„Wenn Materialien wie Edelstahl, Aluminium, Faserverbundwerkstoffe oder Glas verbunden werden

„Wenn Materialien wie Edelstahl, Aluminium, Faserverbundwerkstoffe oder Glas verbunden werden sollen, kommt man am Kleben einfach nicht vorbei: Nur durch diese Fügetechnik bleiben die Eigenschaften der Werkstoffe unverändert“, berichtet Oskar Sörensson von SCA in Bretten (Bild: SCA).

von Susanne Nördinger

Bislang war SCA als Hersteller von Systemen und Anlagen zur Applikation von Kleb- und Dichtstoffen nur für die Automobilindustrie tätig. Sie haben vor wenigen Monaten als Geschäftsbereichsleiter für die Allgemeine Industrie begonnen und sollen diesen Bereich aufbauen. Eine große Herausforderung für Sie, Herr Sörensson?
Ja, natürlich. Aber eine schöne. Wir sind sicher, dass die Zukunft des Fügens im Kleben liegt. Konstruktives Kleben wird in immer mehr Unternehmen auch außerhalb der Automobilindustrie erfolgreich eingesetzt. Denn die Ansprüche in Sachen Funktionalität, Design, Komfort, Haptik und Optik steigen beständig und können häufig nur durch die Kombination unterschiedlichster Werkstoffe erfüllt werden. Wenn Materialien wie Edelstahl, Aluminium, Faserverbundwerkstoffe oder Glas miteinander verbunden werden sollen, kommt man am Kleben einfach nicht vorbei: Nur durch diese Fügetechnik bleiben die Eigenschaften der Werkstoffe unverändert.

Was waren und sind in den ersten Monaten Ihre wichtigsten Projekte?
Wir müssen zuallererst die Strategie weiterentwickeln und implementieren, die Kooperation mit den Klebstoffherstellern ausbauen und eine starke Mannschaft aufbauen.

Vita

Oskar Sörensson

studierte Wirtschaftsingenieurwissenschaften in Linköping, Schweden, und an der Technischen Universität Darmstadt. Sörensson stieg bei Atlas Copco Tools & Assembly Systems in Stockholm als globaler Produktmanager ein. Seit 1. März 2013 ist er Geschäftsbereichsleiter Allgemeine Industrie bei SCA in Bretten.

Die Allgemeine Industrie ist sehr weit gefasst: alles, was nicht Automobil­industrie ist. Da gibt es in Deutschland zehntausende Firmen. Die können Sie nicht alle auf einmal angehen …
Nein, wir werden uns natürlich fokussieren. Als erstes gehen wir einige Branchen an, in denen wir hohes Potenzial sehen: das Transportwesen, die Weiße Ware und auch Erneuerbare Energien wie Solarmodul- oder Windkraftanlagenherstellung.

In dieser Reihenfolge?
Das größte Segment ist sicherlich das Transportwesen. Damit meinen wir in der Allgemeinen Industrie eigentlich alle Fahrzeuge, die nicht auf der Straße fahren: also zu Luft, zu Wasser, auf der Schiene oder Off-Road. Das heißt aber nicht, dass wir die anderen Branchen vernachlässigen. Ich will nur sagen, dass wir uns mit der anfangs noch kleinen Mannschaft gezielt die genannten Segmente vornehmen werden, damit wir sichtbar vorankommen.

Wie kamen Sie auf diese Segmente?
Gleich zu Beginn haben wir das Marktpotenzial untersucht: Durch Marktanalysen, Workshops und im Austausch mit den Klebstoffherstellern haben wir den Bedarf analysiert, die wichtigen Werke potenzieller Kunden zusammengestellt. Diese werden wir zügig abarbeiten.

Ist es nicht schwierig, in einen Markt einzutreten, der vom Wettbewerb schon gut besetzt ist? Sie sind in der Allgemeinen Industrie praktisch nicht bekannt …
Klar, jedes Gespräch ist eine Kaltakquise – und viele Betriebe arbeiten seit Jahren mit unseren Marktbegleitern zusammen, was es nicht leichter macht. Wir werden unseren potenziellen Kunden klarmachen müssen, was SCA zu einem starken Partner macht.

Wie argumentieren Sie in einem solchen Fall?
Wir haben ein sehr gutes Steuerungskonzept, das mit unserer neuen Softwareversion nun deutlich bedienungsfreundlicher wurde und zahlreiche Funktionalitäten umfasst, die unseren Kunden Nutzen bringen. Wir verfügen über ein modulares Konzept für den Einsatz unterschiedlicher Dichtungen für unterschiedliche Materialien, was uns gegenüber Wettbewerbern einen weiteren Vorteil verschafft. Zusätzlich zu den bestehenden Systemen entwickeln wir nun auch speziell auf die Allgemeine Industrie ausgerichtete Produkte weiter, zum Beispiel handgeführte Systeme oder solche für Kleinmengendosierung.

Sie werden Manpower in die Entwicklung stecken müssen.
Wir haben sehr umfangreiche Ressourcen in der Forschung und Entwicklung. Unser FuE-Leiter, Dr. Nils Kohlhase, hat einen Prozess zur strategischen Produktentwicklung aufgesetzt, der uns noch schlagkräftiger macht. Wir wollen und werden damit die richtigen Produkte definieren und entwickeln, um uns wichtige Wettbewerbsvorteile durch Kundennutzen zu verschaffen.

Und welche Wettbewerbsvorteile sehen Sie organisatorisch?
Als Mitglied im Atlas-Copco-Konzern sind wir global sehr gut aufgestellt, was für viele unserer potenziellen Großkunden, wie zum Beispiel John Deere, sehr wichtig ist. Wir werden zum Beispiel mit der Service- und Vertriebsorganisation von Atlas Copco eng zusammenarbeiten. Schließlich ist unser Innovation Center zu nennen: Was wir hier an Prozess-Know-how und Kapazitäten vorhalten, ist einzigartig in unseren Märkten.

aus Produktion Nr. 47, 2013