Stefan Euchner, Geschäftsführer Euchner: "Nur gemeinsam  können wir unsere Interessen in der Welt

Stefan Euchner, Geschäftsführer Euchner: "Nur gemeinsam können wir unsere Interessen in der Welt vertreten.“ (Bild: Spinnarke).

von Sabine Spinnarke

Können Sie uns etwas über das Unternehmen Euchner sagen?
Gegründet wurde das Unternehmen Euchner 1952 durch meinen Großvater Emil Euchner, übernommen 1961 von meinem Vater Wolfgang Euchner und 1997 an mich und meinen Bruder Michael übergeben. Heute verantworte ich die Geschäfte des Familienunternehmens alleine. Wir generieren 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr, mit 500 Mitarbeitern – Tendenz steigend.

Sie bauen gerade gewaltig aus…?
Unser Platzbedarf hat sich stetig erhöht, zum einen, weil die Produkte größer und wertiger geworden sind, zum anderen bedarf es auf Grund des wachsenden Elektronikanteils einer komplexeren Test- und Prüftechnik. Wir hatten hier am Standort das Glück und die Chance, sowohl ein neues Logistikzentrum als auch das Nachbargebäude erwerben zu können. Zusätzlich bauen wir ein weiteres Produk­tionsgebäude. Insgesamt verdoppeln wir uns.

Wie verläuft Ihre Mitarbeiterentwicklung?
Die Mitarbeiterzahl hat sich ebenso positiv entwickelt: wir haben letztes Jahr 60 Mitarbeiter eingestellt. Obwohl es gerade hier in der Gegend sehr schwierig ist, Ingenieure zu finden.

Wie fing bei Euchner alles an?
Es fing an mit dem Nürtinger Maschinenbauer Heller; der wollte eine Achsansteuerung für seine Bearbeitungszentren – die CNC-Steuerung gab es noch nicht. Für ihn entwickelte mein Großvater eine Lösung, die aus einem Nutenfeld mit Steuernocken und einem Schaltgerät – der Vorläufer unseres Reihengrenztasters – bestand, und auf beschauliche Weise einfache Prozesse wie die Kühlschmiermittelzufuhr, den Vorschub oder die Spindelbewegung steuerte.

Welches war Ihre einschneidenste Erfahrung bei Euchner?
Einschneidend waren die Jahre 1992/1993: da gab es einen erheblichen Einbruch im Maschinenbau. Selbst hochrentable Industrie-Unternehmen machten große Verluste und das wiederum hat zu Umsatzrückgängen und Entlassungen in unserem Unternehmen geführt. Hinzu kam, dass wir zu diesem Zeitpunkt aufwändige Produkte in der Pipeline hatten, die nicht in dem Umfang ankamen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Diese Produkte wurden dann vollständig über Bord geworfen. Das hat leider viele Millionen Euro an Investments vernichtet. Diese Situation hat mich persönlich wesentlich geprägt.

Was haben Sie daraus gelernt?
Als Segler würde ich sagen, ich sorge dafür, dass wir immer viel Wasser unter dem Kiel haben. Ich, als Verantwortlicher, darf nicht zu gutgläubig werden, sobald es einmal erfolgreich läuft. Jeden Tag aufs Neue sage ich mir, das können wir noch besser machen.

Macht Ihnen die Euro-Krise ­Sorge?
Die Entwicklung in Europa verfolge ich seit vielen Jahren. In ihrer Vielfalt ist die EU ein wichtiges und großartiges Gebilde. Sorge bereitet mir das ständige Gegen­einander der Mitgliedsstaaten. Für Europa ist es unabdingbar, dass wir zusammenhalten und einen gemeinsamen Weg beschreiten. Nur so können wir unsere Interessen in der Welt vertreten.

Hat der Euro noch Zukunft?
Natürlich hat der Euro noch eine Zukunft. Er hat große Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Überlegen Sie einmal, wie groß der Außenhandel von Deutschland mit den EU Mitgliedsstaaten ist. Ohne den Euro und den unbeschränkten und einfachen Warenhandel würden wir nicht dort stehen, wo wir jetzt sind. Der Euro bringt uns auch die Sicherheit einer stabilen Währung. Ich habe in meiner damaligen Zeit als Assistent der Geschäftsführer unserer Tochtergesellschaft in Brasilien miterlebt, was es heißt, eine Monatsinflation von 70-80% zu haben.
Viele kluge Leute waren nur damit beschäftigt, die Vorhersagen der Agenturen auszuwerten, neue Preislisten zu erstellen, sie zu drucken und einen Monat später alles wieder zu verwerfen. So etwas ist nicht dienlich und schadet der wirtschaftlichen Entwicklung.

Produzieren Sie weltweit?
Es gibt in unserer Branche eine Wanderbewegung: Als erstes geht die Automobilindustrie nach Brasilien, USA, jetzt China und Indien, dann folgen die Maschinenbauer dann folgen wir. Automobilzulieferer haben uns im Programm und verlangen, dass wir mitgehen.

Montieren Sie nur, oder produzieren Sie auch vor Ort?
Vor Ort für die dortigen Ansprüche zu produzieren ist eine Tendenz, auf die auch wir in Zukunft eingehen werden müssen. Unsere Produkte werden lokal angepasster sein, weil unsere Vorstellungen unter anderem von Materialwertigkeit zu unterschiedlich sind. Auch wir werden in China Ingenieure beschäftigen, die aus ihrer Warte eine Aufgabenstellung anders lösen als ein europäischer Ingenieur.

Wie sehen Sie Ihre künftigen Geschäftsaussichten?
In die Zukunft blicken wir sehr optimistisch. Es gibt viele Geschäftsfelder und Märkte. Wir haben sehr gute Unternehmen in Deutschland und Europa, die sich auf ihre Stärken besinnen und mit Herzblut dabei sind.

Was erwartet einen neuen Mitarbeiter, wenn er bei Ihnen anfängt?
Ich binde meine Mitarbeiter, indem ich ihnen Freiräume einräume, eine Diskussionskultur pflege, sie unabhängig arbeiten lasse, um in Abständen wieder zusammenzukommen.
Ich erwarte von jedem Mitarbeiter, über den Tellerrand zu schauen und sich aktiv einzubringen, was wir noch leisten können und müssen. Was wäre, wenn ein oder mehrere große Kunden wegfallen würden? Wie sähe es denn dann für uns aus? Trotz aller Ansprüche lehne ich eine unpersönliche Unternehmenskultur ab. Jeder Kunde soll bei uns anrufen und sich verstanden und gut beraten fühlen.

Was sind Ihre Unternehmens­ziele?
Wir sind als Unternehmen gut und wollen dabei umgänglich und sympathisch bleiben.

aus Produktion Nr. 19, 2013