Matthias Wissman, VDA, Automobil, Prognose, 2018

Laut VDA-Präsident Matthias Wissmann wird der deutsche Automobilmarkt um zwei Prozent zurückgehen, auf ein Volumen von rund 3,4 Millionen Neuzulassungen. - Bild: VDA

Produktion: Herr Wissmann, wie wird sich das Geschäft der deutschen Automobilbranche 2018 entwickeln?

Matthias Wissmann: "Wir gehen davon aus, dass der Weltmarkt um 1 Prozent auf 85,7 Millionen Einheiten zulegen wird. Dem US-Markt mangelt es 2018 weiter an Dynamik, wir rechnen mit einem Absatz von gut 16,8 Millionen Light Vehicles (-2 Prozent). China hingegen bleibt auf Wachstumskurs mit einem Plus von 2 Prozent auf gut 24,6 Millionen Pkw.

Der gesamteuropäische Pkw-Markt wird sein Niveau mit 15,6 Millionen Einheiten halten. Nach dem starken Verkaufsjahr 2017 wird der deutsche Markt leicht zurückgehen, auf ein Volumen von rund 3,4 Millionen Neuzulassungen (-2 Prozent)."

Produktion: Inwieweit wird der Brexit das Geschäft der deutschen Automobilbranche beeinflussen?

Seit der Brexit-Entscheidung hat sich der Wechselkurs Pfund/Euro erheblich verändert. Das verteuert die Importe in UK und führt dazu, dass dort in diesem Jahr mit einem Rückgang des Neuwagenabsatzes von etwa fünf Prozent zu rechnen ist.

Deutschland exportiert in kein Land mehr Pkw als in das Vereinigte Königreich; in den ersten zehn Monaten 2017 waren es 662 000 Pkw. Nach einem harten Brexit wäre Großbritannien ein Drittland mit einem EU-Außenzoll von zehn Prozent für Pkw. 2016 wurden neue Pkw im Wert von 20,8 Milliarden Euro aus Deutschland nach Großbritannien exportiert. Bei einem 10-Prozent-Zollsatz wären das zusätzliche 2,1 Milliarden Euro. Und ohne eine Zollvereinfachung ist keine Just-in-Time-Lieferung mehr möglich.

Wir hoffen, dass es zu einer vernünftigen Übergangslösung und – falls die Briten nicht doch noch Abstand von der ursprünglichen Brexit-Entscheidung nehmen – es danach eine Zollunion gibt.

Produktion: Welche technologischen Trends prägen die Automobilbranche?

Wissmann: "Die Digitalisierung verändert die Mobilität auf der Welt massiv. Die deutsche Automobilindustrie investiert in den nächsten drei bis vier Jahren allein dafür 16 bis 18 Milliarden Euro. Wir sind bereits heute Patentweltmeister beim vernetzten und automatisierten Fahren.

Und wir sprechen von der digitalen Transformation einer ganzen Branche. Dieser Megatrend bringt uns mehr Effizienz, mehr Komfort – vor allem aber mehr Sicherheit. Und der weitere Megatrend ist natürlich die Entwicklung alternativer Antriebe, vor allem Elektromobilität. Bis 2020 investieren wir dafür rund 40 Milliarden Euro, die Zahl der E-Modelle wird sich vervielfachen. Auch hier wollen wir führend sein."

Produktion: Welche Note geben Sie der Konjunktur der Automobilbranche?

Wissmann: "Dem Automobiljahr 2017 würde ich eine ‚Zwei‘ geben: Trotz eines nicht immer einfachen Umfeldes ist die konjunkturelle Entwicklung gut. Die Wirtschaftsleistung wird so stark wachsen wie zuletzt vor sechs Jahren. Wir haben eine sehr hohe Beschäftigung, niedrige Zinsen und einen noch moderaten Ölpreis. Der deutsche Automobilmarkt übertrifft 2017 erstmals in diesem Jahrzehnt die 3,4-Millionen-Marke.

Die Weltproduktion der deutschen Hersteller erreicht mit mehr als 16 Millionen Pkw, davon 5,6 Millionen im Inland, einen neuen Rekord. Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Es gilt, am Ball zu bleiben und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern."