Deutz,Motorenfabrik,SAP,Innovation

Im Deutz-Wellenzentrum in Köln werden Kurbel- und Nockenwellen produziert. - Bild: Deutz AG

Gerade der digitale Wandel fällt vielen etablierten, in ihrem Fach durchaus erfolgreichen Firmen noch schwer. Sie suchen Antworten in der oftmals unübersichtlichen Vielfalt an Technologien und den daraus entstehenden Möglichkeiten.

Dabei haben die Grundfragen der Digitalisierung erst einmal nichts mit Technologie zu tun: Wie kann das Unternehmen effizienter und damit wettbewerbsfähiger werden? Wie können die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen? Und: Wie zahlen sich die Investitionen in die Digitalisierung aus?

Die Roadmap 2020 entwickeln

Abderrazzak Askaoui, seit Ende 2016 CIO bei der Deutz AG, setzte mit der ‚Roadmap 2020’ die Digitalisierung des Unternehmens ganz oben auf die Agenda: „Wir wollen Innovation ins Unternehmen bringen: Es geht um nicht weniger, als die besten Lösungen zu finden, die Deutz noch wettbewerbsfähiger und zukunftsfest machen.“

Dr.-Ing. Frank Hiller, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG, war nach einem Tag Innovationsworkshop mit den SAP-Experten sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: „Wir haben einen adäquaten Sparringspartner gefunden, mit dem wir uns fit machen können für das durchdigitalisierte industrielle Umfeld, das vor uns liegt.“

Aus einem geplanten Kick-Off wurden fünf Tage Innovationsworkshop – und der gesamte Vorstand stand voll hinter dem Dialog, mit dem die besten Lösungen gefunden werden sollten.

In dem Innovationsworkshop bearbeiteten die Partner grundlegende Fragen: Wie sollen die Prozesse in den einzelnen Fachbereichen im Jahr 2020 aussehen? Welche Schritte sollten auf dem Weg dorthin gemacht werden? Welche Prioritäten sind zu setzen?

„Macht euch Gedanken über neue Wege, die Deutz gehen sollte, um zukunftsfähig zu bleiben“, gab der CIO Abderrazzak Askaoui den rund 50 Teilnehmern des Workshops mit SAP mit auf den Weg.

Ermutigender Kick-Off

Am Anfang stand der generelle Innovations-Kick-Off, in dem die Deutz-Strategie, die Agenda der kommenden fünf Tage und die SAP-Methodik vorgestellt wurden. Sowohl CEO als auch CFO waren beim Kick-Off dabei und ermutigten die Teilnehmer: „Macht euch Gedanken über neue Wege, die Deutz gehen sollte, um zukunftsfähig zu bleiben“, gab der CIO Abderrazzak Askaoui den rund 50 Teilnehmern mit auf den Weg. „Wir brauchen Veränderung und die SAP ist hier, um mit uns über unsere Prozesse zu reden, uns zu challengen und neue Ideen einzubringen.“

So ermutigt, entwickelte sich schon im Laufe des ersten Tages eine Diskussion auf Augenhöhe mit einer enormen Aufbruchsstimmung. „Das faszinierte auch die Deutz-Vorstände so sehr, dass sie nicht auf die Abschlusspräsentation am fünften Tag warten wollten, sondern schon am zweiten Tag morgens wieder dazu kamen, um die Arbeit persönlich mitzuerleben“, sagte Vasyl Glynyanyj, einer der Workshop-Moderatoren.

