Uwe Kutschenreiter,  Vorstand der Oxaion AG:

Uwe Kutschenreiter, Vorstand der Oxaion AG: "Bloß keine halsbrecherischen Spekulationen und nur Geld ausgeben, das vorher eingenommen wurde." (Bild: Oxaion).

Baden-Würtembergs Industrie besteht nicht nur aus Metallverarbeitung und der Automotive-Branche. Auch Software aus dem Ländle genießt einen ausgezeichneten Ruf, wie Uwe Kutschenreiter, Vorstand der Oxaion AG, im Gespräch mit Produktion-Redakteur Claus Wilk betont.


Herr Kutschenreiter: Software aus dem Ländle – für Sie ein Markenzeichen?
Definitiv ja! Schließlich sind die Baden-Württemberger nicht umsonst vor allem wegen ihrer Ingenieure, ihres technischen Pioniergeists und Tüftlertums bekannt. Dazu kommen die hohen Standards in Bildung und Ausbildung, egal ob in Schulen, Betrieben oder Hochschulen. Und auch nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die quasi angeborene Neigung meiner Landsleute zu seriösem Wirtschaften. Nur Geld ausgeben, das man vorher eingenommen hat, keine halsbrecherischen Spekulationen! All das sind Eigenschaften, die natürlich auch bei der Entwicklung und Bereitstellung von Software entscheidend sind. Deshalb ist ‚Made in BW“ nicht nur ein Prädikat für Autos oder Maschinen, sondern sicher auch für Enterprise Resource Planning.

Wie profitiert Ihr Unternehmen von der Nähe zur Industrie in Baden-Württemberg? Gibt es einen ‚institutionalisierten‘ regelmäßigen Austausch?
Die Oxaion AG ist mit ihrer Unternehmenssoftware auf die mittelständische Industrie spezialisiert. Und hier in Baden-Württemberg haben wir eines der weltweit größten Ballungszentren an mittelständischen Produktionsbetrieben unmittelbar vor der Haustür. Selbstverständlich stellen die kurzen Wege da einen Vorteil gegenüber Anbietern aus anderen Regionen dar. Und auch wenn sie dieses Jahr erst zum dritten Mal stattfindet, ist die Messe ‚IT & Business‘ in Stuttgart bereits so etwas wie eine Institution. Wir waren auf dieser Messe von Anfang an mit vollem Engagement dabei und werden es auch diesmal wieder sein. Denn sie ist die ideale Plattform für den Austausch mit den Unternehmen aus der Region, mit Maschinenbauern, Zulieferfirmen, Industriekunden.

Wie sichern Sie sich vor Ort Ihren Nachwuchs? Insbesondere im IT-Bereich soll der Fachkräftemangel ja durchaus eklatant sein.

In der Tat, die Konkurrenz um die besten Talente ist groß. Da heißt es, bei den jungen Leuten präsent zu sein und sich als interessanter Arbeitgeber zu positionieren. Eines unserer Instrumente ist dabei die Kooperation mit der Dualen Hochschule in Karlsruhe. Dort ist die Software von Oxaion fester Bestandteil des Lehrangebotes. Am Beispiel unserer Lösung studieren angehende Wirtschaftsinformatiker in den Semestern fünf und sechs die Grundlagen von ERP. Diese Zusammenarbeit gibt es schon lange, erst vor kurzem, zum Sommersemester 2011, ist die Hochschule auf die aktuelle Version 3.0 von Oxaion Open umgestiegen. Wir nutzen aber auch noch viele andere Möglichkeiten. Zum Beispiel den VDMA-Nachwuchstag auf der IT & Business. Auch dieses Jahr werden wir im Rahmen dieser Veranstaltung wieder zahlreichen Schülern unser Unternehmen und unsere Software an unserem Messestand näherbringen können.

Bietet Ihr Unternehmen in Kooperation mit einer Hochschule duale Ausbildungen an, um junge Menschen möglichst frühzeitig an sich zu binden?
Ja, das machen wir schon seit 1983. Ebenfalls in Kooperation mit der Dualen Hochschule Karlsruhe bieten wir ein Studium zum Bachelor of Science Wirtschaftsinformatik an. Gemäß ihren Stärken, Interessen und Qualifikationen werden die jungen Leute anschließend entweder als Software-Entwickler oder als Berater in unserem Hause dann auch übernommen.

In Baden-Württemberg sitzen zahlreiche klein- und mittelständische IT-Anbieter, insbesondere im Bereich ERP-Software. Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, die IT-Kompetenz dieser Unternehmen durch ein mögliches Cluster – wie auch immer – zu bündeln?
Etwas Derartiges gibt es bereits, wenn auch mit einem etwas kleineren Radius um die Technologie-Region Karlsruhe. Das ‚CyberForum‘, bei dem auch Oxaion Mitglied ist, bildet das größte regional agierende Hightech-Unternehmer-Netzwerk Deutschlands. Rund 10 000 Akteure aus Unternehmen, Kommunen, Hochschul- und Forschungseinrichtungen sind hier aktiv. Gebündelt wird die IT-Kompetenz aus der Region aber auch in unserem eigenen Netzwerk. Zahlreiche Partner, die ergänzende Lösungen rund um unser ERP anbieten, stammen aus der Umgebung. Dazu gehören beispielsweise Netplans für die IT-Integration, I:qu für mobile Lösungen, Procad für Product Lifecycle Management, LumoGraphics für 3D-Visualisierungen oder QSC für Qualitätsmanagement und -sicherung.

aus Produktion Nr. 33-34, 2011