Hartmut Thomsen

Hartmut Thomsen: "Die Digitalisierung bedeutet nicht allein den Einsatz von neuen Technologien, vielmehr steht der Kundennutzen im Mittelpunkt." - Bild: Stefan Girschner

Drei Viertel aller weltweiten Umsätze von Unternehmen laufen über SAP-Systeme, die aber häufig noch lokal installiert sind. Auf der diesjährigen Kundenkonferenz Sapphire Now im Mai fokussierte SAP nun die Themen Digitalisierung, Internet der Dinge und Industrie 4.0.

Denn gerade diese Szenarien lassen sich am besten mit Cloud-Lösungen umsetzen. Auf diese Herausforderung hat SAP mit einer erweiterten Partnerschaft mit Microsoft reagiert, die zum Ziel hat, dass die HANA-Datenbank künftig auf der Cloud-Plattform Azure lauffähig ist. Dies soll Anwendern eine verbesserte Datenauswertung beispielsweise aus Office-365-Anwendugen ermöglichen.

Die wohl interessanteste Neuheit war die Ankündigung eines Updates der SAP HANA Cloud Plattform (HCP). SAP will mit der Platform-as-a-Service-Lösung Unternehmen verstärkt bei der digitalen Transformation unterstützen. Denn mit ihr lassen sich nicht nur neue Cloud-Anwendungen entwickeln, sondern lokale und Cloud-Anwendungen erweitern und diese in den digitalen Kern des Unternehmens integrieren – eine wichtige Voraussetzung für die flexible Abbildung der Geschäftsprozesse.

Herausforderung der digitalen Transformation

"Wenn ich auf den deutschen Markt schaue, stehen die Unternehmen alle vor den gleichen Herausforderung der digitalen Transformation", erläutert Hartmut Thomsen, Geschäftsführer der SAP Deutschland, bei einem Pressegespräch. "Die Digitalisierung bedeutet nicht allein den Einsatz von neuen Technologien, vielmehr steht der Kundennutzen im Mittelpunkt, wie die Beispiele Uber oder Airbnb zeigen." Sie würden zum einen sehen, dass sich die Arbeitsweise durch die Digitalisierung ändere, zum anderen die Veränderung von Geschäftsprozessen bis hin zur Veränderung der Geschäftsmodelle. Das funktioniere aber nur durch den Einsatz von IT und Software.

Mit der HCP-Plattform sollen Unternehmen IoT- und Big-Data-Szenarien schnell umsetzen und zugleich mit vorhandenen Geschäftsprozessen verbinden können. "Das heißt, dass Unternehmen heute in beiden Welten zuhause sein müssen", sagte Thomsen. SAP zeichne aus, beide Welten bedienen und diese mit Echt­zeitfunktionen ausstatten zu können.

Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Accenture, beobachtet schon länger, dass die deutschen Leitindustrien in Richtung Plattformen gehen und das Ziel verfolgen, mit ihren Daten Services zu generieren und so auch für ihre Produkte Mehrwerte generieren. "Weltweit tätige Hersteller können das nicht mit einem lokalen Rechenzentrum abbilden, sie müssen dafür in die Cloud gehen. Die Betriebsdaten der Produkte werden dann auch über eine Cloud-Plattform bereitgestellt und an eine Big-Data-Anwendung angeschlossen.

Stahlkonzern Klöckner nutzt diese Plattform für seinen Vertrieb

Genau dieses Szenario unterstützt die HANA Cloud Plattform", so Riemensperger. Auch wenn sich durch die Inte- gration verschiedener Systeme die klassische ERP-Welt verändern wird, geht der Berater davon aus, dass "der damit verbundene Transformationsprozess noch einige Jahre dauern wird, bis die digitale Transformation in den deutschen Leitindustrien angekommen ist."

SAP HANA Plattform
Die Plattform SAP HANA: Wie SAP HANA im Datenfluss einer Firma einzuordnen ist. - Bild: SAP

Der Stahlkonzern Klöckner hat mit der Einführung von SAP HANA 2015 und der Erweiterung um die HANA Cloud Plattform diesen Weg bereits beschritten. Auf der hybrid ausgelegten Plattform läuft die selbst entwickelte Anwendung Vertriebs-Cockpit, mit der der Hersteller die Auslieferung der Produkte optimieren kann. "Die HCP läuft stabil und bietet wie andere Cloud-Angebote umfassende Administrations-, Entwicklungs- und Auswertungsmöglichkeiten", weiß Michael Hilzinger, Group CIO bei Köckner, zu berichten.