Industrie 4.0 beziehungsweise IoT soll den Unternehmen mehr Umsatz bescheren

Industrie 4.0 beziehungsweise IoT soll den Unternehmen mehr Umsatz bescheren. - Bild: Gerhard Schubert GmbH

Zu diesem Ergebnis kommt eine globale Studie der Wirtschafsprüfer von PwC unter über 2.000 Unternehmen in 26 Ländern. Doch es lauern auch Risiken, gerade für die deutsche Industrie, warnten die Experten von PwC am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie.

"Die Digitalisierung ist in der Industrie angekommen, und sie wird hier bleiben. Und für die Unternehmen stellt sie vielfach einen Quantensprung, eine echte Revolution dar", so PwC-Partner Reinhard Geissbauer bei der Vorstellung der Studie. "Deutschland wird sich dabei anstrengen müssen, um seinen Spitzenplatz in der Industrie zu verteidigen."

Unternehmen versprechen sich signifikante Vorteile

Weltweit erwarten sich die befragten Unternehmen aus neun Industriebereichen einen zusätzlichen Umsatz von etwa 2,9 Prozent oder 493 Milliarden US-Dollar jährlich bis zum Jahr 2020. Allein deutsche Firmen rechnen mit etwa 17,6 Milliarden Euro mehr Umsatz pro Jahr. Zudem winken signifikante Kostenvorteile: Weltweit erhoffen sich die Unternehmen Kostensenkungen von etwa 421 Milliarden US-Dollar pro Jahr, in Deutschland erwarten die befragten Unternehmen Einsparungen von 14,3 Milliarden Euro.

Um auch künftig vom Trend profitieren zu können, wollen die von PwC befragten Unternehmen bis 2020 weltweit etwa 5 Prozent ihrer digitalen Umsätze jährlich in Entwicklungen rund ums "Internet der Dinge" investieren. Nach Berechnungen von PwC entspricht das einem Investitionsvolumen von rund 907 Milliarden US-Dollar, allein deutsche Firmen steuern etwa 31,0 Milliarden Euro bei.

Etwa die Hälfte dieser Investitionen soll dabei in Software und Applikationen fließen, rund 30 Prozent werden für neue Hardware wie Sensoren und Geräte gesteckt. Der Rest soll in das Training der Mitarbeiter und die notwendigen organisatorischen Veränderungen gehen. Die Firmen versprechen sich dabei eine schnelle Amortisierung der Kosten: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet damit, dass die Aufwendungen innerhalb von nur zwei Jahren schon wieder hereingeholt werden können.

Gerade für Deutschland gibt es aber auch Risiken

Doch ganz ohne Risiken geht es natürlich nicht ab. "Das größte Risiko besteht für die Unternehmen derzeit durch das Fehlen einer digitalen Kultur beim Management und den Mitarbeitern", sagt PwC-Partner Stefan Schrauf. Für die deutschen Firmen kommt noch die Gefahr hinzu, dass ihr Spitzenplatz in der weltweiten Industrie auf dem Spiel steht.

"Wir waren überrascht, dass deutsche Firmen nicht an vorderster Front beim Thema Digitalisierung stehen", gesteht Geissbauer ein. In den USA etwa würden viel mehr Innovationen mit der Digitalisierung vorangetrieben. Europa und Deutschland konzentrierten sich demgegenüber vor allem darauf, bestehende Prozesse zu optimieren und kostengünstiger und schneller voranzubringen. China wiederum versuche sich mit seinen jungen und flexiblen Unternehmen sowohl an der Produktinnovation als auch an der Verschlankung der Arbeitsprozesse. Deutschland müsse jetzt enorme Anstrengungen unternehmen, um seinen industriellen Spitzenplatz zu verteidigen, warnte er.

Denn auch für deutsche Unternehmen ergäben sich ungeahnte neue Geschäftsmodelle. "Der mittelständische Dichtungshersteller etwa weiß jetzt viel mehr über den Einsatz seiner Dichtungsringe und kann daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln." Durch die Digitalisierung erfahre der Mittelständler zum Beispiel, welcher Belastung seine Dichtungsringe etwa in der Ölindustrie in Saudi Arabien ausgesetzt seien. Und mit entsprechenden Auswertungen von Erfahrenswerten könne er daher den besten Zeitpunkt für einen Austausch der Dichtungen vorgeben, noch bevor seine Produkte kaputt gingen.