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Im großen unübersichtlichen Räderwerk rund um das Thema Industrie 4.0 in der Fertigung will Arbeitskreis Fertigung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) Navigationshilfen geben. - Bild: DSAG/iStock

Industrie 4.0 ist als Chance gesehen riesengroß – als Herausforderung aber auch. „Denn dafür müssen die Unternehmen ihre IT fit machen und zwar bis runter in die unterste Ebene der Prozesslandschaft. Ein simples Aufhübschen hilft da nicht viel“, sagt Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, stellvertretender Arbeitskreissprecher Fertigung bei der DSAG.

„Die Stückfertigung und die Automobil-Branche sind mit Just-in-time- (JiT) und Just-in-sequence-Fertigungen (JiS) bereits gut aufgestellt. Viele andere Unternehmen sind aber noch lange nicht so weit“, fasst der Professor für Produktionsmanagement und Logistik an der Frankfurt University for Applied Sciences zusammen.

Ist die Fertigungsbranche bereit?

Doch zunächst einen Schritt zurück: Ist die deutsche Fertigungsbranche überhaupt schon bereit für Industrie 4.0? Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke ist von zwei Dingen fest überzeugt: Erstens, Industrie 4.0 ist ein Muss-Thema, um Schnelligkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit wieder zu Top-Themen innerhalb Europas und der hier gefertigten Produkte zu machen – niemand wird daran vorbeikommen.

Zweitens sind seiner Meinung nach, von den wenigen Champions und Early Adopters abgesehen, die meisten Unternehmen gerade einmal bei Industrie 2.0 angekommen. Hier sieht er vor allem den Mittelstand, dessen Management, Mitarbeiter und Prozesse noch nicht bereit dafür sind: weder IT-seitig noch im Kopf.

DSAG,HMI
Sie möchten gerne über das Thema des Berichts „Große Reise in unbekannte Welten - Industrie 4.0?!“ mit dem Sprecher des DSAG-Arbeitskreis Fertigung Herr Volker Stockrahm diskutieren und Ihre Fragen stellen? Dann schauen Sie doch auf der Hannover Messe 2017 am Montag, den 24.04.2017 um 14:00 Uhr bei der Sprechstunde zu diesem Thema am DSAG-Stand in Halle 7, am SAP-Stand B04 vorbei. - Bild: DSAG

Angst nehmen vor Änderungen

Diese Baustelle führt Prof. Schocke auch zurück auf viel zu selten stattfindende Mitarbeiter-Fortbildungen und -Schulungen: „Ein ‚Das haben wir aber schon immer so gemacht!‘ wird in Zukunft nicht mehr reichen“, äußert er sich besorgt. „Mitarbeiter müssen intensiv geschult werden, denn vor allem in Produktion und Logistik herrscht oft ein dramatisch geringer Kenntnisstand.“

Steigende Komplexität, höhere Problemlösungsanforderungen, ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und ein hohes Maß an Eigeninitiative sind einige im Zuge von Industrie 4.0 erwartete Herausforderungen. Einerseits wird darin die Chance auf einen anspruchsvolleren und interessanteren Arbeitsplatz mit viel Eigenverantwortung gesehen. Andererseits sind der prognostizierte Arbeitsplatzwegfall und die Arbeitsplatzveränderung als starke Bedrohung für die deutsche Wirtschaft zu sehen.

„Durch ein steigendes technisches Niveau wird immer mehr in die Arbeit des Menschen eingegriffen und die virtuelle Komponente rückt näher in reale Arbeitsabläufe. Das Risiko wird hierbei im Verlust von Handlungskompetenzen und in der Einschränkung der Tätigkeiten gesehen“, erläutert Prof. Schocke. Neben der Arbeitsplatzveränderung argumentieren Experten, die Industrie 4.0 in Bezug auf die Arbeitswelt vorrangig als Risiko einschätzen, hauptsächlich mit dem erwarteten Arbeitsplatzabbau im Bereich monotoner, manueller Tätigkeiten.