"In China keinen Erfolg zu haben bedeutet, weltweit sinkende Chancen zu haben", sagt Harald Nehring,

"In China keinen Erfolg zu haben bedeutet, weltweit sinkende Chancen zu haben", sagt Harald Nehring, Prokurist e-ketten-Systeme, Igus (Bild: Igus).

von Maren Kalkowsky

Herr Nehring, wie wichtig ist der chinesische Markt für Igus?
Der chinesische Markt ist für uns von besonderem Interesse. Seit 1999 haben wir unsere Filiale in China eröffnet; inzwischen hat sich Igus China zu einer der größten Tochtergesellschaften der Igus GmbH entwickelt. Auch für die kommenden Jahre sehen wir deutliches Wachstumspotenzial in China. Präsenz in einem der größten Märkte für industrielle Produkte ist aus meiner Sicht unerlässlich.

Wie entwickelte sich Igus in China in der Vergangenheit?
Seit der Firmengründung konnten mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 in fast allen Jahren zweistellige Zuwächse erzielt werden. Die Mitarbeiterzahlen haben sich im Fabrikbereich und in der Verwaltung im Rahmen des generellen Wachstums stetig nach oben entwickelt. Darüber hinaus wird China mittlerweile landesweit mit einem dichten Netz an kompetenten Außendienstmitarbeiter betreut.

Wie genau sieht der Standort dort aus?
Der Standort Shanghai verfügt als Hauptstandort in China über eine 6600 m² große Lagerstätte, in der fast alle Igus Produkte direkt verfügbar sind. Die Lagerung erfolgt in der Regel in Einzelteilen, so dass die kundenindividuelle Montage vor Ort erfolgt. Weiterhin gibt es ein Entwicklungsteam, welches die Anpassung von Produkten und Zubehör an lokale Erfordernisse sowie die Beschaffung lokaler Zukaufeile ermöglicht.

China

Igus in China

Igus gründete 1999 die erste Filiale in Shanghai, die sich inzwischen zu einer Tochtergesellschaft entwickelt hat, die heute rund 200 Mitarbeiter in China beschäftigt. Igus erzielte fast jedes Jahr zweistellige Zuwächse. Eine Ausnahme bildete das Krisenjahr 2009.

Wie wirkt sich der aktuelle 5-Jahres-Plan der chinesischen Regierung auf Igus aus?
Tatsache ist, dass auch heute noch viele große Unternehmen aus dem Maschinenbau – und damit potenzielle Kunden – in Staatshand sind. Der daraus resultierende Einfluss der Politik auf das Wachstum und die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen ist aus unserer Sicht nur schwierig zu beurteilen. Am Ende gilt aber die Formel: Wenn unsere Kunden nichts verkaufen, verkaufen wir auch nichts.

Wie lauten für Sie die größten Probleme im Reich der Mitte?
Das Wachstum des Landes und auch von Igus China hat selbstverständlich Auswirkung auf das Unternehmen. So gilt es, Mitarbeiter permanent zu schulen und die Managementstrukturen effizient weiterzuentwickeln. Dieses sehen wir als kontinuierlichen Prozess, der speziell in China unter deutlich höherem Zeitdruck als in anderen Ländern steht.

Chinesischer Mitarbeiter sind umkämpft. Womit binden Sie Ihre an Igus?
Die Fluktuation befindet sich für chinesische Verhältnisse auf geringem Niveau. Igus China setzte von Beginn an auf lokale Führungskräfte, die in das Unternehmen chinesische Führungskultur mit einbrachten. Darüber hinaus erhalten die Mitarbeiter soziale Leistungen, die in China nicht üblich sind. Faire Bezahlung und Entwicklungsmöglichkeiten runden das Paket zu einem attraktiven Arbeitgeber wie Igus ab.

Wie schützt Igus Produkte vor Nachahmung?
Es spricht ja für die Attraktivität unserer Produkte, dass man sie kopieren möchte. Dennoch werden wir natürlich aktiv, sobald gewerbliche Schutzrechte betroffen sind. Am Ende sind wir aber fest davon überzeugt, dass sich die Qualität unserer Produkte und unsere fast 50-jährige Erfahrung nicht einfach replizieren lassen. Das wissen auch unsere Kunden.

Warum ist Igus hier so so erfolgreich?
Wir sind bereits sehr früh, vor den meisten globalen Mitbewerbern auf dem chinesischen Markt, aktiv geworden. Vor allem aber kann man sagen „Die Mischung macht’s“: innovative Produkte, qualifizierte Mitarbeiter gepaart mit einer hohen Servicebereitschaft – all das kommt beim chinesischen Kunden an.

Wie muss ‚chinesisches‘ Marketing aussehen?
Wir sind in China mit dem Versuch angetreten, unser globales Marketing auch dort zu praktizieren, erweitert um lokale Einflüsse. Unsere erste Pressekonferenz im Rahmen einer der chinesischen Leitmessen vor einigen Jahren war ein unerwartet großer Erfolg. Da waren wir unter den ersten Unternehmen, die so etwas überhaupt gemacht haben – und dementsprechend groß war die Resonanz.

Welche Regionen im Reich der Mitte sind besonders vielversprechend?
Das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Hervorheben kann man aber sicherlich die Regionen Shanghai, Beijing, den Norden um Shenyang und Dalian sowie den Süden mit Guangzhou etc.

Was bedeutet ein China-Engagement für die eigene Wettbewerbsfähigkeit?
In China keinen Erfolg zu haben bedeutet, weltweit sinkende Chancen zu haben.

aus Produktion Nr. 42