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Vor allem technologieintensive KMU, die unter Innovationsdruck stehen, sind Vorreiter bei Industrie 4.0 Bild: Bosch

Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund, Michael ten Hompel, und der Wirtschafts- und Industriesoziologe Hartmut Hirsch-Kreinsen, haben in dem wissenschaftlichen Papier „Digitalisierung der Arbeit: Entwicklungsperspektiven und Gestaltungssätze“ erste Forschungsergebnisse zu den Konsequenzen für Arbeit in der Industrie 4.0 zusammengefasst. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

1. Industrie 4.0 als sozio-technisches System
Der Zusammenhang zwischen der Verbreitung digitaler Technologien und ihren sozialen Konsequenzen ist nicht linear und deterministisch. Es ist ein komplexer und wechselseitiger Zusammenhang, der darüber entscheidet, in welcher Weise die neuen Nutzungspotenziale ausgeschöpft werden und welche Konsequenzen für die Arbeit sich einspielen. Es bestehen technisch-organisatorische Alternativen der Gestaltung, die Gegenstand betrieblicher und arbeitspolitischer Entscheidungsprozesse sind.

2. Entwicklungsperspektiven von Arbeit
Eine Gruppe von Wissenschaftlern sagt, dass Digitalisierung zu einer steigenden Qualifikation der Beschäftigten führt, eine zweite geht davon aus, dass sich die Arbeit aufspaltet zwischen hochqualifizierter und einfacher, nicht automatisierbarer Tätigkeit. Es werden sich dazwischen liegende und divergierende Muster der Arbeitsorganisation einspielen und Gegenstand betrieblicher Entscheidungsprozesse sein.

3. Bestimmungsgrößen der System- und Arbeitsgestaltung
Man unterscheidet zwischen einem technologiezentrierten und einem komplementären Automatisierungskonzept. Beim ersten verbleiben für den Menschen nur Aufgaben, die nur schwer zu automatisieren sind wie generelle Überwachungsaufgaben.

Beim zweiten Konzept wird eine kollaborative Mensch-Maschine-Interaktion vorausgesetzt, die die Stärken von menschlicher Arbeit und Automatisierung verbindet.

Häufig setzt das mittlere Management auf technologiezentrierte Konzepte, um Abstimmungsprozesse im Betrieb zu vermeiden. Ein komplementäres Konzept wird oft von einem großen Managerkreis zusammen mit Topmanagement und Betriebsrat eingeführt, um Akzeptanzprobleme zu minimieren.

4. Verbreitung in Grenzen
Es muss von Barrieren bei einer schnellen Industrie 4.0-Einführung ausgegangen werden: Dies sind zum einen kostenträchtige, technologisch komplexe und langwierige Einführungsprobleme, zum Beispiel bei der IT-Integration. Als zweites gibt es Akzeptanzprobleme im Management, das skeptisch gegenüber den Effizienzversprechen ist. Als drittes werden organisationsstrukturelle Beharrungskräfte angeführt: Denn die Planungs- und Steuerungsbereiche müssen umgebaut werden.

Mittelfristig setzen sich nur Insellösungen durch: Vor allem Firmen, die unter Innovationsdruck stehen wie technologieintensive KMU, nutzen Industrie 4.0. Großserienfertiger seien eher skeptisch gegenüber I 4.0, weil sie produktionstechnisch sehr weit fortgeschritten sind und die I 4.0-Logik das Produktionsniveau gefährden könnte. In wenig technologieintensiven KMU dürfte sich I 4.0 kaum im weiten Bereich durchsetzen. Deshalb wandelt sich Produktionsarbeit nicht so schnell.