Winter- Xpertiso

Xpertiso-Trainer Lucas Johannes Winter: „Schon mehrere Teilnehmer haben sämtliche Unterlagen mitgenommen, um die Szenarien mit der eigenen Geschäftsführung zu besprechen.“ - Bild: Xpertiso

Produktion: Herr Winter, wer nimmt typischerweise an Industrie 4.0-Trainings von Xpertiso teil?

Dr. Lucas Johannes Winter: Wir sehen in diesen Trainings sehr häufig Teilnehmer aus dem mittleren und höheren Management, vom Fachbereichsmanagement bis hin zu Geschäftsführung und Vorstand.

Da sind viele jüngere Manager dabei, die sich das Thema für ihre Karriere auf die Fahne schreiben möchten. Aber es gibt auch viele erfahrene Abteilungsleiter und Geschäftsführer, die nicht so wirken, als würden sie hinter jedem Hype her sein, aber meinen, bei diesem Thema tue sich so viel, dass sie sich mit dem Training fundiertes Wissen aneignen wollen.

Je höher die Position, desto wichtiger wird es, die Struktur, das Gewebe hinter einem Begriff wie Industrie 4.0 ganz klar darzulegen, damit die Person dann in der Lage ist, Themen und Ideen richtig einzuordnen.

Produktion: Industrie 4.0 ist ja immer noch ein junges Thema, das stark in Bewegung ist. Wie vermitteln Sie das in den Trainings und mit welchen grundlegenden Strategien lässt sich das Thema angehen?

Winter: Es gibt verschiedene Bereiche, auf die sich abzielen lässt. Zum Beispiel kann es um Effizienzsteigerungen gehen, um neue Herstellungsverfahren wie 3D-Druck, aber auch um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – zum Beispiel darum, eine Serviceleistung, für die früher ein Techniker zum Kunden kommen musste, per Smart-Glasses in Echtzeit-Fernunterstützung zu erledigen.

Diese ganz unterschiedlichen Bausteine machen Industrie 4.0 aus. Viele Elemente gibt es schon länger: Das Bahnbrechende liegt allerdings in der Kombinatorik dieser Technologien und einem agilen und kreativen Innovationsansatz: Erst so entstehen die wirklich großen Neuerungen.

Bei dieser industriellen Revolution liegt der springende Punkt darin, dass sich die Innovationsprozesse und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen ändern müssen. Es geht eben zum Beispiel nicht mehr darum, dass unsere Autos weiter jedes Jahr drei Prozent weniger Sprit oder weniger Energie bei der Herstellung brauchen – sondern um Vernetzung oder Nutzungskonzepte.

Industrie 4.0 definiert sich durch neue Innovationsprozesse, die sich auch in der fertigenden Produktion stark daran orientieren, wie Software-Entwicklung funktioniert. Das Stichwort hier ist eine schlanke Entwicklung mit schnellen pragmatischen Prototypen.

Produktion: Wie können es Unternehmen schaffen, sich auf eine andere Art der Innovation einzustellen?

Winter: Das Thema Customer Centricity, den Kunden in den Fokus zu stellen und von der Produktdenke hin zur Kundendenke zu wechseln, gehört zu den wichtigsten Aufgaben.

Welchen Nutzen bringe ich meinem Kunden, wie kann ich dessen Bedürfnisse noch ein bisschen besser erfüllen? Bei diesen Fragen hilft es, aus den alten Schemata auszubrechen.

Lean-Startup-Ansätze, also das Ausgliedern von Innovation in eine von bestehenden Organisationsstrukturen unabhängige Einheit, erweisen sich dabei als besonders zielführend und produktiv, auch für den Maschinenbauer oder den Automobilzulieferer.

Vita

Dr. Lucas Johannes Winter

Leiter Industrie 4.0 Practice bei der ROI Management Consulting AG

Senior Consultant bei der ROI Management Consulting AG

Leiter Business Excellence Miba AG

Project Manager Supply Chain Management & Process Management Miba AG

Promotion Industrieökonomik an der Universität Graz und der UC Berkeley