Klöckner Desma Schuhmaschinen

Klöckner Desma Schuhmaschinen hat eine Zelle für eine individualisierte Schuhproduktion erstellt. Diese Industrie 4.0-Anwendung erkennt innerhalb von zwei Sekunden die individuelle 3D-Geometrie einer Schuhsohle und trägt entsprechend flüssigen Kleber für den Schuhaufbau auf. - Bild: Desma

Das meint der Oliver Wyman-Partner Thomas Kautzsch. Spannend werde die Frage, wer sich das zusätzliche Wertpotenzial einverleibt. "Denn Industrie 4.0 verändert potenziell in hohem Maße das Machtgefüge zwischen den an der Wertschöpfung beteiligten Unternehmen", prognostiziert Kautzsch, der den Bereich Automotive und Manufacturing Industries leitet.

 

Oliver Wyman hat eine Studie zur digitalen Industrie erstellt, die eine zusätzliche jährliche Marge im Jahr 2030 von 1,4 Billionen US-Dollar vorhersagt. Demnach werden jene Marktteilnehmer zu den Gewinnern zählen, die datengetriebene Entscheidungen treffen können. Wer betreibt und optimiert in Zukunft die Anlagen zum Beispiel in einem Automobilwerk? Wem gelingt es, die Betriebsdaten so zu analysieren, dass er konkret anwendbare Handlungsempfehlungen und Prozessoptimierungen ableiten kann?

"Diese Fragen rund um das sogenannte Applikations-Know-how entpuppen sich als wahre Kernthemen von Industrie 4.0", sagt der Co-Autor der Studie, Tobias Sitte. Dieses Wissen bilde künftig die Grundlage für eine individualisierte Massenfertigung.

Mit dem Thema beschäftigt sich der Geschäftsführer der Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH, Christian Decker. Sein Unternehmen hat eine Zelle für eine individualisierte Schuhproduktion erstellt. Diese Industrie 4.0-Anwendung erkennt innerhalb von zwei Sekunden die individuelle 3D-Geometrie einer Schuhsohle und trägt entsprechend flüssigen Kleber für den Schuhaufbau auf. "Wenn man die Fertigung individualisiert und die Kette wirklich verkürzt zwischen Order, Produktion und Markt, dann kann man Mass Customization und Nachhaltigkeit zum Leben erwecken", ist sich Decker sicher.

Prozessintegration in die Hand nehmen

Auch in anderen Branchen können die Maschinen- und Anlagenbauer ihren Anteil an der Wertschöpfung erhöhen, indem sie die Prozessintegration in die Hand nehmen. Das sei eine Riesen-Chance für Zulieferer, ihre Kontrolle über die Wertschöpfung auszuweiten, meint Sitte.

Der Studie zufolge ist der größte digitale Werthebel ein besseres Verständnis der konkreten Kundennachfrage und eine intelligentere Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft. Auf weltweit 600 Milliarden US-Dollar Margenzuwachs im Jahr 2030 wird dieses Potenzial beziffert - in der Automobilindustrie habe dessen Abschöpfung der Studie nach bereits begonnen. Als zweitstärkster Effekt schlägt demnach die Flexibilisierung der Fertigung samt individualisierter Massenfertigung mit 300 Milliarden US-Dollar Margenzuwachs zu Buche. Davon könnten Klein- und Miniserienfertiger mit niedrigem Automatisierungsgrad profitieren, zum Beispiel aus Luftfahrt und Bahnindustrie.

Industrie 4.0 Oliver Wyman
Durch eine flexible Produktion und Mass Customization im Rahmen von Industrie 4.0 ergibt sich 20130 ein Werthebel von 300 Milliarden US-Dollar. - Bild: Oliver Wyman/Produktion
Industrie 4.0 Oliver Wyman
Vor allem der Blick über bestehende Betriebs- und Geschäftsmodelle hinaus fällt vielen Managern schwer. - Bild: Oliver Wyman/Produktion