften Unternehmen aus der Peripherie des Werkzeug- und Formenbaus auf der Messe. Viele Aussteller waren sich deshalb nicht mehr sicher, wo sie künftig ausstellen sollten. Die Messe Stuttgart ist mit der Gründung der Moulding Expo in diese Lücke gestoßen.

Produktion: Welche Rolle spielte Ihr Verband bei der Gründung der Moulding Expo?
Ralf Dürrwächter: Die Landesmesse Stuttgart hat bisher sehr erfolgreiche Veranstaltungen ins Leben gerufen – das beweist ja auch der große Erfolg der Metallbearbeitungsmesse AMB. Allerdings hatte man dort keine ausgewiesene Kompetenz im Bereich des Werkzeug- und Formenbaus. Die Messe Stuttgart kam daher vor knapp einem Jahr auf den VDWF zu – mit der Frage, ob unser Verband sich als fachlicher Träger der Moulding Expo mit einbringen will. Diese Entscheidung haben wir jedoch unseren Mitgliedern überlassen. Auf der letzten Jahreshauptversammlung präsentierte die Messe Stuttgart dann das Konzept der Moulding Expo, das in der Folge intensiv und durchaus kontrovers diskutiert wurde. Bei der Abstimmung votierten bis auf eine Enthaltung aber alle der rund 80 Stimmberechtigten dafür, dass der VDWF diese Messe als fachlicher Träger unterstützen soll. Ziel war es damals übrigens für die Erstveranstaltung rund 200 Aussteller zu gewinnen. Diese Zahl war aber bereits schon einigen Wochen nach dem offiziellen Startschuss erreicht und die Messe Stuttgart erweiterten darauf hin die Moulding Expo um eine dritte Halle. Das zeigt das große Potenzial dieser Messe.

Produktion: Gab es bei der Diskussion auch kritische Stimmen?
Ralf Dürrwächter: Ja. Es gibt durchaus auch die Ansicht, dass es in Deutschland genügend Fachmessen gibt. Das gilt besonders für die peripheren Komponenten des Werkzeug- und Formenbaus, wie Maschinen, Spannmittel oder Software. Solche Komponenten werden besonders auf den großen Metallbearbeitungsmessen, wie der EMO Hannover oder der AMB Stuttgart gezeigt. Zudem merkten einige Werkzeugmacher zurecht auch an, dass die Moulding Expo keine weitere „Beschaffungsmesse“ für den Werkzeug- und Formenbau werden dürfe. Der Knackpunkt für den Erfolg einer Fachmesse ist nämlich, ob die relevanten Besucher auf die Veranstaltung kommen. Da sind wir mit der Moulding Expo auf einem guten Weg, denn rund ein Drittel der Aussteller sind Werkzeug- und Formenbauer und das lockt auch die Kunden unserer Branche nach Stuttgart. Wenn es gelingt, auch bei den Folgeveranstaltungen genügend Werkzeug- und Formenbauer als Aussteller zu gewinnen, wird die Messe ein Selbstläufer.

Vita

Ralf Dürrwächter

Ralf Dürrwächter, Jahrgang 1974, studierte Marketing mit der Fachrichtung Produkt- und Kundenmanagement. Im Anschluss war er 13 Jahre im Vertrieb und als Marketingleiter bei einem der führenden PPS/ERP-Hersteller für den Werkzeug- und Formenbau aktiv. Seit 2011 nebenberuflich als Lehrbeauftragter der FH-Schmalkalden beim Studiengang 'Projektmanager Werkzeug- und Formenbau'. Seit August 2014 Marketingleiter beim VDWF - Verband deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V. und uA verantwortlich für die Betreuung der Moulding Expo.

Produktion: Entscheidend für den Erfolg einer Messe ist immer auch die Branchenkonjunktur. Wie geht es den deutschen Werkzeug- und Formenbauern derzeit?
Ralf Dürrwächter: Zwar erheben wir keine konkreten Zahlen, aber unsere Mitglieder sind derzeit recht zufrieden. Ein Grund für den Erfolg ist sicher auch, dass deutsche Werkzeug- und Formenbauer weltweit – besonders bei komplexen Werkzeugen – führend sind. Dieser Vorsprung sorgt derzeit für gut gefüllte Auftragsbücher.

Produktion: Warum braucht es überhaupt eine eigene Messe für den Werkzeug- und Formenbau?
Ralf Dürrwächter: Aus mehreren Gründen: Zum einen sind die deutschen Werkzeug- und Formenbauer klein- bis mittelständisch geprägt und verfügen in der Regel nicht über eigene Marketing-Abteilungen wie man es von grösseren Unternehmen kennt. Trotz der oft überschaubaren Betriebsgröße sind die meisten aber überregional bis international aktiv. Eine eigene Plattform ist für sie daher besonders wichtig. Desweiteren sind die Unternehmen der Branche sehr pragmatisch orientiert. Sie lieben ihr Handwerk und sind mit Liebe zum Detail dabei. Marketingprofis sind sie aber eher selten. Auch deswegen brauchen sie unsere Unterstützung und eine eigene Messe – von der Branche, für die Branche, wie es der Slogan der Moulding Expo schon ankündigt.

Sebastian Moser