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Johann Kraus, Rohde & Schwarz: Auf agile Methoden setzen: „Der Betrieb muss sich ständig weiterentwickeln und das geht nur mit agilen Methoden. Rohde & Schwarz in Teisnach setzt dabei auf interdisziplinäre Teams, freigestellte Trainer, die die Projekte weitertreiben und Agilität vorleben, sowie auf die Förderung einer offenen Kultur. Damit wird ein Rahmen geschaffen, in dem die Mitarbeiter selbst die Weiterentwicklung gestalten können. - Bild: Faces by Fank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Und auch die Führung muss agiler, flexibler werden. Es ist nicht nur eine Führungskompetenz gefragt, sondern man muss vom Coach bis zu dem, der sagt, wo es lang geht, eine ganz weite Spanne an Führungsmöglichkeiten haben. Man muss die Mitarbeiter richtig einsetzen und richtig führen. Und da jeder Mitarbeiter individuell ist, muss die Führungskraft auf das Individuelle eingehen. Die Führung 4.0 muss neue Formen der Zusammenarbeit mit den Generationen Y und Z finden und auf deren Agieren eingehen.“ - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Frank Lennings, Ifaa: Industrie 4.0 als Leitstern sehen: „Industrie 4.0 und Digitalisierung bieten uns Möglichkeiten, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktion zu stärken und auch die Arbeitsplätze zu sichern. Eventuell werden wir die Vision Industrie 4.0 jedoch nie flächendeckend verbreitet sehen, vielleicht ist das auch nicht schlimm. Vielleicht sollten wir die Vision Industrie 4.0 eher als Leitstern sehen, dem wir folgen, weil er uns in die richtige Richtung bringt. - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Aber wie weit einzelne Unternehmen in diesem Bereich gehen werden, wird sehr unterschiedlich sein. Im aktuellen Trendbarometer des Ifaa wird die Bedeutung des Themas Digitalisierung und Industrie 4.0 als eher gering eingeschätzt im Vergleich zur Prozessorganisation. Gerade einmal fünf Prozent der Unternehmen wenden konkret 3.x-Lösungen an, zehn Prozent befinden sich in einem Pilotierungstest, 40 Prozent machen gar nichts und 40 Prozent informieren sich allgemein.“ - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Berater Reinhard Lindner: Intuition und Meditation sind wichtig: „Was sind die entscheidenden Eigenschaften einer Führungskraft in diesem unglaublichen Veränderungsprozess? Führungskräfte des 21. Jahrhunderts müssen sich mit Meditation auskennen und intuitiv entscheiden können, hat die Harvard Business School herausgefunden. Es gibt Situationen für Führungskräfte, bei denen sie nicht auf ihr Uni-Wissen zurückgreifen können. - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Es gibt Situationen, bei denen man an seine Grenzen stößt, und dann kommen Fähigkeiten wie Intuition, tiefer liegende Fähigkeiten zur Geltung. Intuition heißt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen treffen, und hinterher weiß man nicht warum. Es ist einfach passiert. Ein Manager muss in einer heiklen Situation das abrufen, was er kann. In den seltensten Fällen hat er viel Zeit, wenn es um etwas geht. Mit Meditation ist gemeint, einen gewissen Ausgleich in der Welt, in der wir uns befinden, zu schaffen.“ - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Karlheinz Blank, T-Systems: KI-Verfahren sind kostengünstig: „Wie kann man zum Beispiel Stillstandzeiten von Schweiß-Robotern in der Automobilindustrie reduzieren? Bei diesen Robotern entstehen Daten. In Industrie 4.0 müssen diese Daten erschlossen, analysiert und Muster erkannt werden, die Fehlern vorausgehen. Wenn man alle Fehler in ein Störungs- und Wartungsbuch einträgt, kann man mit Verfahren des Künstlichen Intelligenz schauen, wie die Daten zuvor aussahen. Welche Daten sind vom idealen Datenstrom abgewichen? - Bild: Faces by Frank

  • 7 Blank Karlheinz T-Systems web

    Diese Verfahren derzeit können zu verhältnismäßig geringen Kosten Hunderttausende an Daten-Byte analysieren. Daraus lassen sich Warnsignale generieren, die zum Beispiel einen Ausfall des Schweißroboters in vier Tagen prognostizieren, weil der Schweißschlauch brechen wird. Dann kann man diesen Schweißschlauch innerhalb von drei Tagen bestellen und der Servicetechniker installiert ihn.“ - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Patrick-Benjamin Bök, Weidmüller: Digitalisierung ist Prozessoptimierung „Weidmüller überprüft bei der Einführung von neuen Technologien wie Augmented Reality zunächst den indirekten Nutzen wie zum Beispiel die Förderung der internationalen Kollaboration; erst langfristig wirkt sich die Einführung auf die Kosten aus. Heutzutage müssen Technologien wie Smart Glasses viel flexibler sein als früher. Dies führt jedoch zu einer Austauschbarkeit, was bei etablierten Herstellern bisher nicht gewünscht war. - Bild: Faces by Frank

  • Produktion, Rohde & Schwarz, TOP-Transfer-Forum, Führung 4.0

    Technologie muss dabei als Diener fungieren. Wenn der Mitarbeiter die Technologie gar nicht wahrnimmt, ist es gut. Als Drittes muss die Prozesslandschaft optimiert werden. Wenn die Prozesse nicht sauber sind, hilft auch die schönste Technologie nichts. Nur mit sauberen Prozessen lässt sich digitale Durchlässigkeit erzielen. Wir müssen in den Modus kommen, schneller zu sein und agile Prozesse zu haben: Das ist der Schlüssel. Digitalisierung ist Prozessoptimierung.“ - Bild: Faces by Frank

Struktur für gute Ergebnisse eingesetzt

Da das Thema Digitalisierung in einem Unternehmen wie Deutz so gut wie alle Mitarbeiter betrifft, war es ein großes Anliegen der Führungsriege, für die Entwicklung einer umfassenden und fundierten Digitalisierungsstrategie möglichst viele Mitarbeiter ins Boot zu holen. Man hatte sich je Fachbereich auf acht Teilnehmer von Deutz aus unterschiedlichsten Ebenen und maximal drei von SAP inklusive Moderator verständigt, was sich gut bewährte. An je einem Workshoptag bekam je ein anderer Fachbereich ausreichend Raum, um seine eigene Vision zu erarbeiten.

