Klaus Ludwig, Vice President bei Hwacheon, arbeitet seit acht Jahren für den koreanischen

Klaus Ludwig, Vice President bei Hwacheon, arbeitet seit acht Jahren für den koreanischen Werkzeugmaschinenbauer und fühlt sich dort mehr als wohl. Bild: Hwacheon

von Sebastian Moser

Herr Ludwig, nennen Sie uns die wichtigsten Eckdaten Ihres Unternehmens?
Hwacheon hat neun Fertigungsbetriebe in Korea. Direkt angestellt sind rund 850 Mitarbeiter, dazu kommen etwa weitere 700 eigenständige Mitarbeiter in verschiedenen Positionen. Der Umsatz war in 2012 etwa 510 Millionen US-Dollar. Wir verkaufen unsere Maschinen zur Zeit in 36 Ländern. Die drei Außenstandorte für den Vertrieb, Service sowie Ersatzteilversorgung sind in Chicago, Bochum und Singapur angesiedelt.

Was unterscheidet Maschinen von Hwacheon von denen Ihrer Wettbewerber?
Dies ist ganz einfach zu beantworten: Mechanische Qualität sowie Stabilität zeichnen unsere Maschinen aus und stellen diese über die direkte Konkurrenz. Wir sind speziell auf unsere Spindeln sehr stolz, die natürlich im eigenen Hause hergestellt werden. Von der Gussherstellung bis zur fertigen Maschine kommt alles aus einer Hand.

Wie sind Vertrieb und Service insbesondere in Deutschland und Europa organisiert?
Unser hochqualifiziertes Team unterstützt aus unserer neuen Zentrale in Bochum unsere Partner in ganz Europa, inklusive Deutschland und Russland. Desweiteren besuchen unsere Spezialisten aus den Werken in Korea die Kunden weltweit regelmäßig. Das technische Feedback ist äußerst wichtig für uns. Zudem werden die Service-Mannschaften regelmäßig von unseren Partnern betreut und zur Schulung eingeladen, entweder nach Bochum oder gleich nach Korea.

Welches sind Ihre wichtigsten Kundenbranchen?
Dies ist ganz marktspezifisch zu sehen. In Korea sind wir die Nummer Eins im Formenbau. Auch die ebenfalls starke lokale Automobilindustrie setzt auf die Qualität Made by Hwacheon. Natürlich ist die vielfältige Teileherstellung ein großer Geschäftsbereich. Verstärkt setzen wir auch auf die Energiebranche. Ich selbst habe neue Maschinen angeregt die seit kurzem speziell auf diesen Markt erfolgreich sind.

Wieviel Prozent Ihrer Maschinen gehen in den Export und welches sind die wichtigsten Märkte weltweit?
Wir haben zur Zeit einen Exportanteil von 35 Prozent, jedoch steigt dieser stetig und hat in unserer Gruppe deshalb auch Top Priorität.

Wie fühlt es sich an, als Deutscher für ein koreanisches Unternehmen zu arbeiten?
Ich arbeite nun fast acht Jahre für Hwacheon und fühle mich mehr als wohl. Von 2006 – 2010 baute ich den Vertrieb in Asien auf, seit Anfang 2011 bin ich Leiter des Gesamtexports sowie Vice President von Hwacheon Machine Tool. Ich bin ebenfalls bei der Entwicklung von neuen Maschienen maßgeblich dabei, da kommt mir natürlich meine langjährige Erfahrung sowie mein enger Kontakt zu den verschiedenen Industrien zu Gute. Nur aus dem Büro kann man dies nicht erreichen.

Wie würden Sie die Arbeitsmentalität koreanischer Maschinenbauer beschreiben?
Also ich kann da nur für unser Haus sprechen. Unsere koreanischen Mitarbeiter sind fleißig, aufmerksam, wissbegierig und lernwillig. Sie arbeiten mit Hingabe für Hwacheon und sind auch zu Opfern bereit. Von dem Management in unserer Gruppe bekam ich von Anfang an vollstes Vertrauen. Neue Ideen und Empfehlungen finden dort stets ein offenes Ohr. Das ist wirklich nicht ganz selbstverständlich.

Wie schätzen Sie als Experte die Wachstumspotenziale asiatischer Märkte im Vergleich zu Europa und insbesondere Deutschland ein?
Nun, Südostasien hat sicherlich noch viel Raum für Wachstum. Ich meine aber, dass Indien noch das größte Wachstum erreichen kann. Dies aber nur, wenn einige Probleme lokaler Art beseitigt werden. Besonders bei der Stromversorgung und der Infrastruktur gibt es noch Defizite. Deutschland hat ebenfalls noch Potenzial. Dies gilt speziell für uns als Anbieter hochqualitativer Maschinen.

Wie ist das Preisniveau Ihrer Maschinen im Vergleich zu denen Ihrer Wettbewerber aus Deutschland und Japan?
Aufgrund unserer Qualität und Technik liegen unsere Maschinen preislich knapp unter denen japanischer Anbieter. Vorausgesetzt diese werden auch in Japan gefertigt, was ja auch nicht mehr zu 100% zutrifft. Unsere Qualität hat nun einmal seinen Preis. Gegen Deutsche Maschinen, die auch in Deutschland gefertigt werden, haben wir preislich kein Problem.

Wie hoch ist die Eigenfertigungstiefe bei Hwacheon?
Wie bereits zuvor angedeutet sind wir einer der ganz wenigen, eventuell sogar der letzte Hersteller, mit einer so starken Fertigungstiefe. Vom Guss bis hin zur fertigen Maschine kommt alles aus eigener Konstruktion sowie Fertigung. Nur die Kugelumlaufspindeln, Kugellager, Glasmaßstäbe sowie CNC-Steuerungen werden zugekauft.

Welche Bedeutung hat das Thema Energie-Effizienz oder Nachhaltigkeit für Hwacheon?
Dies wird bei uns im Hause schon bei der Konstruktion bedacht. Statt einen Motor, der dreimal soviel Leistung benötigt um ordentlich Drehmoment zu liefern, werden Getriebe als Standard bei vielen Maschinen eingesetzt.

Welche CNC-Steuerungen sind für Ihre Maschinen erhältlich?
Zum größten Teil Fanuc, jedoch werden auf Kundenwunsch auch Siemens und Heidenhain angebaut.

Wieviel Prozent des Umsatzes gehen in F&E?
Wir investieren lieber mehr in Forschung und Entwicklung und in unsere Produktion, als in Marketing. Unsere beste Reklame ist ein zufriedener Kunde, dies spiegelt sich in der ganzen Philosophie unserer Besitzer und der Firma wieder.

Welche Pläne hat Hwacheon für die Zukunft?
Ziel Nummer Eins ist nach wie vor, der Beste zu werden. Dies gilt jedoch nicht hinsichtlich der Anzahl der Maschinen, sondern mit Blick auf die Qualität unserer Maschinen und die Zufriedenheit unserer Partner und Kunden. Denn auf die kommt es letztlich an.