Digitalisierung

70 Prozent der Tätigkeiten in der Fertigung könnten schon heute durch Computer ersetzt werden. - Bild: Pixabay

Die Bundesagentur für Arbeit hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beauftragt, herauszufinden, welche Tätigkeiten schon heute digitale Technologien übernehmen können. Die Autorinnen der Studie 'Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt – Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland' nahmen dazu alle in Deutschland bekannten Berufe (circa 3 900 Einzelberufe) unter die Lupe.

„Im Gegensatz zu den bisherigen Untersuchungen verwenden wir nicht die auf Basis amerikanischer Berufsdaten ermittelten Automatisierungswahrscheinlichkeiten, sondern berufskundliche Informationen aus der Expertendatenbank Berufenet5 der Bundesagentur für Arbeit“, schreiben Dr. Britta Matthes und Katharina Dengler.

Ihre Fragestellung lautet: Wie hoch ist der Anteil aller in diesem Beruf typischerweise zu erledigenden Aufgaben, die bereits heute ein Computer erledigen könnte?

Ihre Antwort: „Etwa 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland sind im Jahr 2013 einem sehr hohen Substituierbarkeitspotenzial ausgesetzt, also in einem Beruf beschäftigt, bei dem mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten heute schon durch Computer ersetzt werden könnten.“ 15 Prozent – das klingt erst einmal nicht dramatisch hoch, doch sind die Unterschiede in den Berufsgruppen extrem. Und Fertigungsberufe können leichter ersetzt werden als andere.

Fertigungsberufe besonders betroffen

„Das gewichtete, durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial ist im Berufssegment 'Fertigungsberufe' am höchsten. Es liegt bei mehr als 70 Prozent“, heißt es.

Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, müsse man sich vor Augen führen, dass mehr als 70 % der Tätigkeiten in diesem Berufssegment schon heute durch Computer ersetzt werden könnten. Ob diese Tätigkeiten dann tatsächlich auch ersetzt werden, hängt, laut Studie, allerdings nicht nur von der technischen Machbarkeit ab, sondern beispielsweise von der Investitionsbereitschaft.

Nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern auch die von qualifizierten Fachkräften sind gleichermaßen betroffen: „Das Paradoxe an der Substituierbarkeit durch Computer ist, dass Tätigkeiten, die von qualifizierten Fachkräften ausgeübt werden, stärker von der Digitalisierung betroffen sein können“, heißt es in der Studie.

Das läge daran, dass diese besser in programmierbare Algorithmen zerlegt und damit leichter von Computern ersetzt werden könnten.

Helfer dagegen würden zu einem großen Teil Nicht-Routine-Tätigkeiten erledigen, die sich nicht so leicht automatisieren lassen. Das führe dazu, dass im Fertigungsumfeld Fachkraft und Helfer ein ähnlich hohes Substituierungspotenzial aufweisen würden.

Wissen auf technologischem Stand halten

Da Spezialisten- und Expertenberufe am wenigsten leicht ersetzbar sind, sehen die Autorinnen die Hauptaufgabe von Politik und Wirtschaft darin, das Wissen und Können auf dem aktuellen technologischen Stand zu halten. Sie hoffen außerdem, dass die Digitalisierung zu einem Beschäftigungswachstum führen werde. Da computergesteuerte Maschinen entwickelt, gebaut, gesteuert und gewartet werden müssen – dafür braucht man Fachkräfte.

Darin stimmen die beiden Autorinnen mit Betriebsrat Wolf überein. Seiner Einschätzung nach bieten die neuen Technologien neben Risiken auch Chancen – vorausgesetzt, sie werden intelligent genutzt.

IAB-Studie - Folgen der Digitalisierung

  • Substituierbarkeitspotenziale nach Anforderungsniveau - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015

    Substituierbarkeitspotenziale nach Anforderungsniveau - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015

  • Substituierbarkeitspotenziale nach Berufssegmenten - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015

    Substituierbarkeitspotenziale nach Berufssegmenten - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015

  • Substituierbarkeitspotenziale in den Produktionsberufen - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015

    Substituierbarkeitspotenziale in den Produktionsberufen - Quelle: IAB-Forschungsbericht 11/2015