Innovationsfelder definieren

Jeder Themen-Tag des Innovationsworkshops startete mit einer kurzen Inspirations-Demonstration von SAP, die ein konkretes Beispiel für Innovation im Fachbereich vorstellte. Darauf folgten von Deutz ausgewählte Themencluster, die jeweils ein festes Zeitfenster hatten: Der Fachbereich zeigte, welche Prozesse heute schon unterstützt werden und was die Innovationsfelder sind, mit denen Deutz plant, neue Umsatzströme bzw. mehr Effizienz zu erreichen. SAP stellte auf Prozessebene die möglichen Lösungen für den jeweiligen Themenblock vor.

Neue Ansätze gefunden

SAP,Digitalisierung
In dem Innovationsworkshop mit SAP wollte Deutz den grundlegenden Fragen der Digitalisierung nachgehen: Wie kann das Unternehmen effizienter und damit wettbewerbsfähiger werden? Wie können die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen? Und: Wie zahlen sich die Investitionen in die Digitalisierung aus? - Bild: Piaxabay

Gemeinsam arbeitete man daraufhin an den als zentral identifizierten Themen: Dafür wurden jeweils die strategische Wichtigkeit für Deutz und der Umsetzungsaufwand eingeschätzt und anhand der Ergebnisse das Thema auf einer Value Map eingeordnet. So konnte am Ende des Tages die Priorisierung der 8 bis 10 Top-Fachbereichsthemen für die Roadmap leicht und für alle plausibel ermittelt werden.

Gerade bei diesem Schritt waren die Deutz-Mitarbeiter gefordert in einem Brainstorming kreative, unkonventionelle Ansätze zu finden, die nicht im Status quo verhaftet waren. Beim Fachbereich Vertrieb und Service spielte beispielsweise das Internet of Things (IoT) eine große Rolle: IoT-Anbindung von Motoren, IoT-Use-Cases, Connectivity und die Integration mit den ERP-Lösungen der SAP. Dazu nahmen die Workshop-Teilnehmer die Effizienz und Transparenz im Service und die Variantenkonfiguration unter die Lupe.

Bei der Logistik sprach man über Themen wie Intralogistik, Transport und Stauraum-Planung, sowie über die Anbindung von Lieferanten. Im Fokus von HR lagen unter anderem Talent Management, Zeitwirtschaft und Recruiting.

Überwältigend gutes Resümee

„Wir haben bei Deutz fünf Tage lang auf höchster Ebene diskutiert, welche Themen in Zeiten der Digitalisierung bei dem Kunden dringend anzugehen sind“, sagte Adrian Langlouis. „Wir haben nach der Customer Engagement Methodology CEM Innovationen erarbeitet, eingeordnet und eine Roadmap aufgebaut. Es macht wirklich Spaß, wenn die Zusammenarbeit so gut läuft. Ich muss auch zugeben, dass ich wieder viel vom und über den Kunden gelernt habe. Das ist äußerst wertvoll für die weitere Umsetzung der Roadmap.“

Bei der finalen Präsentation der Workshop-Ergebnisse war dann auch der gesamte Vorstand der Deutz AG anwesend und zeigte sich beeindruckt. Drei Wochen nach dem Innovationsworkshop entstand in einem gemeinsamen Arbeitstreffen von Deutz und SAP aus den Workshop-Resultaten die grobe übergreifende Roadmap.

SAP spricht in Prozessen

Alle Teilnehmer fanden die fünf Tage inspirierend und ermutigend – vor allem, da die Prozesse von Deutz im Fokus standen und nicht die Produkte der SAP. Detaildiskussionen zu operativen Themen wurden konsequent ausgeklammert. Um konzentriert arbeiten zu können, ließ man die Laptops in den Büros und verzichtete auch auf Sitzgelegenheiten. Dies ermöglichte eine komprimierte und agile Vorgehensweise, welche die Dynamik in der Teilnehmergruppe auf hohem Niveau hielt und sich als sehr produktiv erwies.

Durch Deutz sei ein Ruck gegangen, war in der Nachschau die einhellige Meinung der Teilnehmer. SAP sei nicht irgendein Software-Lieferant, sondern ein Partner, der in Prozessen spricht. Mit der Idee des CIO von Deutz für den Innovationsworkshop und der Prämisse, die digitale Veränderung gemeinsam mit SAP anzugehen, habe sich gezeigt, dass das I in CIO nicht nur für IT, sondern auch für Innovation stehe – genau das, was Deutz für den Wandel zum digitalen Unternehmen brauche.