SAP, IoT, Internet of Things, IDC, Umsetzung, Unternehmen

Vorreiterfirmen wollen bis 2019 die Hälfte ihrer Produkte IoT-Ready haben. Das ergab eine IDC-Studie. - Bild: Pixabay

Die Vernetzung von Produkten, Maschinen oder Anlagen schreitet mit großen Schritten voran. IDC prognostiziert, dass sich die weltweit derzeit 14,9 Milliarden verbundenen ‚Dinge’ bis zum Jahr 2020 verdoppeln werden.

Um Einblicke in die Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von deutschen Unternehmen bei der Nutzung von Internet of Things (IoT)-Technologien zu erhalten, hat IDC im Oktober 2016 eine primäre Marktbefragung durchgeführt.

Anhand eines strukturierten Fragebogens wurden 395 Organisationen in Deutschland mit mehr als 100 Mitarbeitern aus acht Branchen befragt.

Auch wenn 72 % der Befragten das Internet of Things als sehr oder extrem wichtig für ihr Unternehmen einordnen, befindet sich der Großteil der Organisationen noch immer in der Evaluierungs- und Planungsphase von IoT-Initiativen. Großunternehmen treiben hierbei die IoT-Adoption stärker voran als der Mittelstand.

Hürden einer zügigeren IoT-Umsetzung liegen in knappen Budgets (28 %), einem Mangel an Know-how (24 %) und der hohen Komplexität von IoT-Lösungen (27 %).

Dass sich viele Unternehmen noch in einer frühen Phase befinden, spiegelt sich auch in einer ad-hoc Finanzierung wider: Meist handelt es sich hierbei um Projekt-Budgets (25 %) oder Budgets aus den Fachbereichen (23 %). „Unternehmen haben bislang noch nicht ausreichend erkannt, dass sie durch IoT ihre digitale Transformation vorantreiben können“, sagt Laura Hopp, Consultant bei IDC. „Organisationen müssen eine schnelle Umsetzung forcieren, wollen sie nicht von innovativeren und schnelleren Wettbewerbern überholt und abgehängt werden.“

Laura Hopp,IDC
Laura Hopp, Consultant bei IDC. - Bild: IDC

IoT-Technologien können nicht nur eingesetzt werden, um interne Prozesse und Abläufe zu optimieren, sondern auch in die Produkte eines Unternehmens einfließen. Durch die Integration von Sensorik, eingebetteten Systemen und Konnektivität werden dessen Produkte IoT-Ready. Organisationen, die diesen Kurs verfolgen, erwarten, dass der Anteil ihrer vernetzten Produkte in den kommenden Jahren um 69 % deutlich steigt, sodass 2019 jedes zweite ihrer Produkte IoT-Ready sein wird.

Durch die fortschreitende Vernetzung erhöht sich jedoch auch die Angriffsfläche für unerlaubte Zugriffe von Externen auf die Daten der Produkte. Bereits heute berichtet schon jeder vierte Hersteller von intelligenten und vernetzten Produkten von einem derartigen Sicherheitsvorfall in den letzten 12 Monaten.

Auch die kürzlich verübten Distributed-Denial-of-Service (DDoS)-Attacken mit vernetzten Objekten verdeutlichen, dass Sicherheitsfunktionalitäten noch nicht ausreichend integriert sind. Die Sorge vor potenziellen Angriffen spiegelt auch die größte Herausforderung wider, vor der Unternehmen in Bezug auf IoT-Initiativen stehen: Der Datenschutz und die Datensicherheit. Die Ergebnisse heben den Stellenwert eines ausgereiften Sicherheitskonzepts für vernetzte Produkte und Dienstleistungen hervor.

IoT: Vier Stufen

Typischerweise durchlaufen Unternehmen vier Stufen bei der Umsetzung von IoT Use Cases: In einem ersten Schritt werden Objekte, Assets oder Produkte vernetzt. Die dadurch entstehenden Informationen liefern die Grundlage für die zweite Stufe, das Monitoring der entsprechenden Objekte und Prozesse. Auf der dritten Stufe nutzen Unternehmen die zur Verfügung stehenden Informationen, um Abläufe und Verfahren zu optimieren.

