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Der Tagebau ist für die Förderung von 55 Millionen Tonnen Erz pro Jahr ausgelegt. Das Erz aus dem Tagebau wird mit der 344 km langen Roy Hill Railway an den Hafen bei Port Hedland gebracht, wo gleichzeitig zwei Erzfrachter anlegen können. Der Tagebau soll für 30 Jahre in Betrieb sein. - Bild: Roy Hill

Ein weitläufiger Kontrollraum, zahlreiche Mitarbeiter an Schreibtischen und große Bildschirme an den Wänden: Hier schlägt das Herz von Roy Hill, einem australischen Bergbauunternehmen mit Sitz in Perth. Von hier aus überwacht Roy Hill seine Eisenerzgrube in Westaustralien – rund 1.300 Kilometer von Perth entfernt.

Auf den Bildschirmen des Remote Operations Centre (ROC) zeigen Grafiken an, wie es um verschiedene Parameter des Unternehmens bestellt ist. Sie liefern die Informationen für die Teams, die die Nachfragekette und die Lieferkette steuern und im ROC beheimatet sind. So wird sichergestellt, dass die ROC-Mitarbeiter den gesamten Grubenbetrieb im Blick haben und von Anfang bis Ende planen und steuern können.

Roy Hill Kontrollraum
Der Roy Hill Kontrollraum in Perth. - Bild: Roy Hill

Als neue Tagebaugrube, die Ende 2015 ihre erste Ladung Eisenerz verschiffte, hatte Roy Hill die Chance, das Gesamtkonzept durchgängig planen und alles aufeinander abstimmen zu können – von der Grube in der Nähe von Newman über die 553-km-lange Bahnstrecke bis zum Hafenkai in Port Hedland.

Ein wichtiges Element dieses Konzepts ist das Kontrollzentrum in Perth, ein weiteres die Softwareinfrastruktur, die nahtlos verzahnt ist.

Bei der Konzeption der Anwendungsinfrastruktur konnten wir auf eine durchgängige Integration achten”, erklärt Jane Raffaele, Manager IT Program bei Roy Hill. „Wir mussten uns für ein Grundgerüst an Anwendungen entscheiden, und SAP ist eines der Grundsäulen unserer Softwareinfrastruktur. Das integrierte Konzept der SAP-Software hilft uns, alles miteinander zu verbinden und sicherzustellen, dass die Daten dort verfügbar sind, wo sie für den Prozess gebraucht werden.”

Roy Hill nutzt SAP-ERP-Software, darunter für das Finanzwesen, die Gehaltsabrechnung und die Materialwirtschaft, sowie SAP-SuccessFactor-Lösungen für das Personalmanagement. Die Einführung weiterer SAP-Lösungen sowie ein Umstieg auf SAP S/4HANA sind geplant.

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Jane Raffaele: „Das integrierte Konzept der SAP-Software hilft uns, alles miteinander zu verbinden und sicherzustellen, dass die Daten dort verfügbar sind, wo sie für den Prozess gebraucht werden.” - Bild: Privat/Roy Hill

Im Kontrollzentrum in Perth Neben arbeitet neben dem Nachfrageketten- und dem Lieferkettenteam auch ein Team, das sich um Prozessverbesserungen kümmert. Sobald ein KPI vom Plan abweicht, versucht es, zusammen mit dem hierfür verantwortlichen Team die Gründe herauszufinden und die Abweichung zu korrigieren. Beispielsweise hielten die Reifen der Muldenkipper in der Grube nicht so lange, wie prognostiziert und budgetiert.

Das Team analysierte verschiedene Daten, unter anderem Daten, die über Sensoren an den Reifen gemeldet wurden, die Ladung des Kippers, Umgebungstemperaturen und die Fahrweise der Fahrer. Anhand der ermittelten Ergebnisse wurden die Fahrer entsprechend geschult, Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und die Fahrstraßen geändert, sodass die Lebensdauer der Reifen nun im Rahmen liegt.

Auch in anderen Bereichen nutzt Roy Hill die Möglichkeiten, die das Internet der Dinge bietet, etwa bei der Bahnstrecke: „Die Bahn haben wir zukunftsorientiert geplant, sodass wir die Wartung durch eine permanente Überwachung des Anlagenzustands steuern können. Sowohl an unserer Bahnstrecke als auch an den Schienenfahrzeugen sitzen zahlreiche Sensoren und Detektorgeräte”, erklärt Raffaele.

So melden neun verschiedene Sensoren Daten an ein umfassend ausgestattetes Überwachungsfahrzeug, das an der gesamten Bahnstrecke im Einsatz ist, um so den Zustand der Strecke zu ermitteln und die Instandhaltung entsprechend zu planen.

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Auch in anderen Bereichen nutzt Roy Hill die Möglichkeiten, die das Internet der Dinge bietet, etwa bei der Bahnstrecke. - Bild: Roy Hill

Weitere Sensoren an der Strecke überwachen die vorbeifahrenden Züge und übermitteln Daten über die Reifen, Bremsen, Lager, Drehgestelle und weitere Bauteile. Die Lokomotiven selbst sind über das WiMax-Netzwerk von Roy Hill direkt mit einem Kontrollzentrum in den USA verbunden, das über 250 verschiedene Datenpunkte überwacht, um so eine vorausschauende Instandhaltung zu ermöglichen.

Wird eine Abweichung festgestellt, werden die entsprechenden Daten hierzu gemeldet und mithilfe verschiedener Algorithmen die Störung analysiert. Das für die Instandhaltung der Lokomotiven zuständige Team erhält dann Informationen, welche Reparaturarbeiten durchzuführen sind.

Mithilfe neuer Technologien, etwa der 3D-Visualisierung des 3-Monats-Plans für den Eisenerzabbau, möchte Roy Hill zudem die Zusammenarbeit zwischen dem Remote Operations Centre und der Grube weiter verbessern. „Wir versuchen, mehr und mehr Mitarbeiter in das Remote Operations Centre zu verlagern. Deshalb wird es immer wichtiger, dass die Mitarbeiter im ROC und die Mitarbeiter in der Grube eine genaue Vorstellung davon haben, was der Plan bedeutet”, sagt Raffaele.

Statt wie vorher den Abbauplan in einem Foliensatz zu präsentieren, wird er jetzt in einer Testphase in 3D simuliert. Der Plan ist dadurch viel leichter verständlich und erleichtert die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Für eine weitere 3D-Simulation – die Visualisierung der Stillstandsplanung – ist ein Proof of Concept geplant. Man verspricht sich davon kürzere Stillstandszeiten und eine bessere Planung. Zudem können sich die mit der Wartung beauftragten Firmen die Grube und die geplanten Arbeiten besser vorstellen.

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Headquarter Roy Hill in Perth: Von hier aus überwacht Roy Hill seine Eisenerzgrube in Westaustralien – rund 1.300 Kilometer von Perth entfernt. - Bild: Roy Hill

Die Digitalisierung des Unternehmens ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Roy Hill ist ständig auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, um die Automatisierung voranzutreiben. So steht ein Projekt, das den Einsatz automatisiert ablaufender Bohrungen anhand von einzelnen Probebohrungen testen soll, kurz vor dem Start.

Des Weiteren hat Roy Hill eine Automatisierungs-Roadmap erstellt, die die Priorität größerer und kleinerer Testprojekte genau festlegt. „Wir untersuchen neuartige Technologien, die noch in der Entwicklung stecken oder neu im Bereich Bergbau sind, und schauen, wie wir sie für uns gewinnbringend nutzen können”, resümiert Raffaele.

Video: Das ist Roy Hill