Grafik IIC und Industrie 4.0

Während das IIC branchen- und domainübergreifend in der Breite operiere, geht es in der deutschen Plattform Industrie 4.0 in die Tiefe – und das ausschließlich innerhalb der industriellen Produktion. - Bild: Plattform Industrie 4.0/IIC

Mit ihren Testbeds – Spielwiesen für Entwickler – haben die Amerikaner große Erfolge. Unter dem Dach des IIC können die Entwickler verschiedener Unternehmen mit vorhandenen Technologien ausprobieren, wie sich ihre IoT-Ideen am besten umsetzen lassen. Diese Vorgehensweise wollen nun die Deutschen übernehmen und steuern im Gegenzug ihre niederschwelligeren Zugangsmöglichkeiten für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) bei. Diese werden hierzulande von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen getragen und bieten KMU die Möglichkeit, Ideen auszuprobieren, ohne größere Summen investieren zu müssen und sich sofort auf eine Technologie festzulegen.

„Über unsere Plattform finden auch KMU Zugang zu einem Testbed in relativer Nähe“, sagt Russwurm.Eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit der Initiativen dies- und jenseits des Atlantiks spielen die Referenzarchitekturmodelle RAMI (I4.0) und IIRA (IIC). Sie werden die Grundlage dafür sein, dass auch im Wettbewerb miteinander stehende Unternehmen vernetzte Lösungen entwickeln können. Denn die Kunden sollen künftig problemlos von einem Anbieter zum nächsten wechseln können. Dafür aber ist es notwendig, dass die beiden bereits bestehenden Modelle miteinander harmonieren: Nur wenn alle Architekturen die gleiche Sprache sprechen, ist ein Austausch der Technologien, die auf unterschiedlichen Architekturen beruhen, jederzeit möglich.

Bild: Siemens

»Wir sind sehr daran interessiert, mit anderen zu kooperieren, um den Weg für globale Standards zu ebnen.«

Prof. Dr. Siegfried Russwurm,
Mitglied der Leitung
der Plattform Industrie 4.0, CTO und Mitglied des Vorstandes der Siemens AG

Konkurrenten? Wettlauf? Technologievorsprung? Offenbar doch nicht: Die jüngsten Meldungen deuten vielmehr auf Zusammenarbeit. Die Plattform Industrie 4.0 und das US-amerikanische Industrial Internet Consortium (IIC) wollen ihre beiden Welten miteinander in Einklang bringen. Möglich sei dies, weil sich die beiden Ansätze hervorragend ergänzten, erklärte Professor Siegfried Russwurm, Leitungsmitglied der Plattform Industrie 4.0 und Siemens-Vorstand, nach einem gemeinsamen Treffen der beiden Initiativen in Zürich. Während das IIC branchen- und domainübergreifend in der Breite operiere, gehe es in der deutschen Plattform Industrie 4.0 in die Tiefe – und das ausschließlich innerhalb der industriellen Produktion.

Oder anders ausgedrückt: Die Amerikaner beschäftigen sich mit Geschäftsprozessen im Bereich Gesundheit, öffentlicher Raum, Transport, Fertigung und Energie, während bei den Deutschen die Produktion eines Produktes über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Mittelpunkt steht. Da sei man komplementär, so Russwurm. Als ihre wichtigsten Aufgaben sehen es die Vertreter der Gremien nun an, ihre Referenzarchitekturmodelle miteinander abzugleichen, eine einheitliche Semantik zu erstellen, gemeinsame Testbeds durchzuführen und zu guter Letzt, sich um gemeinsame internationale Standards in den entsprechenden Gremien zu kümmern. „Dazu bündeln wir unsere Kräfte“, sagt Russwurm und hofft, dass nun alle Gerüchte hinsichtlich einer erbitterten Konkurrenz der beiden Organisationen aus dem Weg geräumt seien.

Bild: OMG

»Das Unterfangen zeigt, dass kluge technisch-versierte Menschen jede Lücke schließen können und einen Weg finden, um Probleme zu lösen [...].«

Dr. Richard Mark
Soley,
Executive Director des Industrial Internet Consortium