Und letztlich werden auf Stufe vier neue Angebote und Services für Kunden durch IoT Use Cases realisiert. Branchenübergreifend werden Anwendungsfälle, die lediglich auf einer Vernetzung der Objekte beruhen, noch am häufigsten umgesetzt. Viele Unternehmen befinden sich somit noch in der ersten Phase, die vom internen Fokus im Gegensatz zum Kundenfokus dominiert wird.

Dies verdeutlicht, dass viele Unternehmen mit der Umsetzung erst begonnen haben. Organisationen sollten aber auf keinen Fall auf der ersten oder zweiten Stufe stecken bleiben.

Im Branchenvergleich liegen Maschinen- und Anlagenbauer eindeutig vorne, auch was die Planung von innovativen Angeboten auf Basis der vernetzten Maschinen und Anlagen betrifft. Aufgrund der allgemeinen Ressourcenknappheit und strikten regulatorischen Gegebenheiten bildet die öffentliche Verwaltung sowohl was den Einsatz als auch die Planung von Smart City Use Cases betrifft das Schlusslicht.

Auch wenn einige IoT Use Cases sehr branchenspezifisch sind, lassen sich Best Practices zwischen Industrien übertragen. Organisationen sollten daher über ihre Branchengrenzen hinausschauen, um von Vorreiterunternehmen zu lernen.

Mark Alexander Schulte, IDC
Mark Alexander Schulte, Senior Consultant bei IDC.- Bild: IDC

Mit der wachsenden Zahl an verwirklichten Use Cases steigt auch die Menge an entstehenden Sensordaten. Diese Datenflut führt zwangsläufig dazu, dass die Übertragung, Speicherung und Analyse sämtlicher IoT-Daten in Rechenzentren immer seltener zielführend sind, da beispielsweise die Netzinfrastruktur nicht ausreicht oder Daten in Echtzeit zur Verfügung stehen müssen. Durch das Edge Computing können Analysen schneller getätigt und Kosten für die Datenübertragung reduzieren werden.

„Wir erwarten, dass bis zum Jahr 2019 mindestens 40 % aller IoT-Daten weltweit ‚at the Edge’, also im oder in der Nähe des vernetzten Objektes, gespeichert, verarbeitet und analysiert werden“, kommentiert Mark Alexander Schulte, Senior Consultant bei IDC. „Dass 81 % der befragten deutschen Unternehmen zumindest einen Teil der entstehenden Daten am Entstehungsort verarbeiten wollen, bestätigt den Trend in diese Richtung ganz klar.“

Für 8 von 10 Unternehmen, die sich derzeit in der Planungsphase von IoT-Initiativen befinden, ist die Einführung einer IoT-Plattform fester Bestandteil der Roadmap. In den vergangenen 24 Monaten wurden zahlreiche neue IoT-Plattformen am Markt angekündigt, die sich zum Teil deutlich unterscheiden.

Unternehmen müssen bei der Auswahl nicht nur den passenden Funktionsumfang, sondern auch das langfristige Konzept des Anbieters beurteilen, denn IDC prognostiziert, dass auf längere Sicht 5 bis 6 Plattformen den IoT-Markt dominieren werden.

Fazit: Das Internet of Things bietet Unternehmen nicht nur die Möglichkeit, interne Abläufe zu optimieren, sondern auch komplett neue Geschäftsmodelle zu verwirklichen. Es ist somit ein Schlüsselelement der digitalen Transformation von Unternehmen. Die Studienergebnisse verdeutlichen allerdings, dass Organisationen den Fokus noch zu sehr auf die Optimierung von internen Abläufen legen.

Das Potential, durch vernetzte Produkte und Services einen Mehrwert für Kunden zu bieten, sich vom Wettbewerb zu differenzieren oder neue Umsatzquellen zu erschließen, wird oftmals verkannt. IDC ist davon überzeugt, dass Unternehmen, die den Fokus ihrer IoT-Aktivitäten frühzeitig auf den Kundennutzen ausrichten, am stärksten von der zunehmenden Vernetzung profitieren werden.

IoT-Reifegrad
IoT-Reifegrad: Zwei von drei Unternehmen haben es bislang nicht schafft, zumindest Pilotprojekte zu entwickeln. Vorreiterunternehmen erwarten, dass in drei Jahren die Hälfte ihrer Produkte IoT-¬Ready ist. - Bild: IDC 2016